DBR-Direktor Sukschow äußert sich erstmals zu Ermittlungen über 143 Immobilien seines Bruders
Oleksij Sukschow, Direktor des ukrainischen Staatlichen Ermittlungsbüros (DBR), hat sich am Morgen des 8. Oktober erstmals gegenüber Journalisten von Slidstvo.Info zu einer Untersuchung über 143 Immobilien in Charkiw geäußert, die sein Bruder erworben haben soll. Sukschow wies die Informationen als nicht zutreffend zurück und verwies die Reporter an seinen Bruder. Während des Gesprächs auf einem öffentlichen Sportplatz in Kiew behinderten mehrere Männer in schwarzer Kleidung den Kameramann.
Das Wichtigste
- DBR-Direktor Oleksij Sukschow äußerte sich am Morgen des 8. Oktober erstmals zur Slidstvo.Info-Recherche über 143 Wohnungen und Büroräume seines Bruders in Charkiw.
- Sukschow erklärte, die Informationen entsprächen sich nicht der Realität, und forderte die Journalisten auf, sich an seinen Bruder zu wenden.
- Beim Gespräch auf einem öffentlichen Sportplatz im Kiewer Stadtteil Solomjansky behinderten ihm unbekannte Männer in schwarzer Kleidung den Journalisten Oleh Kotjuschanskyj beim Filmen; einer gab sich als Law-enforcement-Beamter zu erkennen.
- Die Untersuchung wurde am 6. Juli vom Pecherskyj-Gericht in Kiew unter Richter Serhij Wowk mit einem Veröffentlichungsverbot belegt; am 17. Juli veröffentlichten acht ukrainische Medien die Recherche im Rahmen von „Initiative 143″ solidarisch.
- Am 23. September hob das Kiewer Berufungsgericht das Veröffentlichungsverbot auf; Reporter ohne Grenzen und das International Press Institute kritisierten das Verbot.
- Laut Recherche kaufte Oleksandr Sukschow die Objekte vom Entwickler „Parkowyj-2″ zu Bilanzpreisen weit unter Marktwert; das Unternehmen stand später unter DBR-Aufsicht, ohne dass Verdachtsmomente mitgeteilt wurden.
Warum es wichtig ist
Der Direktor einer zentralen ukrainischen Law-enforcement-Behörde sah sich erstmals direkt mit Fragen zu einem ungewöhnlich großen Immobilienbestand konfrontiert, der mit seinem Bruder in Verbindung gebracht wird. Das vorgeschaltete Veröffentlichungsverbot für die journalistische Recherche und die spätere Solidaritätsaktion mehrerer Medien sowie die Stellungnahmen internationaler Pressefreiheitsorganisationen werfen Fragen nach justizieller Zensur investigativer Berichterstattung auf. Das Eingreifen unbeteiligter Männer in schwarzer Kleidung, von denen sich einer als Beamter zu erkennen gab, beim Versuch, die Aufnahme zu verhindern, verdeutlicht den Druck auf Journalisten, die über den Fall berichten.
Was geschehen ist
Am Morgen des 8. Oktober sprach der Slidstvo.Info-Journalist Oleh Kotjuschanskyj den DBR-Direktor Oleksij Sukschow auf einem öffentlichen Sportplatz im Kiewer Stadtteil Solomjansky an und fragte, wie sein Bruder Oleksandr in den Besitz von 143 Wohnungen und Büroräumen in Charkiw gekommen sei. Sukschow erklärte, die Informationen entsprächen nicht der Realität, und forderte die Journalisten auf, sich an seinen Bruder zu wenden. Während des Gesprächs behinderten Männer in schwarzer Kleidung, die Sukschow umgaben, den Journalisten beim Filmen; einer stellte sich als Law-enforcement-Beamter vor, blockierte den Weg, forderte ihn auf, das Handy wegzustecken, und drängte ihn weg. Es handelt sich um die erste öffentliche Reaktion des DBR-Chefs auf die Recherche.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Medien stellen das direkte Zusammentreffen zwischen Slidstvo.Info und dem DBR-Direktor in den Mittelpunkt und betonen dessen ausweichende Haltung sowie die physische Behinderung durch Männer in schwarzer Kleidung. Die Berichterstattung hebt zudem das vorherige Veröffentlichungsverbot durch Richter Serhij Wowk, die Solidaritätsaktion „Initiative 143" mehrerer Medien und Stellungnahmen ukrainischer Organisationen wie des Media Movement hervor, die vor systemischem Druck auf investigative Journalisten durch Law-enforcement-Strukturen warnen. Schlagzeilen greifen häufig die eigenen Worte Sukschows auf („Sie haben mein Training/meine Stimmung ruiniert"), um dessen abwehrende Haltung gegenüber den Journalisten zu unterstreichen.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen weichen beim Preisrahmen pro Wohnung voneinander ab: Eine Quelle nennt 25.000–50.000 Hrywnja (etwa 932–1.856 US-Dollar), andere nennen 24.000–49.000 Hrywnja (etwa 932–1.856 US-Dollar). Auch bei der Zahl der an „Initiative 143" beteiligten Medien unterscheiden sich die Angaben: Ein Artikel spricht von 17 ukrainischen Medien, ein anderer von acht, ein weiterer nennt 19 zusätzlich zu den anfänglichen acht.
Hintergrund
Im Juli 2018 kaufte Oleksandr Sukschow laut der Recherche 30 Wohnungen in einem Charkiw-Wohnkomplex zu Preisen von 24.000–49.000 Hrywnja pro Wohnung (etwa 932–1.856 US-Dollar zum damaligen Wechselkurs) – weit unter Marktwert. Die Untersuchung brachte die Käufe mit dem Entwickler „Parkowyj-2" in Verbindung, der Komplexe ohne ordnungsgemäße Genehmigungen im Rahmen einer Rekonstruktion von Nichtwohngebäuden errichtet haben soll und später unter DBR-Aufsicht geriet, ohne dass Verdachtsmomente mitgeteilt wurden. Am 6. Juli erließ Richter Serhij Wowk vom Pecherskyj-Gericht in Kiew ein Veröffentlichungsverbot gegen Slidstvo.Info und das Antikorruptionszentrum (TsPK), am 16.–17. Juli veröffentlichten acht ukrainische Medien die Recherche im Rahmen von „Initiative 143" – weitere schlossen sich an, sodass das Material innerhalb von drei Tagen nahezu 4 Millionen Aufrufe erreichte –, bevor das Kiewer Berufungsgericht das Verbot am 23. September aufhob.