Selenskyj nennt 890 km eroberte und 800 km befreite Fläche – Kreml sieht keine Voraussetzungen für Friedensgespräche
In einem Interview mit dem Wall Street Journal erklärte Wolodymyr Selenskyj, Russland habe 2026 rund 890 km ukrainisches Territorium besetzt, die Ukraine habe im selben Zeitraum etwa 800 km zurückgewonnen. Die russischen Verluste bezifferte er auf 270.000 Personen. Er bezeichnete die Lage an der Front als nahezu eingefroren, bekräftigte nach seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in New York seine Bereitschaft zu einem Dreiertreffen mit Wladimir Putin und warf den russischen Generälen vor, Putin nicht die Wahrheit zu sagen. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, es gebe derzeit keine Voraussetzungen für einen „Friedenspfad“ und verwies auf die Notwendigkeit von Vorarbeiten auf Expertenebene.
Das Wichtigste
- Selenskyj: Russland eroberte 2026 rund 890 km ukrainisches Territorium, die Ukraine befreite etwa 800 km.
- Differenz laut Selenskyj: etwa 100 km netto an Russland.
- Selenskyj beziffert russische Verluste 2026 auf 270.000 Personen.
- „Auf dem Schlachtfeld ist fast alles erstarrt“ – Selenskyj zur Lage an der Front.
- Selenskyj traf am 22. September in New York US-Präsident Donald Trump am Rande der UN-Generalversammlung.
- Selenskyj erklärte sich bereit zu einem Treffen mit Putin, Trump könnte laut Selenskyj ein trilaterales Treffen organisieren.
- Trump kündigte an, bei Bedarf den „Graham Act“ mit Sanktionen gegen Russland anzuwenden.
- Kremlsprecher Peskow: keine Voraussetzungen für einen „Friedenspfad“, Gipfel vor Expertengesprächen „unzweckmäßig“.
Warum es wichtig ist
Selenskyj hat erstmals konkrete Jahreszahlen zu territorialen Veränderungen und zu russischen Verlusten öffentlich genannt. Die bezifferten 270.000 russischen Verluste für 2026 übertreffen früher kommunizierte Schätzungen deutlich. Gleichzeitig bekräftigte die ukrainische Seite ihre Bereitschaft zu einem trilateralen Treffen mit Trump und Putin, während der Kreml jede Annäherung an einen „Friedenspfad“ zurückwies und Verhandlungen faktisch an eine Reise Selenskyjs nach Moskau knüpfte – ein gegensätzliches Signal zum vorgeschlagenen Format.
Was geschehen ist
In einem Interview mit dem Wall Street Journal bezifferte Wolodymyr Selenskyj die russischen Geländegewinne in der Ukraine 2026 auf rund 890 km, die ukrainischen Rückeroberungen auf etwa 800 km. Die Nettodifferenz von etwa 100 km zulasten der Ukraine bezeichnete er als sehr teuer erkauft. Die russischen Verluste in diesem Jahr gab er mit 270.000 Personen an. Die Kämpfe an der Front beschrieb er als nahezu eingefroren; russische Erfolgsmeldungen wies er zurück und warf den Generälen vor, Putin nicht die Wahrheit zu sagen. Einen Tag zuvor, am 22. September, hatte Selenskyj am Rande der UN-Generalversammlung in New York US-Präsident Donald Trump getroffen und bei einer Pressekonferenz erklärt, er hoffe auf ein Kriegsende vor dem Winter und sei bereit, sich mit Wladimir Putin zu treffen; Trump könne dabei ein trilaterales Treffen organisieren. Trump kündigte an, bei Bedarf den sogenannten „Graham Act“ mit Sanktionen gegen Russland anzuwenden, und forderte Putin auf, den Krieg zu beenden. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte tags darauf, es gebe derzeit keine Voraussetzungen für einen „Friedenspfad“ der Verhandlungen, ein Gipfel vor Expertengesprächen sei „unzweckmäßig“; gleichzeitig blieb der Kreml nach eigener Darstellung offen für Friedensgespräche. Peskow verwies auf Aussagen Putins, wonach Selenskyj „wenn er will, nach Moskau kommen“ könne und die nötigen Sicherheitsgarantien erhalte.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die ukrainische und die russische Seite vertreten gegenläufige Positionen zur Aufnahme von Verhandlungen. Selenskyj erklärte sich zu einem trilateralen Treffen mit Trump und Putin bereit und macht das Fehlen eines Friedenspfads an Moskau fest. Der Kreml bestritt über Peskow jegliche Voraussetzungen für einen „Friedenspfad“, hält einen Gipfel vor Expertengesprächen für „unzweckmäßig“ und verweist auf eine mögliche Reise Selenskyjs nach Moskau als Ort für Verhandlungen.
Hintergrund
Selenskyj hatte zuvor die russischen Geländegewinne in früheren Phasen des Krieges auf etwa 3000–4000 km pro Jahr beziffert – deutlich mehr als die nun für 2026 genannten 890 km. Das Treffen Selenskyjs mit Trump am 22. September in New York am Rande der UN-Generalversammlung bildete den Rahmen für die anschließende Pressekonferenz, auf der Selenskyj die Hoffnung auf ein Kriegsende vor dem Winter äußerte. Trump hatte bereits zuvor öffentlich die Anwendung des „Graham Act“ als Sanktionsinstrument gegen Russland angedroht.