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Montenegro nimmt Gründer des russischen Propagandanetzwerks „Rybar" fest

Die montenegrinische Polizei hat am 9. Oktober in der Stadt Risan den Gründer des russischen Propagandanetzwerks „Rybar", Michail Swinztschuk, zusammen mit seiner Frau und drei weiteren Personen festgenommen. Die Operation wurde gemeinsam mit der montenegrinischen Nationalen Sicherheitsagentur (ANB) durchgeführt und zielt auf die Bekämpfung der hybriden Aktivitäten des Netzwerks ab. Swinztschuk steht unter Sanktionen der EU, Großbritanniens und der USA.

Das Wichtigste

  • Michail Swinztschuk, Gründer des russischen Telegram-Netzwerks „Rybar", wurde am 9. Oktober in Risan, Montenegro, festgenommen.

Warum es wichtig ist

Mit der Festnahme trifft Montenegro erstmals den Gründer eines der größten russischsprachigen pro-kreml Propagandanetzwerke auf Telegram. Swinztschuk steht unter Sanktionen der EU, Großbritanniens und der USA, und die US-Regierung hat über das Programm „Rewards for Justice" bis zu 10 Millionen Dollar für Hinweise auf „Rybar"-Mitarbeiter ausgelobt. Die Beschlagnahme von Drohnen und digitaler Ausrüstung deutet auf operative Aktivitäten jenseits reiner Inhalteproduktion hin, und sowohl die USA als auch Großbritannien ordnen „Rybar" der russischen Präsidialverwaltung, Geheimdiensten und der sanktionierten Staatsholding „Rostec" zu.

Was geschehen ist

Am Freitag, dem 9. Oktober, nahm die montenegrinische Polizei in der Stadt Risan an der Bucht von Kotor Michail Swinztschuk fest, den Gründer des russischen Propagandanetzwerks „Rybar". Zusammen mit ihm wurden seine Frau und Mitstreiterin Walerija Swinztschuk sowie drei weitere Personen festgenommen, insgesamt also fünf. Die Operation wurde von der Polizei in Zusammenarbeit mit der montenegrinischen Nationalen Sicherheitsagentur (ANB) durchgeführt. Laut Baza erfolgte die Festnahme gegen 7:30 Uhr Ortszeit (8:30 Uhr Kiewer Zeit) im Hotel Mövenpick; Swinztschuk und seine Frau wurden anschließend nach Podgorica gebracht, wo sie vernommen wurden. Bei der Durchsuchung wurden Drohnen, moderne digitale Ausrüstung, elektronische Geräte und Mobiltelefone sichergestellt. Gegen die Festgenommenen wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das erklärte Ziel der Operation ist die Unterbindung der hybriden Aktivitäten des „Rybar"-Netzwerks in Montenegro. Die montenegrinischen Behörden untersuchen zudem den möglichen Umfang der Netzwerkaktivitäten im Land und die Finanzierungsmethoden. Die Festnahme wurde von der Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bestätigt, die ankündigte, das Ministerium kläre die Umstände. Der ehemalige Leiter des Zentrums für Desinformationsbekämpfung beim ukrainischen Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat (NSDC), Andrij Kowalenko, bewertete die Festnahme positiv und betonte, dass Swinztschuk für russische Geheimdienste arbeite und es wichtig sei, dass er an die US-Strafverfolgungsbehörden ausgeliefert werde.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Medien rahmen die Festnahme als Erfolg im Kampf gegen die russische Propaganda ein. Betont werden die Verbindungen des „Rybar"-Netzwerks zur russischen Präsidialverwaltung, zu Geheimdiensten und zur sanktionierten Staatsholding „Rostec". In den Kommentaren wird insbesondere Andrij Kowalenko, der ehemalige Leiter des ukrainischen Zentrums für Desinformationsbekämpfung, hervorgehoben, der Swinztschuk als Schlüsselfigur der hybriden russischen Aktivität bezeichnet und die Übergabe an US-Behörden fordert. Die US-Belohnung von bis zu 10 Millionen Dollar für Informationen über „Rybar"-Mitarbeiter wird als wichtiger Kontext genannt. Konsistent wird Swinztschuk als „Propagandist" und „Rybar" als russisches Propagandanetzwerk beschrieben.

Wo die Berichte auseinandergehen

Über den Zweck des Montenegro-Besuchs von Swinztschuk gibt es unterschiedliche Angaben: Montenegrinische Sicherheitskreise sagen, die Gruppe habe manipulative Dokumentaraufnahmen über die Angleichung der montenegrinischen Visapolitik an EU-Standards geplant. Der Telegram-Kanal „Rybar" selbst behauptet dagegen, die russischen Staatsbürger seien legal im Land gewesen und hätten das Kloster Cetinje filmen wollen. Auch Swinztschuk Status beim russischen Militärgeheimdienst GRU wird uneinheitlich dargestellt: Die montenegrinische Zeitung Pobjeda bezeichnet ihn als GRU-Oberst, der für hybride Operationen verantwortlich sei, während andere Berichte ihn lediglich als ehemaligen Mitarbeiter der Pressestelle des russischen Verteidigungsministeriums identifizieren.

Hintergrund

„Rybar" wurde 2018 als Plattform für militärische Analysen und Konfliktberichterstattung gegründet und wuchs später zu einem Netzwerk aus Kommunikationskanälen heran, das von westlichen Institutionen mit der Verbreitung pro-russischer Narrative und Einflussoperationen in Verbindung gebracht wird. Laut dem Institute for the Study of War umfasste das Netzwerk 2024 mehr als 250 Kanäle in 28 Sprachen; der wichtigste Telegram-Kanal hat über eine Million Abonnenten. Swinztschuk arbeitete bis 2019 in der Pressestelle des russischen Verteidigungsministeriums. Nach Angaben des EU-Rats galt er als Mitglied einer Arbeitsgruppe, die von Wladimir Putin zur Koordinierung von Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Ukraine eingerichtet wurde. „Rybar" steht seit 2023 unter EU-Sanktionen wegen der Verbreitung von Desinformation und Propaganda. Im Juli 2026 verhängten die EU und Großbritannien Sanktionen gegen zehn „Rybar"-Vertreter wegen der Verbreitung falscher Narrative über die Ukraine und der Einmischung in Wahlen in Moldawien und Armenien. Im September 2026 hatten Journalisten des tschechischen Mediums Seznam Zprávy aufgedeckt, dass „Rybar"-Vertreter in mehreren EU-Ländern operieren.