Selenskyj: Beziehungen zwischen Ukraine und Polen haben sich verbessert
Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am 17. Oktober in einem Audiogespräch mit Journalisten erklärt, dass sich die Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen in letzter Zeit verbessert hätten. Er bedankte sich bei der polnischen Regierung, bei Premierminister Donald Tusk und beim polnischen Volk für deren Unterstützung und bezeichnete Russland als gemeinsamen Feind. Die Äußerung folgte auf seine erste Auslandsreise ab dem Flughafen Rzeszów seit dem Beginn der Krise um den Orden des Weißen Adlers.
Das Wichtigste
- Selenskyj erklärte am 17. Oktober in einem Audiogespräch mit Journalisten, dass sich die Beziehungen zwischen Ukraine und Polen verbessert hätten.
- Er dankte der polnischen Regierung, Ministerpräsident Donald Tusk und dem polnischen Volk für ihre Unterstützung der Ukraine.
- Selenskyj bezeichnete Russland als gemeinsamen Feind beider Länder und sagte, Moskau sei über ein starkes Kyjiw-Warschau-Bündnis besorgt.
- Er zeigte sich zuversichtlich, dass selbst schwierige Fragen gelöst werden können, und rief zu weiterem Ausbau der Beziehungen auf.
- Am 14. Oktober war Selenskyj erstmals seit Beginn der Krise um den Orden des Weißen Adlers wieder ab Rzeszów zu einer Auslandsreise gestartet.
- Während der Krise war Selenskyj vorwiegend ab Flughäfen in Moldau (Chișinău) und Rumänien gereist statt ab Rzeszów.
Warum es wichtig ist
Die Erklärung markiert eine sichtbare Wende in einem bilateralen Verhältnis, das über Monate schwer belastet war. Sie fällt mit der Rückkehr von Rzeszów als Abreiseflughafen für Präsidentenreisen zusammen, einem praktischen Signal, das in beiden Hauptstädten registriert wird. Mit der ausdrücklichen Einordnung Polens als Partner gegen eine gemeinsame russische Bedrohung erhöht Selenskyj die politischen Kosten jeder weiteren Verstimmung. Die Annäherung hat direkte Folgen für den EU-Beitrittspfad der Ukraine, den Warschau zuvor mit dem Veto gedroht hatte. Daneben bleibt der Streit um die Aberkennung des Ordens des Weißen Adlers durch Präsident Karol Nawrocki ungelöst.
Was geschehen ist
Am 17. Oktober wandte sich Präsident Wolodymyr Selenskyj per Audiokonferenz an Journalisten und erklärte, dass sich die Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen in letzter Zeit verbessert hätten. Er dankte der polnischen Regierung, der polnischen Diplomatie, Ministerpräsident Donald Tusk und dem polnischen Volk ausdrücklich für deren Unterstützung der Ukraine. Russland bezeichnete er als gemeinsamen Feind beider Länder; nach seiner Darstellung ist Moskau besorgt über ein starkes Bündnis zwischen Kyjiw und Warschau. Selenskyj betonte, beide Staaten müssten ihre Beziehungen weiter festigen und problematische Entscheidungen ruhiger lösen, und zeigte sich zuversichtlich, dass selbst sehr schwierige Fragen geklärt werden können. Journalisten hatten die Frage nach der Belebung der Beziehungen zuvor mit seiner Rückkehr zur Nutzung des Flughafens Rzeszów für Auslandsreisen verknüpft: Am 14. Oktober war er von dort erstmals seit der Krise um den Orden des Weißen Adlers zu einer Reise gestartet. Selenskyj sagte zudem, er habe sich am 15. Oktober in Brüssel mit Tusk zu einem guten Gespräch am Rande des EU-Gipfels getroffen.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Medien rahmen den Moment übereinstimmend als klare Verbesserung nach einer langen Phase der Verschlechterung. Sie stellen Selenskyjs Dank an Polen, Donald Tusk und das polnische Volk heraus und betonen die geopolitische Lesart – Russland als gemeinsamer Feind und die Sorge Moskaus über ein starkes Bündnis Kyjiw-Warschau – sowie die symbolische Rückkehr von Rzeszów als Abreiseflughafen. Mehrere ukrainische Ausgaben erinnern an die ungelösten Hintergrundkonflikte: die Aberkennung des Ordens des Weißen Adlers, den Streit um die Ehrung von UPA- und OUN-Figuren und die frühere Drohung Warschaus, den EU-Beitritt der Ukraine zu blockieren. Pauschale Schuldzuweisungen an Warschau vermeiden die Berichte meist und behandeln die Spannungen als zwischen beiden Ländern „ruhig zu lösendes“ Problem.
Hintergrund
Die Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen hatten sich Ende Mai und Anfang Juni erheblich verschlechtert, nachdem der polnische Präsident Karol Nawrocki Selenskyj den Orden des Weißen Adlers entzogen hatte. Auslöser war die Verleihung des Ehrentitels „Helden der UPA“ an eine ukrainische Militäreinheit. Die polnische Regierung forderte, die Ehrung von UPA- und OUN-Figuren zu beenden, und drohte damit, den EU-Beitritt der Ukraine zu blockieren; das ukrainische Außenministerium nannte das Vorgehen einen „strategischen Fehler“ und erklärte, Kyjiw lasse sich seine Geschichte nicht diktieren. Im Zuge des Streits waren mehrere ehemalige ukrainische Präsidenten auf polnische Auszeichnungen verzichten, polnische Persönlichkeiten hatten daraufhin ukrainische Orden zurückgewiesen. Während der Krise war Selenskyj vorwiegend über den Flughafen Chișinău (Moldau) statt über Rzeszów gereist; am 7. Juni flog er über Chișinău zu einem Besuch im Vereinigten Königreich. Ende Juli reiste er auf dem Rückweg aus den USA für ein Treffen mit Donald Tusk nach Lublin. Im Juni fand in Gdańsk eine Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine statt, bei der die Ukraine von einer Delegation unter Premierministerin geleitet wurde, da Selenskyj nicht anreiste. Am 23. August unterzeichnete Selenskyj das Gesetz „Über das ukrainische National-Pantheon“, das auch die Ehrung von UPA-Führern ermöglicht; Warschau warnte vor Problemen auf dem Weg in die EU. Zudem drängte Warschau auf die Exhumierung der Opfer des Volhynien-Gemetzels von 1943–1944, während die ukrainische Seite historische Fragen bei Historikern verortet sehen will. In Polen wurden in der ersten Jahreshälfte 2026 nach Polizeiangaben 180 Hassverbrechen gegen Ukrainer angezeigt – über 30 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2025.