Tschechiens Premier Babiš schlägt gemeinsames europäisches Raketenabwehrsystem „Euro Patriot“ vor
Der tschechische Premierminister Andrej Babiš hat beim Prager Verteidigungsgipfel die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Raketenabwehrsystems namens „Euro Patriot“ vorgeschlagen. Er verwies auf den Aufruf des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an Europa, eigene Fähigkeiten zur Abwehr ballistischer Raketen und Drohnen zu entwickeln, und regte an, Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen in Europa zu erwerben.
Das Wichtigste
- Babiš stellte den Vorschlag beim Prager Verteidigungsgipfel vor.
- Das Projekt soll innerhalb der EU-Mitgliedstaaten entwickelt werden.
- Babiš sieht „Euro Patriot“ als Stärkung des europäischen Beitrags zur NATO, nicht in Konkurrenz zu den USA.
- Er schlug vor, Lizenzen zur Produktion von Patriot-Abfangraketen in Europa zu erwerben.
- Bezugnahme auf Selenskyjs Rede beim NATO-Gipfel in Ankara, in der dieser ballistische Raketen als größte Bedrohung bezeichnete.
- Ukraine hat parallel das Freyja-Projekt mit mehreren europäischen Staaten zur Raketenabwehr gegründet, mit Tests bis Jahresende.
Warum es wichtig ist
Der Vorschlag ist ein konkretes europäisches Vorhaben, parallel zu den von den USA gelieferten Patriot-Systemen eine eigene Abwehrkapazität aufzubauen. Er knüpft direkt an die Bedrohungsanalyse an, die die Ukraine aus dem Krieg ableitet, und könnte – falls umgesetzt – die europäische Verteidigungsindustrie durch lizenzierte Produktion von Patriot-Abfangraketen grundlegend verändern.
Was geschehen ist
Beim Prager Verteidigungsgipfel schlug der tschechische Premierminister Andrej Babiš die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Raketenabwehrsystems namens „Euro Patriot“ vor. Er griff damit den Appell des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf, Europa solle eigene Systeme zur Abwehr ballistischer Raketen, zur Anti-Raketen-Verteidigung und zur Drohnenabwehr entwickeln. Babiš betonte, ein europäisches Patriot-System würde den Beitrag Europas zur NATO stärken und nicht in Konkurrenz zu den USA treten. Er regte an, dass Europa Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen erwerben könnte, und verwies auf das Airbus-Projekt aus den 1970er Jahren als erfolgreiches Beispiel europäischer Kooperation. Das Vorhaben soll innerhalb der EU-Mitgliedstaaten vorangetrieben werden.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen datieren den von Babiš erwähnten NATO-Gipfel unterschiedlich: Artikel 23675 verweist lediglich auf einen NATO-Gipfel in Ankara ohne weitere Spezifizierung, während Artikel 23802 ihn als NATO-2026-Gipfel in Ankara einordnet.
Hintergrund
Babiš verwies auf das Airbus-Projekt der 1970er Jahre als Präzedenzfall für gelungene europäische verteidigungsindustrielle Zusammenarbeit. Einige Quellen ordnen ein solches System als Schritt in Richtung dessen ein, was als „NATO 3.0“ bezeichnet wird, also eine Neuaufstellung der Bündnisstruktur. Unabhängig davon hat die Ukraine gemeinsam mit mehreren europäischen Staaten das Freyja-Projekt zur Suche nach Raketenabwehrlösungen gegründet; Tests sollen bis Ende des Jahres beginnen.