Ukrainische Drohnenangriffe treffen drei Yandex-Rechenzentren in Russland
Zwischen dem 8. und 11. Oktober 2026 haben ukrainische Drohnen drei der fünf größten Rechenzentren von Yandex in Russland getroffen: in Sasowo (Gebiet Rjasan), Kaluga und Wladimir. Nach den Angriffen brach der Bot-Traffic aus dem Yandex-Netzwerk laut Cloudflare Radar von rund 57 Prozent nach dem ersten Schlag auf etwa 0,3 bis 0,4 Prozent des Zwei-Wochen-Maximums ein. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach auf dem Warschauer Sicherheitsforum per Videoschalte und führte den Rückgang auf einen Ausfall russischer Infrastruktur zurück.
Das Wichtigste
- Ukrainische Drohnen trafen am 8. Oktober ein Yandex-Rechenzentrum in Sasowo (Gebiet Rjasan), am 9. Oktober eines in Kaluga und in der Nacht zum 11. Oktober eines in Wladimir (Gebiet Wladimir).
- Cloudflare Radar verzeichnet einen Einbruch des Bot-Traffic aus dem Yandex-Netzwerk: zunächst auf rund 57 Prozent des Spitzenwerts, nach dem dritten Schlag auf etwa 0,3 bis 0,4 Prozent.
- NetBlocks meldete einen Rückgang des Traffics von Yandex Cloud auf 30 Prozent des Normalwerts und von Yandex LLC auf 63 Prozent; laut Statusseite von Yandex Cloud waren mindestens 84 Dienste ausgefallen.
- Selenskyj erklärte auf dem Warschauer Sicherheitsforum, nach den Angriffen sei es in sozialen Netzwerken „einfacher zu atmen", und verwies darauf, dass Europa „nicht die Quelle des Problems" sei.
- Der US-Historiker Timothy Snyder und der EU-Abgeordnete Tomasz Zdechovský stellten die These auf, ein erheblicher Teil der Bot-Aktivität zugunsten von Trump und der AfD laufe über russische Server.
- Faktenchecks weisen darauf hin, dass Cloudflares „Bot-Traffic"-Definition auch Crawler und eigene Yandex-Dienste umfasst und das verbreitete Diagramm zum AfD-Rückgang keine nachvollziehbare Quelle oder Methodik hat.
Warum es wichtig ist
Die Angriffe haben drei der fünf größten Rechenzentren von Yandex außer Betrieb gesetzt und mehr als 84 Cloud-Dienste in sechs Ländern gestört. Der dramatische Einbruch des aus dem Yandex-Netz stammenden automatisierten Datenverkehrs wurde von Selenskyj, Snyder und Zdechovský als Hinweis auf eine russische Infrastruktur für ausländische Bot-Netzwerke gedeutet; unabhängige Analysen warnen jedoch, dass die zugrunde liegenden Daten etwas anderes messen als Social-Media-Bots und dass die kursierenden Schaubilder teils keine belastbare Quelle haben.
Was geschehen ist
Am 8. Oktober trafen ukrainische Drohnen das Yandex-Rechenzentrum in Sasowo im Gebiet Rjasan, wo ein Feuer ausbrach und zwei Supercomputer untergebracht sind. Am 9. Oktober folgte ein Treffer auf die Anlage in Kaluga; in der Nacht zum 11. Oktober wurde das Rechenzentrum im Gebiet Wladimir angegriffen und vollständig außer Betrieb gesetzt, wie Yandex bestätigte. Daten von Cloudflare Radar, ausgewertet von Tom's Hardware, zeigen einen Rückgang des Bot-Traffic aus dem Yandex-Netzwerk (AS13238) von zuvor rund 80 bis 88 Prozent des Zwei-Wochen-Maximums auf etwa 57 Prozent nach dem ersten Schlag und schließlich auf etwa 0,3 bis 0,4 Prozent. NetBlocks verzeichnete nach dem Angriff auf Wladimir einen Rückgang des Yandex-Cloud-Traffic auf 30 Prozent und des LLC-Yandex-Traffic auf 63 Prozent des Normalwerts; laut Statusseite von Yandex Cloud waren mindestens 84 Dienste nicht verfügbar. Präsident Selenskyj erklärte am 11. Oktober auf dem Warschauer Sicherheitsforum per Videoschalte, nach den Angriffen sei es in sozialen Netzwerken „einfacher zu atmen" geworden, da es weniger Hass, Zwietracht, Provokationen und Bots gebe; das Verschwinden der Bots beweise, dass Europa nicht die Ursache der Probleme sei. Der US-Historiker Timothy Snyder und der EU-Abgeordnete Tomasz Zdechovský (EVP, Haushaltskontrollausschuss) verbreiteten auf X die Hypothese, ein erheblicher Teil der Bot-Aktivität zugunsten von US-Präsident Donald Trump und der deutschen AfD hänge direkt an russischen Rechenzentren.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Medien stellen die Angriffe als gezielte Spiegelantwort auf russische Schläge gegen ukrainische Rechenzentren dar – seit Sommer 2025 seien nach offiziellen Moskauer Angaben 17 ukrainische Rechenzentre angegriffen worden, einige wiederholt, darunter Anlagen von Omega Telecom, DLine.ua und Cosmonova in Kyjiw. Der frühere Leiter des ukrainischen Zentrums für Desinformationsabwehr, Andrij Kowalenko, bestätigte den Schlag von Sasowo am 8. Oktober mit dem Satz: „Dieses Spiel kann man zu zweit spielen." Selenskyj nutzte seine Rede auf dem Warschauer Sicherheitsforum, um die Angriffe als Beweis dafür zu präsentieren, dass Europa nicht die Quelle der Online-Manipulation sei. Mehrere ukrainische Publikationen griffen Snyders und Zdechovskýs Thesen zu Trump- und AfD-Bots auf und deuteten den Ausfall als politisch folgenreichen Erfolg.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Die internationale Berichterstattung fällt zurückhaltender aus. Die englischsprachige Agentur APA aus Aserbaidschan beschränkt sich auf die bestätigten Fakten: die Schläge auf Kaluga und Rjasan sowie die von Yandex bestätigte Abschaltung der Anlage im Gebiet Wladimir. Technik- und Faktencheck-Medien wie Tom's Hardware und das deutsche Portal Roxtext weisen darauf hin, dass Cloudflares „bot traffic" auch Crawler und Yandex-eigene Dienste umfasst und damit nicht gleichbedeutend mit Social-Media-Bot-Konten ist; das verbreitete Diagramm eines 56-prozentigen Rückgangs der AfD-bezogenen Online-Aktivität habe weder eine nachvollziehbare Datenquelle noch eine Methodik und weise zudem ein unmögliches Datum auf (der 13. Oktober werde in einem am 11. Oktober veröffentlichten Beitrag zitiert).
Wo die Berichte auseinandergehen
Ukrainische Politiker und internationale Kommentatoren ziehen aus dem Cloudflare-Einbruch sehr unterschiedliche Schlüsse. Selenskyj, Snyder, Zdechovský und der polnische Analyst Jarosław Wolski deuten den Traffic-Rückgang als Beleg dafür, dass russische Infrastruktur auch Social-Media-Bots für Trump und die AfD betreibt. Faktencheck-Analysen halten dem entgegen, dass die Cloudflare-Metrik vor allem Crawler und automatisierte Yandex-Dienste abbildet, nicht Social-Media-Bot-Konten, und dass das AfD-Diagramm weder Quelle noch Methodik erkennen lässt und intern ein unmögliches Datum trägt. Damit ist der kausale Schluss vom Trafficrückgang auf das Verschwinden politischer Bots bislang nicht belegt.
Hintergrund
Yandex wird häufig als russisches Google bezeichnet. Drei seiner fünf größten Rechenzentren (Sasowo, Kaluga, Wladimir) sind nun getroffen, intakt sind Anlagen in Mytischtschi (Gebiet Moskau) und Iwantejewka. In den zerstörten Anlagen standen die drei russischen Supercomputer „Tscherwonenkis" (2021 in Betrieb genommen), „Ljapunow" (2020) und „Galuschkin" (2021), die weitgehend auf westlicher NVIDIA-Hardware basieren und seit den Sanktionen von 2022 ohne Updates blieben. In der TOP-500-Liste von 2022 belegte Tscherwonenkis Platz 19; bis Juni 2026 fiel es auf Platz 101, Galuschkin auf 134 und Ljapunow auf 161. Am Tag des ersten Schlags entfernte Yandex seine Rechenzentren in vier russischen Regionen aus seinen Kartendiensten; eine offizielle Stellungnahme der russischen Behörden gibt es nicht. Starlink ist in Russland nicht verfügbar; das russische Konkurrenzprojekt „Rasswet" verlor laut Berichten eine erhebliche Anzahl Satelliten, die nach dem Start auf die Erde zurückfielen.