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KIIS-Umfrage: Korruption und Behördenversagen sorgen Ukrainer stärker als der Krieg

Eine Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie (KIIS) vom September 2026 zeigt, dass Korruption und Unfähigkeit der Behörden die größten Sorgen der Bevölkerung sind und die Angst vor dem Krieg übertreffen. 50 Prozent nennen Korruption, 40 Prozent die russischen Raketen- und Drohnenangriffe als wichtigstes Anliegen. 72 Prozent halten Präsident Selenskyj persönlich verantwortlich für Korruption in seinem Umfeld.

Das Wichtigste

  • KIIS befragte zwischen dem 12. und 21. September 2026 insgesamt 1.002 Personen ab 18 Jahren in den von der Regierung kontrollierten Gebieten per Telefon.
  • 50 % nannten Korruption in der Macht als größte Sorge, 40 % die massiven russischen Raketen- und Drohnenangriffe.
  • 30 % sorgten sich am meisten um die Inkompetenz der Behörden, 28 % um niedrige Löhne und Renten, 24 % um die Arbeit der Territorialen Rekrutierungszentren (TCC), 23 % um steigende Preise, 21 % um die Lage an der Front.
  • Zusammengenommen wählten 64 % Korruption oder Inkompetenz der Behörden, 53 % Raketenangriffe oder Frontlage – die Unzufriedenheit mit der Regierung wurde damit etwas häufiger genannt als der Krieg.
  • 72 % sind der Ansicht, dass die Korruption in der Ukraine seit Beginn der großangelegten Invasion zugenommen hat; 6 % sehen einen Rückgang.
  • 72 % sehen Präsident Wolodymyr Selenskyj persönlich verantwortlich für Korruptionshandlungen in seinem Umfeld; 25 % sehen diese Verantwortung nicht.
  • Die zusätzlichen Fragen im Auftrag der NGO „Forum" wurden in den landesweiten KIIS-„Omnibus" integriert.

Warum es wichtig ist

Die Erhebung zeigt, dass innenpolitische Themen – Korruption und Behördenversagen – bei der ukrainischen Bevölkerung inzwischen eine ähnlich große Rolle spielen wie die Kriegsangst. Die Tatsache, dass 72 Prozent Präsident Selenskyj persönlich verantwortlich machen, ist ein politisch relevantes Signal an die Adresse der Staatsführung. Auch die Sorgen um die Arbeit der Militärrekrutierungszentren verweisen auf anhaltende Spannungen rund um die Mobilmachung.

Was geschehen ist

Das Kiewer Internationale Institut für Soziologie (KIIS) führte zwischen dem 12. und 21. September 2026 eine landesweite Telefonumfrage durch. 1.002 Personen ab 18 Jahren in den von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebieten nahmen teil. Auf die Frage, was sie derzeit am meisten beunruhige, konnten bis zu drei Antworten aus zwölf Vorgaben gewählt werden. 50 Prozent nannten Korruption in der Macht, 40 Prozent die massiven russischen Raketen- und Drohnenangriffe, 30 Prozent die Inkompetenz der Behörden, 28 Prozent niedrige Löhne und Renten, 24 Prozent die Arbeit der Territorialen Rekrutierungszentren (TCC), 23 Prozent steigende Preise und 21 Prozent die Lage an der Front. Insgesamt wählten 64 Prozent entweder Korruption oder Inkompetenz der Behörden, 53 Prozent entweder Raketenangriffe oder die Frontlage – die Unzufriedenheit mit der Regierung wurde also etwas häufiger genannt als der Krieg. 72 Prozent sind überzeugt, dass die Korruption in der Ukraine seit Beginn der großangelegten Invasion zugenommen hat, nur 6 Prozent sehen einen Rückgang. 72 Prozent halten Präsident Wolodymyr Selenskyj persönlich verantwortlich für Korruptionshandlungen in seinem Umfeld, 25 Prozent sehen diese Verantwortung nicht. KIIS betont, dass „persönliche Verantwortung" im Verständnis der Befragten eher politische Verantwortung meint als persönliche Verstrickung. Die Zusatzfragen zu Sorgen und Korruption waren im Auftrag der NGO „Forum" in den KIIS-„Omnibus" integriert.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Reihenfolge zwischen Krieg und Korruption als größte Sorge schwankt je nach Fragestellung und Zeitpunkt: Eine offene KIIS-Frage früher im Jahr 2026 ergab 65 Prozent Krieg und 29 Prozent Korruption als größte Herausforderung; im April 2026 führten bei einer geschlossenen Frage 54 Prozent Korruption und 39 Prozent die russische Invasion an; im September 2026 liegt Korruption (50 Prozent) wieder vor den massiven Raketen- und Drohnenangriffen (40 Prozent).

Hintergrund

Die September-Welle 2026 ist Teil der landesweiten KIIS-„Omnibus"-Umfrage; die Fragen zu Sorgen und Korruption wurden von der NGO „Forum" in Auftrag gegeben. Eine KIIS-Umfrage vom April 2026 hatte bereits 54 Prozent Korruption und 39 Prozent russische Invasion als größere Bedrohung ergeben. Eine frühere offene Frage 2026 produzierte die umgekehrte Reihenfolge – 65 Prozent Krieg, 29 Prozent Korruption.