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Selenskyj: China hilft Russland beim Aufbau eines Starlink-Analogons

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem Interview mit der Financial Times erklärt, China unterstütze Russland beim Aufbau des Satellitennetzes „Рассвет" (Morgenröte), das als Analogon zu SpaceX' Starlink konzipiert ist. Er habe US-Präsident Donald Trump wiederholt gebeten, Sanktionen gegen beteiligte Unternehmen zu verhängen und der Ukraine den Einsatz Starlink-bestückter Drohnen für Angriffe bis 200 km tief in Russland zu erlauben. Die MOF Chinas, der Kreml und das Weiße Haus reagierten nicht auf Bitten um Stellungnahme.

Das Wichtigste

  • Selenskyj erklärte gegenüber der FT, China helfe Russland beim Aufbau des Satellitennetzes „Рассвет" als Starlink-Analogon.
  • Selenskyj bat Trump „mehrfach" um Sanktionen gegen beteiligte Unternehmen; zuletzt wurde die Frage im September am Rande der UN-Generalversammlung in New York angesprochen.
  • Nach Selenskyjs Angaben könnte „Рассвет" Ende 2026 oder Anfang 2027 operationell werden.
  • Bis September hatte Russland 32 Satelliten des Systems in der Umlaufbahn; Starts im März und am 20. Juli erfolgten vom Kosmodrom Plessezk durch die Firma Büro 1440.
  • Militärexperte Rob Lee (FPRI) schätzt, dass „Рассвет" zwar weniger leistungsfähig als Starlink wäre, aber Drohnensteuerung und Videoübertragung von Drohnen ermöglichen könnte.
  • Selenskyj bat Trump zudem, der Ukraine den Einsatz Starlink-bestückter Drohnen gegen ballistische Raketenstellungen und Drohnenstartplätze bis 200 km tief in Russland zu erlauben; Trump habe die Idee unterstützt, aber auf Elon Musk verwiesen.
  • Die deutsche Bundeswehr warnt vor einer möglichen Bedrohung durch die russische Starlink-Alternative; der finnische Präsident Alexander Stubb hat Musk um erweiterten Starlink-Empfang für die Ukraine gebeten.

Warum es wichtig ist

Selenskyj wirft China eine direkte Beteiligung am Aufbau eines russischen Satellitennetzes vor, das die Liste chinesischer Beiträge zum russischen Kriegseinsatz erweitert. Sollte Washington Sanktionen gegen beteiligte russische und chinesische Firmen verhängen, wäre das Projekt unmittelbar betroffen. Ein funktionsfähiges russisches Netz könnte nach Einschätzung von Experten die Präzision russischer Luftangriffe auf die Ukraine verbessern und die Drohnensteuerung über ukrainisches Territorium hinaus ausdehnen. Selenskyjs paralleler Vorschlag, Starlink-bestückte Drohnen bis 200 km tief in Russland einzusetzen, berührt Fragen der Eskalation, der Rolle Elon Musks und der Grenzen ukrainischer Drohnenangriffe. Selenskyj verknüpft diesen Vorschlag mit der Aussicht auf eine „echte Deeskalation" und eine Rückkehr an den Verhandlungstisch mit Putin.

Was geschehen ist

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in einem Interview mit der Financial Times, China unterstütze Russland beim Aufbau des Satellitennetzes „Рассвет", das als Starlink-Analogon konzipiert sei und bis Ende 2026 oder Anfang 2027 operationell werden könnte. Er habe US-Präsident Donald Trump mehrfach um Sanktionen gegen beteiligte russische und chinesische Unternehmen gebeten; zuletzt sei das Thema bei einem Treffen am Rande der UN-Generalversammlung im September in New York zur Sprache gekommen. Selenskyj warnte, „Рассвет" könne Russland ermöglichen, die Genauigkeit seiner Luftangriffe auf die Ukraine zu erhöhen. Zugleich bat er Trump, der Ukraine den Einsatz Starlink-bestückter Drohnen gegen ballistische Raketenstellungen und Drohnenstartplätze bis zu 200 km tief in Russland zu erlauben; Trump habe die Idee unterstützt, die Entscheidung aber als von Elon Musk abhängig dargestellt. Die FT berichtete zudem, Musk sei nicht grundsätzlich dagegen, sehe die endgültige Entscheidung jedoch als politische Frage der US-Regierung. Das chinesische Außenministerium, der Kreml und das Weiße Haus reagierten nicht auf Bitten um Stellungnahme.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Die im Quellenmaterial enthaltenen Artikel stammen ausschließlich aus ukrainischsprachigen Medien; eine eigene nicht-ukrainische Rahmung lässt sich daraus nicht ableiten. Verfügbar sind jedoch Reaktionen ausländischer Akteure, die in den ukrainischen Berichten wiedergegeben werden: Die deutsche Bundeswehr warnt vor einer möglichen Bedrohung durch die angestrebte russische Starlink-Alternative, und der finnische Präsident Alexander Stubb hat Elon Musk gebeten, die Starlink-Abdeckung in der Ukraine auszuweiten, damit diese russische ballistische Raketenstellungen angreifen kann. Trump habe Selenskyj zuletzt gedrängt, ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen, da diese die Dieselpreise in den USA steigen ließen.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Berichte unterscheiden sich darin, wie konkret Selenskyjs Zeitangabe für die Einsatzbereitschaft von „Рассвет" wiedergegeben wird: mal als „Ende 2026 / Anfang 2027", mal als vageres „Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres", was ebenfalls auf Ende 2026 / Anfang 2027 hinausläuft. Uneinheitlich dargestellt wird zudem die Rolle Elon Musks bei der Bitte um Starlink-bestückte Angriffsdrohnen: Selenskyj zufolge verwies Trump darauf, dass die Entscheidung von Musk abhänge; die FT berichtet hingegen, Musk sei nicht dagegen, betrachte die Entscheidung aber als politische Frage der US-Regierung. Schließlich variieren die Darstellungen des Sanktionsgesuchs: Einige Quellen sprechen von einem Ersuchen gegen russische und chinesische Firmen, andere formulieren es als allein auf russische Akteure gerichtet.

Hintergrund

Nach Angaben Selenskyjs beschleunigte Russland die Arbeiten an dem Netz mit chinesischer Unterstützung, nachdem Elon Musk russischen Streitkräften den Starlink-Zugang für militärische Zwecke entzogen hatte. Zuvor hatten russische Truppen Starlink zur Steuerung von Drohnen wie „Молнія" und „Італмас" BM-35 genutzt. Das russische Unternehmen Büro 1440 hatte im März sowie am 20. Juli vom Kosmodrom Plessezk aus Satelliten ins All gebracht; bis September befanden sich 32 „Рассвет"-Satelliten im Orbit. Der ukrainische Präsidentenberater Serhij Beskrestnow (Flash) schätzt, dass für ein Basiskonstellation 12 bis 15 Starts einer Sojus-2.1b-Rakete nötig wären, die jeweils 20 Satelliten transportiert und deren Komponenten – mit Ausnahme der Triebwerke – vom Hersteller Progress produziert werden, einem Ziel ukrainischer Angriffe mit „Flamingo"-Raketen. Der Satellitenkommunikationsexperte Wolodymyr Stepanez berichtete am 1. August, „Рассвет"-Satelliten böten über der Ukraine mindestens zwei Kommunikationsfenster pro Tag, jeweils über eine Stunde lang. Peking hatte Selenskyjs frühere Vorwürfe, China liefere Waffen an die russische Armee, zurückgewiesen.