Ukrainische Drohnenangriffe auf Noworossijsk treffen Marinestützpunkt und Tanklager
In der Nacht zum 9. September 2026 haben ukrainische Drohnen den Marinestützpunkt und das Tanklager in der russischen Hafenstadt Noworossijsk in der Region Krasnodar angegriffen. Nach ukrainischen Angaben wurden dabei ein Kalibr-Raketenträger, Hafenanlagen und der Mazut-Terminal getroffen, während die russische Seite zunächst keine Verluste bestätigte. Der Gouverneur der Region Krasnodar meldete später 4 Tote und 29 Verletzte, der Bürgermeister hatte zuvor erklärt, es gebe keine Opfer.
Das Wichtigste
- Angriff in der Nacht zum 9. September 2026 auf Noworossijsk, Region Krasnodar, Russland
- Ukrainischer Generalstab und Präsident Selenskyj bestätigten den Angriff auf die Marinebasis Noworossisk
- Astra-OSINT-Analysten identifizierten das „Noworossijski Masutny Terminal“ (LLC) als eine der Brandstellen
- Ukrainische Angaben: Treffer an einem Ölverladeterminal, Militäranlagen, Kriegsschiffen und Kalibr-Trägern; HUR meldete Treffer auf der Fregatte Admiral Essen (Projekt 11356)
- Bürgermeister Andrij Krautschenko sprach zunächst von keinen Opfern; Gouverneur Wjatscheslaw Kondratjew meldete später 4 Tote und 29 Verletzte
- Russisches Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht 596 ukrainische Drohnen über 10 bzw. 11 Regionen, der besetzten Krim und dem Schwarzen Meer abgefangen zu haben
- Drohneinsätze auch in Anapa: Brovdi zufolge Zerstörung eines Su-33, einer Mi-8 sowie zweier Radarkomplexe nahe Gelendschik
Warum es wichtig ist
Der Marinestützpunkt Noworossisk ist ein wichtiger Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte; ein direkter Angriff dort stellt eine ernsthafte Herausforderung für die russische Fähigkeit dar, Schiffe im Schwarzen Meer zu stationieren und zu betreiben. Die getroffene Fregatte Admiral Essen ist ein Träger der Kalibr-Marschflugkörper, die gegen ukrainische zivile Infrastruktur eingesetzt werden, weshalb ihrer Beschädigung militärisch erhebliche Bedeutung zukommt. Der Mazut-Terminal gehört zum nach Frachtumschlag größten Seehafen Russlands; Schäden dort treffen die Exportinfrastruktur für Energieprodukte. Die Behauptung des russischen Verteidigungsministeriums, in der Nacht 596 ukrainische Drohnen abgefangen zu haben, deutet auf eine außergewöhnlich groß angelegte ukrainische Drohnenoperation hin. Der Angriff folgt auf den Schlag vom 12. August 2026 gegen Noworossisk, der bereits den Betrieb der Getreideterminals und die Ölexporte vom Scheskharis-Terminal unterbrochen hatte.
Was geschehen ist
In der Nacht zum 9. September 2026 führten ukrainische Streitkräfte einen Drohnenangriff auf die Hafenstadt Noworossisk in der russischen Region Krasnodar durch. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs wurde der Marinestützpunkt Noworossisk getroffen, wobei es zu Bränden auf dem Stützpunktgelände und am Tanklager des Hafens sowie zu Explosionen in Schiffsliegeplätzen kam. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, ein für die Ölverladung genutzter Terminal, militärische Hafenanlagen, Kriegsschiffe und Kalibr-Raketenträger seien getroffen worden. Der ukrainische Militärnachrichtendienst (HUR) meldete, dass unter anderem der Projekt-11356-Frachter Admiral Essen getroffen wurde, woraufhin es auf dessen Aufbauten zu einem Brand kam. Robert „Madjar" Brovdi, Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte der Unbemannten Systeme, sprach von einem kombinierten Angriff unter Beteiligung der SBS, bei dem die Marinebasis eine Reihe militärischer Wasserfahrzeuge einschließlich Raketenträgern verloren habe, und berichtete zudem von Einsätzen, bei denen in Anapa ein Su-33, eine Mi-8 und nahe Gelendschik zwei Radarkomplexe (Kasta 2E2 und 92N6 aus S-300/400-Systemen) zerstört worden seien.
OSINT-Analysten des Telegram-Kanals Astra identifizierten anhand von Augenzeugenaufnahmen das „Noworossijski Masutny Terminal" (LLC) als eine der Brandstellen; Dnipro OSINT meldete zudem, dass mindestens ein Behälter des Tanklagers beschädigt worden sei. Bürgermeister Andrij Krautschenko bestätigte den Angriff und erklärte, Trümmerteile seien auf dem Gelände mehrerer Betriebe und in der Nähe eines Wohnhauses niedergegangen; das konkrete betroffene Unternehmen nannte er nicht. OSINT-Aufnahmen zeigten zudem einen Brand in einem mehrstöckigen Wohnhaus an der Wolgograder Straße. Während Krautschenko zunächst von keinen Opfern sprach, erklärte der Gouverneur der Region Krasnodar, Wjatscheslaw Kondratjew, später, dass 4 Menschen getötet und 29 verletzt worden seien. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht 596 ukrainische Drohnen über zehn bzw. elf russische Regionen, der besetzten Krim und dem Schwarzen Meer abgefangen zu haben.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Die einzige nicht-ukrainische Quelle in dem Eingangsmaterial, eine englischsprachige Agenturmeldung aus Aserbaidschan mit dem Titel „Ukraine launches drone attack on Novorossiysk: 4 killed, 29 injured", stellt die vom Gouverneur der Region Krasnodar genannten Opferzahlen in den Vordergrund. International ausgerichtete Quellen stützen sich stärker auf russische offizielle Angaben und OSINT (Astra, Dnipro OSINT, NASA FIRMS), um den Ort des Geschehens zu bestätigen, sowie auf die Behauptung des russischen Verteidigungsministeriums, 596 Drohnen abgefangen zu haben, wobei ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass die Angaben nicht unabhängig verifiziert werden konnten. Anders als die detaillierten ukrainischen Angaben zu getroffenen Schiffen, Flugzeugen und Radarkomplexen hat die russische Seite eigene Verluste aus dem Angriff bislang nicht offiziell bestätigt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Über die Opferzahlen gibt es widersprüchliche Angaben: Bürgermeister Andrij Krautschenko von Noworossisk erklärte zunächst, es gebe keine Opfer; der Gouverneur der Region Krasnodar, Wjatscheslaw Kondratjew, nannte später 4 Tote und 29 Verletzte. Beim Umfang der vom russischen Verteidigungsministerium behaupteten Abfängen werden teils 10, teils 11 russische Regionen genannt, jeweils plus besetzter Krim und Schwarzem Meer. Während der ukrainische Generalstab und der HUR den Treffer auf den Projekt-11356-Frachter Admiral Essen sowie Brände und Explosionen in Schiffsliegebereichen bestätigten, hat Russlands Militär eigene Verluste aus dem Angriff bislang nicht offiziell bestätigt.
Hintergrund
Das „Noworossijski Masutny Terminal" (LLC) ist Teil des Noworossijer Handelsseehafens, der als Russlands größter Seehafen nach Frachtumschlag gilt; seine Durchsatzkapazität liegt bei rund 4 Millionen Tonnen Mazut und Ölprodukten pro Jahr. Am 12. August 2026 führte die Ukraine einen Mehrfachwaffenangriff auf Noworossisk durch, bei dem unter anderem die Projekt-11356-Fregatten Admiral Makarow und Admiral Essen, das Kleine Raketenschiff Bujan-M sowie das Patrouillenschiff Wassil Bykow getroffen wurden; dabei kamen Drohnenraketen wie Paljanyzja, Peklo und Bars, die Rakete Dowhyj Neptun sowie unbemannte Boote Sargan und Mamaj zum Einsatz. Im Anschluss stellten alle drei Getreideterminals des Hafens den Betrieb ein, und die Rohölexporte vom Scheskharis-Terminal wurden ausgesetzt; Selenskyj erklärte, die Angriffe hätten zu einem vollständigen Stillstand des Schiffsverkehrs im Hafen geführt. Der weltgrößte Container-Reeder MSC stornierte wegen der Navigationsgefahr alle neuen Frachtbuchungen nach Noworossisk. Monitoring-Gruppen verzeichneten steile Rückgänge beim russischen Schwarzmeer-Export von Ölprodukten und Rohöl, die mit den systematischen ukrainischen Angriffen auf Infrastruktur und Tanker in Verbindung gebracht werden.