Ermittler: Familie des Ex-Ministers Halushchenko lebte in nicht deklarierter Genfer Luxuswohnung
Ukrainische Investigativjournalisten haben enthüllt, dass die Familie des früheren Energieministers und Justizministers Herman Halushchenko im Jahr 2025 in einer nicht angemeldeten 220-Quadratmeter-Wohnung in Genf lebte. Die ukrainische Antikorruptionsbehörde NAZK stellte fest, dass Halushchenko in seiner Vermögenserklärung Informationen im Wert von mehr als 55,5 Millionen Hrywnja verschwieg.
Das Wichtigste
- Olha Bohdanowa, die Ex-Frau von Herman Halushchenko, lebte 2025 mit ihren Kindern in einer 220 m² großen Mietwohnung in Genf.
- Die Jahresmiete betrug über 85.000 Schweizer Franken (ca. 4,5 Mio. Hrywnja bzw. rund 9.000 USD pro Monat).
- Die Wohnung liegt am Quai Gustave-Ador im Genfer Nobelviertel Eaux-Vives am Ufer des Genfersees.
- Die NAZK kam zum Schluss, dass Halushchenko in seiner Erklärung Angaben im Wert von über 55,5 Mio. Hrywnja verschwieg – ein Zeichen für Falschangaben.
- Halushchenko sagt, er habe 2022 geschieden und erst 2026 aus dem Strafverfahren von der Wohnung erfahren; Bohdanowa bestätigte NAZK den Mietvertrag, legte aber keine Kopie vor.
- Journalisten fanden Google-Maps-Bewertungen von Bohdanowa aus den Jahren 2023 und 2024 in der Nähe des Hauses, was auf einen früheren Aufenthalt hindeutet.
- Halushchenko ist Hauptverdächtiger im NABU-„Midas"-Fall wegen Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung.
Warum es wichtig ist
Der Fall zeigt den Lebensstandard eines ehemaligen ukrainischen Spitzenpolitikers während eines Krieges, in dem das Land auf internationale Hilfe angewiesen ist. Die NAZK hat formell festgestellt, dass Halushchenko Vermögenswerte von mehr als 55,5 Millionen Hrywnja verschwieg – ein Befund, der zu einem Strafverfahren wegen Falschangaben führen kann. Die Enthüllung fällt mit dem NABU-„Midas"-Fall zusammen, in dem Halushchenko bereits Hauptverdächtiger wegen Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung ist.
Was geschehen ist
Ukrainische Investigativjournalisten des Projekts „Schemes" (Radio Liberty) rekonstruierten, dass die Ex-Frau des früheren Energieministers und Justizministers Herman Halushchenko, Olha Bohdanowa, im Jahr 2025 mit ihren Kindern in einer 220 m² großen Mietwohnung am Quai Gustave-Ador im Genfer Nobelviertel Eaux-Vives lebte. Die Jahresmiete belief sich auf über 85.000 Schweizer Franken, rund 4,5 Millionen Hrywnja oder etwa 9.000 US-Dollar pro Monat. Das Gebäude aus dem Beginn des letzten Jahrhunderts, das zum architektonischen Erbe Genfs gehört, gehört laut Genfer Grundbuch Georges und Pierre Nosari. Die Nationale Agentur zur Korruptionsprävention (NAZK) kam nach einer vollständigen Überprüfung von Halushchenkos Vermögenserklärung – angestoßen auf Bitten der Vorsitzenden des Antikorruptionsausschusses der Werchowna Rada, Anastasija Radina – zum Schluss, dass er Angaben im Gesamtwert von mehr als 55,5 Millionen Hrywnja verschwieg, was unter den Tatbestand der Falschangaben fällt. Die Genfer Wohnung zählte zu den nicht deklarierten Posten. Halushchenko erklärte, er habe 2022 geschieden und erst 2026 aus dem Strafverfahren von der Wohnung erfahren. Bohdanowa bestätigte NAZK das Mietverhältnis für 2025, händigte aber keine Vertragskopie aus. Journalisten stießen zudem auf Google-Maps-Bewertungen Bohdanowas aus den Jahren 2023 und 2024 in unmittelbarer Nähe des Hauses, was auf einen längeren Aufenthalt hindeutet. Halushchenko wurde am 15. Februar 2026 bei dem Versuch, die Staatsgrenze zu überqueren, festgenommen; am nächsten Tag wurde ihm im „Midas"-Fall der Verdacht der Geldwäsche und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung mitgeteilt – Vorwürfe, die er zurückweist.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Alle sieben Quellen sind ukrainische Medien; sie rahmen die Geschichte als inländische Anti-Korruptions-Ermittlung durch das Investigativprojekt „Schemes" (Radio Liberty). Im Vordergrund stehen ukrainische Institutionen: die NAZK-Erklärungsprüfung, die Werchowna-Rada-Antikorruptionspolitikerin Anastasija Radina und der NABU-„Midas"-Fall. Der Bericht betont die Diskrepanz zwischen den erklärten Vermögenswerten des Amtsträgers und dem Lebensstil seiner Familie in der Schweiz und stellt dies als Hinweis auf Verschleierung dar. Eingebettet ist die Geschichte in breitere ukrainische Antikorruptions-Themen, einschließlich der Entlassung Halushchenkos als Justizminister im November 2025 und seiner späteren Festnahme.
Wo die Berichte auseinandergehen
Halushchenko erklärte gegenüber der NAZK, er habe seine Frau 2022 geschieden und erst 2026 aus den Strafverfahrensunterlagen von der Genfer Wohnung erfahren. Bohdanowa bestätigte NAZK, dass die Familie 2025 auf Basis eines Mietvertrags in der Wohnung lebte, legte aber keine Vertragskopie vor. Ein SAPO-Staatsanwalt äußerte vor Gericht, die Scheidung sei rein formal gewesen, und Journalisten verweisen auf Google-Maps-Bewertungen Bohdanowas aus den Jahren 2023–2024 in der Nähe des Hauses als Hinweis auf einen früheren Aufenthalt. Damit besteht ein Widerspruch zwischen Halushchenkos Darstellung seiner Unkenntnis und den umliegenden Belegen für eine langjährige Präsenz der Familie in der Wohnung.
Hintergrund
Herman Halushchenko war von 2021 bis Juli 2025 ukrainischer Energieminister und anschließend bis zu seiner Absetzung durch die Werchowna Rada am 19. November 2025 Justizminister. Er ist Hauptverdächtiger im NABU/SAPO-„Midas"-Fall und wurde am 15. Februar 2026 beim Versuch, die Staatsgrenze zu überqueren, festgenommen; ihm werden Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt – Vorwürfe, die er bestreitet. Nach seinen Angaben gegenüber der NAZK ließ er sich im Herbst 2022 von Olha Bohdanowa scheiden; 2023 wurde in der Schweiz ein viertes gemeinsames Kind geboren. Im Februar 2023 registrierte Bohdanowa in Genf ein Architekturbüro, dessen Manager laut Journalisten Verbindungen zu Offshore-Strukturen (Paradise Papers) und zur Firma Comatrans SA aufweisen, die in einer NABU-Ermittlung zu überhöhten Straßenreparaturkosten in Odessa eine Rolle spielte. Halushchenkos Sohn Maksym besucht seit 2022 die teure Schweizer Privatschule College Alpin Beau Soleil.