Russischer Drohnenangriff trifft Flughäfen und Wohngebäude in der Ukraine
Russland hat in der Nacht zum 5. September Drohnenangriffe auf mehrere Regionen der Ukraine geführt. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, dabei seien erstmals seit längerer Zeit gezielt die Flughäfen Kiew-Schuljany und Boryspil getroffen worden, und verband dies mit den geplanten Besuchen amerikanischer Diplomaten.
Das Wichtigste
- In der Nacht zum 5. September wurden erneut Luftalarm in Kiew und der Oblast Kiew ausgelöst.
- Selenskyj zufolge trafen die ersten gezielten Angriffe auf die Flughäfen Kiew-Schuljany und Boryspil seit längerer Zeit.
- In Boryspil traf eine Drohne einen neunstöckigen Wohnblock; zwei Frauen wurden verletzt und 15 Bewohner evakuiert.
- In der Oblast Kiew gerieten Lagerhallen in Brand; während der Löscharbeiten erfolgte ein weiterer Angriff auf ein benachbartes Gebäude.
- Bei einem Angriff auf ein ziviles Unternehmen in Kamjanske wurden nach Selenskyjs Angaben vier Menschen getötet und fünf verletzt.
- Selenskyj kündigte für die folgende Woche eine Anpassung der ukrainischen Operationen im Hinblick auf den russischen Luftraum an.
Warum es wichtig ist
Die Angriffe auf zivile Gebäude und Flughäfen zeigen die weitreichenden Folgen der russischen Drohnenkampagne. Die Verbindung der Flughafenangriffe mit der bevorstehenden amerikanischen diplomatischen Mission deutet zudem auf eine bewusste Eskalation während der internationalen Vermittlungsbemühungen hin. Selenskyjs Ankündigung, die ukrainischen Operationen im Hinblick auf den russischen Luftraum anzupassen, lässt eine weitere Verschärfung erwarten.
Was geschehen ist
In der Nacht zum 5. September griffen russische Streitkräfte die Ukraine mit Drohnen und anderen Wirkmitteln an. In Kiew und der Oblast Kiew wurde mehrfach Luftalarm ausgelöst. Nach Darstellung von Präsident Selenskyj trafen die Angriffe erstmals seit längerer Zeit gezielt die Flughäfen Kiew-Schuljany und Boryspil. Eine Drohne verursachte in Boryspil einen Brand und schwere Schäden an einem neunstöckigen Wohnhaus; zwei Frauen wurden mit Barotrauma und geschlossener Brustkorbverletzung ins Krankenhaus eingeliefert, 15 Bewohner wurden evakuiert. In der Oblast Kiew brannten Lagerhallen, wobei ein benachbartes Lagergebäude während der Löscharbeiten erneut getroffen wurde. In Kamjanske in der Oblast Dnipropetrowsk traf ein Angriff ein ziviles Unternehmen. Die genaue Zahl der Todesopfer ist zwischen den Quellen umstritten: Selenskyj nannte vier Tote und fünf Verletzte, eine andere Meldung fünf Tote.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ukrainischen Medien und Behörden stellen die Angriffe als russischen Angriff auf die zivile Infrastruktur und auf die diplomatischen Bemühungen der USA dar. Besonders hervorgehoben werden die Schäden am Wohnhaus in Boryspil sowie die Opfer in Kamjanske. Selenskyj beschreibt die Flughafenangriffe als demonstrative Reaktion auf die geplante Reise der US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nach Moskau und Kiew. Gleichzeitig betont er die ukrainische Zurückhaltung während des geplanten Besuchs: Die Ukraine werde Russland aus der Luft nicht angreifen, fordere aber von Russland eine entsprechende Zurückhaltung.
Wo die Berichte auseinandergehen
Beim Angriff auf das zivile Unternehmen in Kamjanske nennt Selenskyj vier Tote und fünf Verletzte, während eine andere Quelle von fünf Todesopfern berichtet. Uneinheitlich ist zudem die Darstellung eines vorübergehenden Schweigens an der Front: Die Ukrainska Prawda meldete eine entsprechende ukrainische Anordnung für den 5. bis 8. September, Quellen von Suspilne bestritten dies, und die ukrainischen Streitkräfte erklärten, die Kampfhandlungen liefen vollständig weiter.
Hintergrund
Selenskyj hatte bereits am 1. September Fluggesellschaften vor einer zunehmenden Gefahr im russischen Luftraum gewarnt. Die Ukraine informierte daraufhin die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) über die Gefahr für die Zivilluftfahrt. Am 4. September bestätigte er den geplanten Besuch der US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau und Kiew. Nach Darstellung des Abgeordneten Olexij Hontscharenko war eine Landung in Boryspil vorgesehen. US-Unterhändler sollen laut Medienberichten vorübergehende gegenseitige Einschränkungen von Drohnen- beziehungsweise Raketenangriffen während der Reise angestrebt haben.