Elf Kinder aus besetztem Teil des Gebiets Cherson in die Ukraine zurückgebracht
Elf Kinder im Alter von 1 Jahr und 4 Monaten bis 17 Jahren sind aus dem vorübergehend besetzten Teil des Gebiets Cherson auf ukrainisch kontrolliertes Gebiet zurückgekehrt. Die Rückführung wurde vom Leiter der Militärverwaltung des Gebiets Cherson, Oleksandr Prokudin, bekannt gegeben und von der Hilfsorganisation Save Ukraine im Rahmen der Präsidenteninitiative Bring Kids Back UA organisiert. Mehrere der Kinder berichteten von Militarisierung, Propaganda und Drohungen in der Besatzungsschule.
Das Wichtigste
- 11 Kinder (7 Jungen, 4 Mädchen) wurden aus dem besetzten Teil des Gebiets Cherson zurückgeführt.
- Die Kinder sind zwischen 1 Jahr und 4 Monaten und 17 Jahren alt.
- Oleksandr Prokudin, Leiter der Militärverwaltung des Gebiets Cherson, gab die Rückkehr bekannt.
- Die Aktion wurde von der Hilfsorganisation Save Ukraine im Rahmen der Präsidenteninitiative Bring Kids Back UA durchgeführt.
- Ein 16-Jähriger überlebte einen bewaffneten Angriff russischer Soldaten in seinem Zuhause; in der Besatzungsschule wurden Kinder zum Umgang mit Waffen und zur Bedienung von Kampfdrohnen gezwungen.
- Ein 17-Jähriger wurde unter Drohungen auf einen Militärregister gesetzt; der Familie eines 8-jährigen Mädchens wurde mit der Einweisung in ein Waisenhaus gedroht.
- Seit Jahresbeginn 2026 wurden 219 Kinder aus dem Gebiet Cherson aus der Besatzung zurückgeführt.
Warum es wichtig ist
Mehrere der zurückgeführten Kinder berichten von systematischer Militarisierung in Besatzungsschulen: Sie wurden zum Umgang mit Waffen und zur Bedienung von Kampfdrohnen gezwungen, mussten Propagandamaterial wie Grußkarten für russische Soldaten anfertigen und wurden unter Androhung von Gewalt zur Teilnahme am russischen Schulunterricht gezwungen. Ein 17-Jähriger wurde unter Besatzung zwangsweise für den Militärdienst registriert, die Familie eines 8-jährigen Mädchens wurde mit der Einweisung in ein Waisenhaus bedroht. Die Rückführung ist Teil der breiteren ukrainischen Initiative Bring Kids Back UA, die auf die Rückkehr deportierter Kinder abzielt – ein Vorgang, für den der Internationale Strafgerichtshof im März 2023 Haftbefehl gegen Wladimir Putin und die russische Kinderrechtsbeauftragte Maria Lwowa-Belowa erlassen hat.
Was geschehen ist
Aus dem vorübergehend besetzten Teil des Gebiets Cherson wurden elf Kinder – sieben Jungen und vier Mädchen im Alter von 1 Jahr und 4 Monaten bis 17 Jahren – auf ukrainisch kontrolliertes Gebiet zurückgeführt. Die Rückführung wurde von Oleksandr Prokudin, dem Leiter der Militärverwaltung des Gebiets Cherson, über Telegram bekannt gegeben und erfolgte mit Unterstützung der Hilfsorganisation Save Ukraine im Rahmen der Präsidenteninitiative Bring Kids Back UA. Alle elf Kinder befinden sich nach Angaben der Verwaltung in Sicherheit und erhalten die notwendige Hilfe. Laut Bring Kids Back wurden seit Jahresbeginn 2026 bereits 219 Kinder aus dem Gebiet Cherson aus der Besatzung zurückgebracht. In den Berichten schildern mehrere Kinder schwerwiegende Vorfälle aus der Besatzungszeit: Ein 16-Jähriger habe einen bewaffneten Angriff russischer Soldaten in seinem eigenen Haus überlebt; in der Besatzungsschule seien Kinder zum Umgang mit Waffen und zur Steuerung von Kampfdrohnen gezwungen worden. Ein 17-Jähriger sei unter Drohungen zur russischen Schule und anschließend auf einen Militärregister gesetzt worden; seine Familie sei regelmäßig bewaffneten Durchsuchungen ausgesetzt gewesen. Die Familie eines 8-jährigen Mädchens sei mit der Einweisung des Kindes in ein Waisenhaus bedroht worden, falls es nicht die russische Schule besuche. In der Schule seien Kinder zudem zu Propaganda-Aktivitäten, etwa zum Malen von Grußkarten für russische Soldaten, gezwungen worden.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Schätzungen zur Gesamtzahl der seit Beginn der russischen Vollinvasion deportierten ukrainischen Kinder gehen auseinander: Die Plattform Bring Kids Back nennt mehr als 20.000, während andere ukrainische Quellen von über 200.000 nach Russland deportierten Kindern seit dem 24. Februar 2022 sprechen. Auch die Zahl der zurückgeführten Kinder wird unterschiedlich angegeben – mehr als 2.500 Stand September 2026, mehr als 2.600 im Rahmen der Initiative Bring Kids Back UA und 2.665 laut verifizierten ukrainischen Daten vom 8. Oktober. Die russische Seite spricht ihrerseits von rund 700.000 in Russland „registrierten“ ukrainischen Kindern, von denen einige in russischen Familien untergebracht worden seien – eine Zahl, die von ukrainischen Quellen nicht bestätigt wird und in deutlichem Widerspruch zu den ukrainischen Schätzungen steht.
Hintergrund
Im März 2023 erließ der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag Haftbefehle gegen Wladimir Putin und die russische Kinderrechtsbeauftragte Maria Lwowa-Belova wegen des Verdachts der illegalen Verschleppung ukrainischer Kinder. Im Juli 2023 leitete die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft eine Untersuchung zur möglichen Beteiligung des belarussischen Roten Kreuzes an den Deportationen ein. Im Mai 2026 verhängte Großbritannien Sanktionen gegen 85 russische Personen – 29 davon wegen Zwangsdeportation, ideologischer Indoktrinierung und Militarisierung ukrainischer Kinder – und gegen das Lager „Songdowon“ in Nordkorea, das im Zusammenhang mit den Verbringungen steht. Im September 2026 unterzeichnete US-Präsident Donald Trump ein Gesetz zur Ausweitung von Sanktionen im Zusammenhang mit der Zwangsdeportation ukrainischer Kinder. Laut der Plattform Bring Kids Back sind seit Beginn der Vollinvasion mehr als 20.000 ukrainische Kinder deportiert worden; bis September 2026 konnten demnach mehr als 2.500 zurückgeführt werden.