Koretsky beziffert Schäden durch russische Angriffe auf 7,7 Milliarden Dollar
Der ukrainische Ministerpräsident Serhij Koretsky hat die direkten Schäden durch russische Angriffe auf ukrainische Unternehmen in diesem Jahr auf 7,7 Milliarden Dollar beziffert. Mehr als eine Million Quadratmeter Lager-, Produktions- und Logistikflächen seien zerstört oder beschädigt worden. Die Regierung stellt staatliche Räume für Verlagerungen bereit und hat das Förderkreditprogramm "5-7-9 %" angepasst.
Das Wichtigste
- Ministerpräsident Serhij Koretsky beziffert direkte Schäden durch russische Angriffe auf ukrainische Unternehmen 2026 auf 7,7 Mrd. Dollar
- Über 1 Mio. m² Lager-, Produktions- und Logistikflächen zerstört oder beschädigt
- 18 Mrd. Hrywnja im Staatshaushalt 2026 für Zinsausgleich im Programm „Доступні кредити 5-7-9 %"
- Staat übernimmt Ausfallkompensation für zivile Schiffe, da internationale Versicherungen für ukrainische Häfen nicht erhältlich sind
- Seit 22. Juli kein Schiff mehr in den Häfen von Groß-Odessa – erstmals seit Juli 2022
- Im August Russlands Angriffe auf Logistikzentren u. a. von Novus, Epicentr, Rozetka und Silpo; EVA schätzt Verlust in Browary auf rund 1 Mrd. Hrywnja
Warum es wichtig ist
Koretskys Angaben quantifizieren erstmals offiziell das Ausmaß der Schäden, die russische Angriffe seit Jahresbeginn auf ukrainische Unternehmen verursacht haben – 7,7 Mrd. Dollar direkte Verluste und über eine Million Quadratmeter zerstörte oder beschädigte Infrastruktur. Damit werden Auswirkungen auf Logistik, Export und Investitionstätigkeit messbar gemacht, zugleich werden die bestehenden Hilfsprogramme und ihre Grenzen sichtbar.
Was geschehen ist
In einem Interview mit BBC Ukraine, das von Ukrinform wiedergegeben wurde, erklärte Ministerpräsident Serhij Koretsky, die direkten Schäden durch russische Angriffe auf ukrainische Unternehmen seit Jahresbeginn beliefen sich auf 7,7 Mrd. Dollar. Mehr als eine Million Quadratmeter Lager-, Produktions- und Logistikflächen seien zerstört oder schwer beschädigt. „Trotzdem arbeite die Wirtschaft", sagte Koretsky. Die Regierung überträgt staatliche Räume an Unternehmen, um Lager und Produktion zu verlagern und räumlich zu streuen. Im Staatshaushalt 2026 sind 18 Mrd. Hrywnja für Zinsausgleich im Programm „Доступні кредити 5-7-9 %" vorgesehen. Da zivile Schiffe für ukrainische Häfen keine internationale Versicherung erhalten, hat der Staat eine Teilkompensation der Schäden übernommen; das Kabinett hatte zudem einen Mechanismus für staatliche Garantien gebilligt, der bis zu 80 % der Schäden an zivilen Schiffen abdeckt. Forbes Ukraine dokumentierte, dass von Anfang Juli bis 6. August über 400.000 m² Lager und Logistikkomplexe zerstört wurden; allein in Kiew und der Oblast Kiew waren es bis 14. September seit Juli mindestens 500.000 m² – fast ein Drittel des Marktes. In der Nacht zum 5. August wurden unter anderem Lager von Novus, Epicentr, Rozetka und Silpo getroffen; EVA schätzte den Verlust seines Verteilzentrums in Browary auf rund 1 Mrd. Hrywnja. Seit 22. Juli lief kein Schiff mehr die Häfen von Groß-Odessa an – erstmals seit Juli 2022 –, weil Reedereien die Anfahrt verweigerten.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die Berichterstattung stammt ausschließlich aus ukrainischen Medien und Agenturen. Sie stellt sowohl das Ausmaß der Schäden durch russische Angriffe als auch die Gegenmaßnahmen der Regierung in den Mittelpunkt: Bereitstellung staatlicher Räume, Anpassung des Förderkreditprogramms 5-7-9 % und staatlicher Garantien für Schiffe. Gleichzeitig wird die Kritik des Abgeordneten Jaroschel Selesnjak aufgegriffen, wonach es an einem systematischen Unterstützungsmechanismus fehle und der geplante Hilfsfonds für Unternehmen, der aus einer ursprünglich vorgesehenen Mehrwertsteuererhöhung finanziert werden sollte, am 13. Oktober fallengelassen wurde.
Hintergrund
Forbes Ukraine hatte bereits dokumentiert, dass Russland von Anfang Juli bis 6. August über 400.000 m² Lager und Logistikkomplexe zerstörte; bis 14. September waren allein in Kiew und der Oblast Kiew seit Juli mindestens 500.000 m² zerstört – fast ein Drittel des Marktes. Der stellvertretende Wirtschaftsminister Andrij Kaschuba hatte am 4. August erklärt, 90 % der ukrainischen Exporte würden über den Seeweg abgewickelt. Nach den Angriffen am 5. August kündigte die Regierung binnen Tagen erste Hilfsmaßnahmen an: Am 6. August wurde das Programm 5-7-9 % für Agrarproduzenten angepasst, die Zinssätze für Betriebsmittelkredite von 15 auf 10 % gesenkt; später wurde ein 10-%-Kredit für Großunternehmen vorbereitet. Am 4. September führten die Militärverwaltungen der Oblasten rund um die Uhr besetzte „einheitliche Fenster" für Unternehmen ein und sagten Hilfe beim Aufbau von Reservelagern zu. Derzeit laufen vier Förderprogramme: Zuschüsse bis 16 Mio. Hrywnja für die Wiederherstellung von Anlagen, Kredite bis 150 Mio. Hrywnja zu 0,1 % für die ersten zwei Jahre, Lohnkompensation während Stillstandszeiten sowie eine Kriegsrisikoversicherung.