Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Zelensky und Trump beraten in New York über Energie-Waffenstillstand, Patriot-Lizenzen und Trilaterales Treffen

Am 22. September 2025 trafen sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump am Rande der UN-Generalversammlung in New York. Selenskyj bezeichnete das etwa einstündige Gespräch als „positiv und produktiv“ und warb für eine wechselseitige Waffenruhe bei Angriffen auf Energieinfrastruktur, eine trilaterale Ukraine–USA–Russland-Sitzung sowie die Einbindung des chinesischen Staatschefs Xi Jinping. Trump zeigte sich einer Patriot-Lizenz für die Ukraine gegenüber „positiv aufgeschlossen“, sagte aber keine konkreten Patriot-Lieferungen zu.

Das Wichtigste

  • Treffen Selenskyj–Trump am 22. September 2025 in New York am Rande der UN-Generalversammlung, Dauer rund eine Stunde; es war das neunte vollständige Treffen der beiden seit Trumps zweiter Amtszeit.
  • Selenskyj bot einen wechselseitigen Energie-Waffenstillstand an; die USA sollen den Vorschlag an Moskau übermitteln.
  • Trump äußerte sich „positiv aufgeschlossen“ zu Lizenzen für die ukrainische Produktion von Patriot-Systemen; konkrete Zusagen zu Patriot-Lieferungen an Kyjiw gab es jedoch nicht.
  • Selenskyj bat Trump, Chinas Staatschef Xi Jinping in die Friedensbemühungen einzubinden, da dieser Einfluss auf Putin habe; Trump sagte zu, die Botschaft an Xi zu übermitteln, der am 23.–25. September zu einem Staatsbesuch in den USA erwartet wurde.
  • Selenskyj erklärte seine Bereitschaft, jederzeit an einem trilateralen Treffen mit Trump und Putin teilzunehmen; Trump erklärte sich bereit, Putin beim G20-Gipfel in Miami am 14.–15. Dezember zu treffen.
  • Beim Thema Starlink für Angriffe auf Ziele in Russland verwies Trump Selenskyj an Elon Musk.
  • Der Kreml lehnte den Energie-Waffenstillstand mit Verweis auf das Ziel einer umfassenden Friedensregelung ab.

Warum es wichtig ist

Das New Yorker Treffen steht im Zentrum der US-geführten Bemühungen um eine Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine. Selenskyj bat Trump ausdrücklich, ein trilaterales Ukraine–USA–Russland-Treffen zu organisieren, und warb zugleich dafür, Xi Jinping einzubinden, der am Folgetag zu einem Staatsbesuch in den USA eintraf. Mit dem Angebot eines wechselseitigen Energie-Waffenstillstands brachte Selenskyj eine konkrete Deeskalationsstufe auf den Weg, die nun von den USA an Moskau übermittelt werden soll. Trumps Signal zur Patriot-Produktionslizenz ist zudem ein möglicher Hebel für die langfristige Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung.

Was geschehen ist

Am 22. September 2025 kam der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Rande der UN-Generalversammlung in New York zu einem etwa einstündigen bilateralen Treffen mit US-Präsident Donald Trump zusammen. Selenskyj bezeichnete die Begegnung als „positiv und produktiv“ und umriss drei Verhandlungsspuren: einen wechselseitigen Waffenstillstand bei Angriffen auf Energieinfrastruktur, eine mögliche See-/Getreide-Waffenruhe und ein trilaterales Format Ukraine–USA–Russland. Er erklärte sich bereit, jederzeit an einem solchen trilateralen Treffen mit Putin teilzunehmen, und warb bei Trump dafür, den chinesischen Staatschef Xi Jinping in die Bemühungen zur Beendigung des Krieges einzubinden, da Xi „Einfluss auf Putin“ habe. Trump sagte zu, diese Botschaft an Xi zu übermitteln, der am 23. September zu einem Staatsbesuch in den USA eintraf.

Zum Energie-Waffenstillstand sagte Selenskyj, die USA würden den ukrainischen Vorschlag an die russische Seite übermitteln; die Ukraine werde von Angriffen auf russische Energieinfrastruktur – einschließlich Raffinerien – absehen, sofern Russland ukrainische Energie- und kritische Infrastruktur nicht angreife. Der Kreml lehnte den Vorschlag mit Hinweis auf das Ziel einer umfassenden Friedensregelung ab.

Bei den Patriot-Systemen zeigte sich Trump „positiv aufgeschlossen“ gegenüber Lizenzen für die ukrainische Produktion; eine konkrete Zusage zur Lieferung von Abfangjägern an Kyjiw blieb jedoch aus. Selenskyj sagte, „niemand habe nein gesagt“, aber Washington habe keine verbindliche Antwort gegeben. Beim Thema Starlink-Nutzung für Angriffe auf Ziele in Russland verwies Trump Selenskyj an Elon Musk.

Vor dem Treffen hatte Trump gesagt, es gebe zwei Varianten eines Friedensabkommens – eine „sehr schlechte“ und eine, die die Ukraine zur „Größe“ führen könne –, und erklärt, er sei bereit, Putin beim G20-Gipfel in Miami am 14.–15. Dezember zu treffen. Am selben Tag sagte Trump vor der UN-Generalversammlung, das Ende des russischen Krieges werde „schneller kommen, als die Leute denken“.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Quellen stellen das Treffen als „positiv und produktiv“ dar und betonen die drei von Selenskyj benannten Verhandlungsspuren (Energie-Waffenstillstand, See-/Getreide-Waffenruhe, trilaterales Format). Sie heben Selenskyjs Warnung vor einer „sehr hohen“ Wahrscheinlichkeit russischer Angriffe auf andere europäische Länder – auch in Form einer Bodenoperation – sowie die UNGA-Rhetorik des Präsidenten hervor, der Putin als „Patient Zero“ der Idee eines Krieges bezeichnete. Erwähnt wird auch die gemeinsame Erklärung von 50 Ländern und der EU an die UN, die Russland zum Waffenstillstand aufrief und an der sich die USA nicht beteiligten. Ukrainische Analysten wie Wolodymyr Omeltschenko (Razumkow-Zentrum) und Wladyslaw Faraponow (Institut für Amerikastudien) kontern Trumps Verknüpfung ukrainischer Drohnenangriffe auf russische Raffinerien mit den US-Dieselpreisen und weisen auf fehlende Signale für Fortschritte bei der Patriot-Lizenz selbst hin.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Die internationalen Beiträge im Quellenset – darunter deutsche und katarische Medien – greifen die US-Drahtberichterstattung über eine „begrenzte Waffenruhe“ bei Energiezielen und ein mögliches trilaterales Gipfeltreffen auf. Sie stützen sich stärker auf Trumps eigene Aussagen: die Zwei-Varianten-Friedenslogik („sehr schlecht“ vs. „Größe“), seine Behauptung, Putin sei „bereit“ sich zu treffen, und seine Bereitschaft, Putin beim G20-Gipfel in Miami zu treffen. Weniger Raum erhalten Selenskyjs Vorbehalt der Gegenseitigkeit beim Energie-Waffenstillstand sowie das Starlink-/Patriot-Detail, das in der ukrainischen Berichterstattung dominiert.

Wo die Berichte auseinandergehen

Trump führte steigende US-Dieselpreise teilweise auf ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien zurück; Selenskyj-nahe Berichte und der Energieexperte Wolodymyr Omeltschenko (Razumkow-Zentrum) nannten als Hauptursache den Krieg gegen den Iran und stuften den ukrainischen Anteil als begrenzt ein.

Zum Patriot-Thema sagte Selenskyj, „niemand habe nein gesagt“, aber es gebe keine konkrete Zusage; das US-Außenministerium meldete indessen eine Notiz über den Verkauf von Luftabwehrmitteln und Raketen an die Ukraine. Analyst Wladyslaw Faraponow erklärte, es habe kein öffentliches Signal für Fortschritte bei der Lizenz selbst gegeben.

Hintergrund

Das Treffen in New York war das neunte vollständige Treffen zwischen Trump und Selenskyj seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit; auf US-Seite nahmen auch Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent, Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner teil. Trump hatte am Vortag das Sanktionsinstrument „Graham Law“ unterzeichnet und sich bereit erklärt, es nötigenfalls anzuwenden. Xi Jinpings Staatsbesuch in den USA (23.–25. September) war der erste seit über zehn Jahren. Der Kreml hatte den Vorschlag eines Energie-Waffenstillstands zuvor mit Verweis auf das Ziel einer umfassenden Regelung zurückgewiesen.