Finnlands Präsident Stubb bittet Musk, Starlink-Nutzung über Russland für die Ukraine auszuweiten
Finnlands Präsident Alexander Stubb hat sich in einem Reuters-Interview während der UN-Generalversammlung in New York an den SpaceX-Eigentümer Elon Musk gewandt und ihn gebeten, die Starlink-Satelliteninternetabdeckung für die Ukraine so auszuweiten, dass ukrainische Streitkräfte russische ballistische Raketenwerfer ins Visier nehmen können. Stubb verwies auf den akuten Mangel an Luftverteidigungsmitteln vor dem Winter und bezeichnete Starlink als möglichen Bestandteil der Luftverteidigung. Parallel äußerte er sich zur Wiederaufnahme der Ukraine-Russland-Friedensgespräche unter US-Schirmherrschaft und sprach sich für eine bedingungslose Waffenruhe als ersten Schritt aus.
Das Wichtigste
- Finnlands Präsident Alexander Stubb wandte sich in einem Reuters-Interview während der UN-Generalversammlungswoche in New York mit der Bitte an Elon Musk, die Starlink-Abdeckung für die Ukraine auszuweiten, damit russische ballistische Raketenwerfer angegriffen werden können.
- Stubb erklärte, Starlink solle in Gebieten nutzbar sein, in denen sich ballistische Raketenwerfer befinden – sowohl auf besetztem ukrainischem Territorium als auch in Russland –, was nach seiner Darstellung Leben retten würde.
- Stubb bezeichnete Starlink als mögliche Komponente der Luftverteidigung in einer Phase, in der die Ukraine vor dem Winter unter einem akuten Mangel an Luftverteidigungsmitteln gegen russische ballistische Raketen leidet.
- Laut Stubb braucht die Ukraine für den Winter drei Dinge: Luftverteidigungsmittel, Energieinfrastruktur und Geld; Finnland und seine Partner bereiten nach seinen Worten ein Winterhilfepaket vor.
- Stubb erklärte, er sehe nicht, dass der Krieg vor dem Winter ende, und begrüßte die unter US-Schirmherrschaft wiederaufgenommenen Ukraine-Russland-Gespräche nach Besuchen amerikanischer Gesandter in Moskau und Kiew.
- Stubb schlug als einfachsten Schritt eine bedingungslose Waffenruhe vor, wie sie US-Präsident Trump in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung bekräftigt habe; danach sollten Verhandlungen über Sicherheit, Territorium, Wiederaufbau und Entschädigung folgen.
- Starlink funktioniert derzeit nicht über russischem Territorium; ukrainische Stellen gehen davon aus, dass eine Aktivierung Angriffe auf mobile ballistische Raketenwerfer mehrere hundert Kilometer von der Grenze entfernt ermöglichen würde.
Warum es wichtig ist
Die Bitte unterstreicht, wie wichtig Starlink für die ukrainische Militärkommunikation einschließlich Drohnensteuerung geworden ist und dass Entscheidungen eines privaten Akteurs direkte Auswirkungen auf die Front haben. Sollte die Abdeckung auf russisches Territorium ausgeweitet werden, könnten nach ukrainischer Einschätzung mobile ballistische Raketenwerfer mehrere hundert Kilometer hinter der Grenze bekämpft werden, die für anhaltende Angriffe auf das ukrainische Hinterland verantwortlich sind. Dass ein europäischer Staatschef sich direkt an Musk wendet, markiert eine neue Stufe der Bereitschaft verbündeter Staaten, auch bei privaten Entscheidungsträgern für ukrainische Anliegen zu lobbyieren.
Was geschehen ist
Finnlands Präsident Alexander Stubb richtete in einem Interview mit Reuters, das während der UN-Generalversammlungswoche in New York geführt wurde, einen öffentlichen Appell an Elon Musk. Er forderte ihn auf, die Starlink-Satelliteninternetabdeckung für die Ukraine so auszuweiten, dass ukrainische Streitkräfte russische ballistische Raketenwerfer ins Visier nehmen können. Nach Stubbs Darstellung sollte Starlink sowohl auf besetztem ukrainischem Territorium als auch in Russland strategisch nutzbar sein, was seiner Einschätzung nach Leben retten würde. Er verwies auf den akuten Mangel an Luftverteidigungsmitteln der Ukraine vor dem Winter und bezeichnete Starlink als mögliche Komponente der Luftverteidigung. Für den Winter listete er drei Erfordernisse auf: Luftverteidigungsmittel, Energieinfrastruktur und Geld; Finnland und seine Partner bereiteten nach seinen Worten ein Winterhilfepaket vor, da er den Krieg nicht vor dem Winter enden sehe. Stubb begrüßte die unter US-Schirmherrschaft wiederaufgenommenen Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine, die durch Besuche amerikanischer Gesandter in Moskau und Kiew ermöglicht worden seien. Als einfachsten Schritt schlug er eine bedingungslose Waffenruhe vor – wie sie US-Präsident Trump in seiner UN-Rede bekräftigt habe – und daran anschließend Verhandlungen über Sicherheit, Territorium, Wiederaufbau und Entschädigung.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die sechs herangezogenen ukrainischen Quellen rücken Stubbs Appell als Mittel zur Ermöglichung ukrainischer Angriffe auf russische ballistische Raketenwerfer und zur Stärkung der Luftverteidigung in den Vordergrund. Mehrere Schlagzeilen betonen den militärischen Zweck – das Treffen russischer Werfer – stärker als die diplomatischen oder waffenstillstandsbezogenen Elemente des Reuters-Interviews. Die Berichterstattung hebt die praktische Beschränkung hervor, dass Starlink derzeit nicht über russischem Territorium funktioniert, und stellt den Appell als Weg zur Umgehung dieser Hürde dar.
Wo die Berichte auseinandergehen
Quellen zeichnen ein uneinheitliches Bild von Musks Haltung: The Atlantic berichtete am 7. August, Musk verweigere die Freigabe von Starlink über russischem Territorium; die Financial Times schrieb Ende August, Musk sei nicht grundsätzlich dagegen, betrachte die endgültige Entscheidung jedoch als politische Frage, die die US-Regierung in Washington treffen müsse. Daneben variieren die Darstellungen darüber, inwiefern Stubbs Vorstoß neu ist: Einige Quellen betonen seinen Charakter als eigenständigen Appell, andere verweisen darauf, dass Präsident Wolodymyr Selenskyj bereits am 28. Juli im Weißen Haus Präsident Trump gebeten hatte, dasselbe Anliegen bei Musk vorzutragen.
Hintergrund
Starlink funktioniert derzeit nicht über russischem Territorium, obwohl Musk den Dienst kurz nach Beginn der russischen Vollinvasion im Jahr 2022 für die Ukraine aktiviert hatte; seither ist er unter anderem für die Steuerung von Drohnen wichtig. Im Winter 2024/2025 reagierte Musk auf eine Bitte des damaligen Verteidigungsministers Fedorov zur Nutzung von Starlink auf russischen Angriffsdrohnen; am 5. Februar kam es zu einem massenhaften Ausfall russischer Starlink-Terminals. Am 28. Juli hatte Präsident Selenskyj US-Präsident Trump im Weißen Haus gebeten, Musk zur Freigabe der Starlink-Nutzung auf russischem Territorium für Angriffe auf ballistische Raketenwerfer zu bewegen. Am 7. August berichtete The Atlantic, Musk verweigere dies; Ende August schrieb die Financial Times, Musk sei nicht dagegen, sehe die Entscheidung jedoch als politische Frage der US-Regierung. Im März 2025 erklärte Musk, er werde das Starlink-Netz für die ukrainische Streitkräfte nie abschalten, auch wenn er mit der ukrainischen Politik nicht einverstanden sei.