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Lwiwer Oblastrat erklärt 2027 zum Jahr der UPA, Schuchewytsch und Olzhytsch – scharfe polnische Reaktion

Die Lwiwer Oblastrat hat am 20. Oktober 2027 zum Jahr der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA), ihres Kommandeurs Roman Schuchewytsch sowie des Dichters Oleh Olzhych erklärt. Die polnische Regierung kritisierte den Beschluss scharf als inakzeptabel und provokativ; Außenminister Radosław Sikorski kündigte zudem an, den Initiator der Initiative, Swjatoslaw Scheremeta, auf die Liste unerwünschter Personen in Polen setzen zu lassen. Das ukrainische Außenministerium erklärte den regionalen Beschluss für kontraproduktiv für die ukrainisch-polnischen Beziehungen und rief beide Seiten zur Mäßigung auf. Am Abend wurde die Bekanntmachung von der Website und den Social-Media-Kanälen der Oblastrat entfernt.

Das Wichtigste

  • Am 20. Oktober 2026 beschloss der Lwiwer Oblastrat, 2027 zum Jahr der UPA, Roman Schuchewytsch und Oleh Olzhych zu erklären.
  • Der Beschluss war an den 120. Geburtstag Schuchewytschs, den 120. Geburtstag Olzhytschs und das 85. Gründungsjubiläum der UPA geknüpft.
  • Initiator war Swjatoslaw Scheremeta, Leiter des Kulturausschusses des Lwiwer Oblastrats.
  • Polens Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz nannte die Entscheidung inakzeptabel, Ministerpräsident Donald Tusk kritisierte sie als selbstschädigend.
  • Außenminister Radosław Sikorski kündigte an, Scheremeta auf Polens Liste unerwünschter Personen setzen zu lassen.
  • Ukrainisches Außenministerium bezeichnete den Beschluss als kontraproduktiv für die Beziehungen zu Polen und rief Warschau zu Zurückhaltung auf.
  • Die Veröffentlichung des Beschlusses wurde am Abend des 20. Oktober von der Website und den Social-Media-Kanälen der Oblastrat entfernt.

Warum es wichtig ist

Der Beschluss verschärft eine seit langem schwelende Auseinandersetzung über die historische Erinnerung, insbesondere über die Rolle von OUN und UPA sowie über die Bewertung der wolhynischen Ereignisse. Die schnelle und scharfe Reaktion auf Ministerebene in Warschau signalisiert, dass regionale symbolische Entscheidungen in der Ukraine unmittelbare Auswirkungen auf das bilaterale Verhältnis, die militärische Zusammenarbeit und den europäischen Integrationsprozess der Ukraine haben können. Zudem markiert der angekündigte Eintrag des Initiators auf die Liste unerwünschter Personen eine seltene konkrete Sanktionsmaßnahme gegenüber einem ukrainischen Regionalpolitiker.

Was geschehen ist

Am 20. Oktober 2026 beschloss der Lwiwer Oblastrat auf einer Plenarsitzung, das Jahr 2027 zum Jahr der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA), ihres Kommandeurs Roman Schuchewytsch und des Dichters und OUN-Funktionärs Oleh Olzhych zu erklären. Initiator war Swjatoslaw Scheremeta, Leiter des Kulturausschusses des Rats; er verteidigte die Entscheidung mit den Worten, bei den Geehrten handle es sich um „unsere Geschichte, unsere Helden". Der Beschluss war an den 120. Geburtstag Schuchewytschs, den 120. Geburtstag Olzhytschs und das 85. Gründungsjubiläum der UPA geknüpft und sah für 2027 memoriale, wissenschaftliche, kulturelle und Informationsveranstaltungen in der Oblast Lwiw vor.

Am Abend des 20. Oktober wurde die Bekanntmachung des Beschlusses von der Website und den Social-Media-Konten der Oblastrat entfernt. Das ukrainische Außenministerium erklärte, der Beschluss sei auf regionaler Ebene durch ein Selbstverwaltungsorgan ohne Konsultation des Ministeriums oder anderer zentraler Behörden gefasst worden, und bezeichnete ihn als kontraproduktiv für die ukrainisch-polnischen Beziehungen; es rief die polnische Seite zu Zurückhaltung auf und bestätigte die Bereitschaft zur konstruktiven Lösung strittiger Fragen auf diplomatischem Wege.

Auf polnischer Seite reagierte Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz mit scharfer Kritik und nannte die Entscheidung inakzeptabel. Ministerpräsident Donald Tusk sprach von einer selbstschädigenden Taktik, die der Ukraine schade und ihren Gegnern nütze. Außenminister Radosław Sikorski kündigte an, einen Antrag auf Aufnahme Scheremetas in die Liste unerwünschter Personen unterzeichnet zu haben; er beschrieb Schuchewytsch als Kommandeur der UPA, der Befehle zur Vertreibung und Tötung von Polen erteilt habe. Vizeminister Marcin Bosacki erklärte im Fernsehen, Vertraute von Präsident Wolodymyr Selenskyj hätten zugesichert, dass der Beschluss nicht in Kraft treten werde; die Entfernung der Veröffentlichung wertete er als positives Zeichen. Das polnische Generalkonsulat in Lwiw veröffentlichte eine Erklärung, in der die Glorifizierung der UPA und „krimineller Figuren" als unvereinbar mit europäischen Werten und dem Charakter der polnisch-ukrainischen Beziehungen bezeichnet wurde.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Quellen betonen, dass der Beschluss auf regionaler Ebene durch ein Selbstverwaltungsorgan gefasst wurde, das nicht der Werchowna Rada, dem Ministerkabinett, dem Präsidenten oder anderen zentralen Exekutivorganen untersteht. Das ukrainische Außenministerium rief die polnische Seite zu Zurückhaltung auf, bestätigte die eigene Bereitschaft zur konstruktiven Lösung strittiger Fragen auf diplomatischem Wege und verwies auf den erzielten Fortschritt im strategischen Dialog mit Polen, darunter bei Such- und Exhumierungsarbeiten, im historischen Dialog und in der Verteidigungskooperation. Der Initiator der Initiative, Swjatoslaw Scheremeta, wies die Deutung zurück, der Beschluss richte sich gegen Polen, und betonte, mit ihm sollten Figuren der ukrainischen nationalen Befreiungsbewegung geehrt werden.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Polnische Quellen stellen den Beschluss in den Kontext der Auseinandersetzung um die historische Erinnerung und insbesondere der polnischen Bewertung der UPA sowie der Ereignisse in Wolhynien. Sie betonen die scharfen Reaktionen von Verteidigungs-, Außen- und Ministerpräsident, die den Beschluss als inakzeptabel, provokativ, schädlich und als mögliche Munition für Gegner eines ukrainischen EU-Beitritts beschreiben. Polnische Berichte heben zudem den Hintergrund des Initiators – einschließlich eines früheren polnischen Einreiseverbots – und die angekündigte Eintragung in die Liste unerwünschter Personen als Reaktion der polnischen Seite hervor.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die polnische und die ukrainische Seite bewerten den Beschluss gegensätzlich: Die ukrainische Regierung erklärte ihn für kontraproduktiv für die bilateralen Beziehungen und verwies zugleich auf seinen regionalen Charakter, während polnische Spitzenpolitiker ihn als schädlich, provokativ und der Ukraine selbst schadend darstellten. Polnische Vertreter erklärten, der Beschluss werde nicht in Kraft treten, wofür sie auch die Entfernung der Bekanntmachung von der Website als Anlass nahmen – gleichzeitig hatte der Lwiwer Oblastrat den Beschluss gefasst und memoriale Aktivitäten für 2027 vorgesehen. Beim formalen Status der polnischen Maßnahme gegen Swjatoslaw Scheremeta unterscheiden sich die Angaben: Während mehrere Berichte Sikorskis Antrag als unterzeichnete Ordre zur Eintragung in die Liste unerwünschter Personen darstellen, hält eine Quelle fest, dass die endgültige Entscheidung nicht beim Außenminister liege.

Hintergrund

Die Auseinandersetzung um die Bewertung der OUN, der UPA und insbesondere Roman Schuchewytschs belastet die ukrainisch-polnischen Beziehungen seit langem. Polen stuft die während der wolhynischen Ereignisse begangenen Verbrechen an der polnischen Bevölkerung als Völkermord ein; viele ukrainische Historiker und Politiker sehen sie als Teil eines breiteren polnisch-ukrainischen Konflikts mit Verantwortung auf beiden Seiten. In der ukrainischen Erinnerungskultur gelten OUN und UPA häufig als Symbole des Unabhängigkeitskampfes und des nachkriegszeitlichen Widerstands gegen die Sowjetunion. Ähnliche regionale Beschlüsse zur Ehrung Schuchewytschs oder der UPA waren zuvor bereits von Räten in Lwiw, Riwne, Ternopil und Wolyn gefasst worden.