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Selenskyj beziffert Russlands Reserven auf bis zu 700 ballistische Raketen

Am 4. Oktober hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz in Kyjiw erklärt, Russland halte bis zu 700 ballistische Raketen und mehrere tausend weitere Raketen anderer Typen als Reserve. Selenskyj bezifferte die monatliche Produktion ballistischer Raketen auf 130 bis 140 Stück und forderte die USA, die EU und weitere Partner zu schärferen Sanktionen gegen die Lieferketten für Raketenkomponenten auf.

Das Wichtigste

  • Selenskyj erklärte am 4. Oktober in Kyjiw bei einer Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz, Russland verfüge über bis zu 700 ballistische Raketen im Bestand.
  • Nach ukrainischen Angaben hält Russland zudem mehrere tausend Raketen anderer Typen als Reserve.
  • Die russische Rüstungsproduktion liefert laut Selenskyj 130 bis 140 ballistische Raketen pro Monat.
  • Selenskyj forderte die EU, die USA und andere Länder auf, Lieferketten für Komponenten der Raketenproduktion mit Sanktionen zu unterbrechen.
  • Selenskyj erwartet, dass Russland künftig stärker auf schwer abzufangende Waffen wie reaktionsantriebsbasierte Shahed-Drohnen setzt.
  • In der Nacht zum 30. September hatte Russland Kyjiw zum zweiten Mal in Folge mit ballistischen Raketen angegriffen; zwei Menschen starben in der Hauptstadt, ein Kind in Wyschhorod.
  • Der Angriff vom 30. September umfasste ballistische Raketen und fast 190 Angriffsdrohnen und traf laut Selenskyj vor allem Energieinfrastruktur; DTEK meldete 8.000 Familien ohne Strom.

Warum es wichtig ist

Selenskyjs Angaben liefern eine öffentliche, auf ukrainischen Geheimdienstdaten beruhende Schätzung zu Russlands Beständen und monatlicher Produktion ballistischer Raketen und prägen damit die Erwartungen an das Ausmaß künftiger Angriffe. Mit der direkten Forderung nach abgestimmten westlichen Sanktionen gegen die Komponentenlieferketten verknüpft er die ukrainische Luftverteidigungsplanung mit einer außenpolitischen Bitte an die USA, die EU und weitere Partner. Seine Warnung, Russland werde verstärkt auf schwer abzufangende Waffen wie Shahed-Drohnen mit Jet- bzw. Reaktionsantrieb setzen, zeigt zudem, wie sich das Angriffsprofil aus Sicht Kyjiws verändern dürfte. Dass diese Einschätzungen an der Seite des deutschen Bundeskanzlers formuliert wurden, brachte das Thema auf die Agenda eines hochrangigen bilateralen Treffens.

Was geschehen ist

Am 4. Oktober erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz in Kyjiw, Russland halte bis zu 700 ballistische Raketen und mehrere tausend weitere Raketen anderer Typen als Reserve. Nach ukrainischen Angaben produziert die russische Rüstungsindustrie 130 bis 140 ballistische Raketen pro Monat. Selenskyj forderte die EU, die USA und andere Länder auf, die Sanktionen zu verschärfen, um Lieferketten für die Komponenten dieser Raketen zu unterbrechen. Zugleich warnte er, Russland werde sich künftig stärker auf schwer abzufangende Waffen konzentrieren, insbesondere durch einen höheren Anteil von Drohnen mit Jet- bzw. Reaktionsantrieb (Shahed). Hintergrund ist ein erneuter Angriff auf Kyjiw in der Nacht zum 30. September: Russland hatte die Hauptstadt zum zweiten Mal in Folge mit ballistischen Raketen getroffen, zusammen mit fast 190 Angriffsdrohnen. Nach ukrainischen Berichten starben zwei Menschen in Kyjiw und ein Kind im Vorort Wyschhorod; in vier Stadtbezirken wurden Brände und Zerstörungen registriert. Der Energieversorger DTEK meldete 8.000 Familien in Kyjiw ohne Elektrizität, das Energieministerium sprach von Stromausfällen in fünf Oblasten. Selenskyj erklärte, Hauptziel des Angriffs sei Energieinfrastruktur in Kyjiw und im Gebiet Kyjiw gewesen.

Hintergrund

In der Nacht zum 30. September hatte Russland Kyjiw bereits zum zweiten Mal in Folge mit ballistischen Raketen angegriffen, nachdem am 29. September ein erster Angriff erfolgt war. Es gab Tote und Verletzte sowie Zerstörungen in mehreren Stadtteilen. Der Angriff kombinierte ballistische Raketen mit fast 190 Angriffsdrohnen und zielte nach Angaben von Selenskyj auf Energieinfrastruktur; DTEK sprach von 8.000 Familien in Kyjiw ohne Strom, das Energieministerium von Ausfällen in fünf Oblasten. Selenskyj hatte zuvor mitgeteilt, die Ukraine arbeite gemeinsam mit europäischen Partnern an einem gemeinsamen antiballistischen System namens Freyja, das innerhalb eines Jahres einsatzbereit sein könnte.