Russland greift Kiew mit ballistischen Raketen und Drohnen an – eine Tote, 22 Verletzte
In der Nacht zum 22. Oktober 2025 hat Russland die Ukraine mit einem massiven kombinierten Angriff aus Raketen und Drohnen überzogen, dessen Hauptausrichtung Kiew war. Die ukrainische Luftwaffe meldete 210 Drohnen, 181 davon abgefangen, sowie ballistische Raketen vom Typ Iskander-M, S-400, Zirkon und Oniks. In Kiew starb mindestens ein Mensch, 22 wurden verletzt, darunter vier Kinder. Die ukrainische Regierung verurteilte den Angriff als bewusste Vergeltung kurz nach den laufenden Friedensgesprächen.
Das Wichtigste
- Luftwaffe: 210 Drohnen, darunter 110 reaktive Shahed; 181 Drohnen bis 09:00 Uhr abgefangen oder unterdrückt
- Angriffe auf Kiew in drei Wellen mit 21 ballistischen Raketen
- In Kiew eine Tote, 22 Verletzte – darunter vier Kinder
- Treffer in sechs Stadtbezirken Kiews; darunter Wohnhäuser, eine Rettungswache, ein Kloster, das Einkaufszentrum Epicentr und die Südbrücke
- Beschädigung der Metrolinfrastruktur auf der Südbrücke; Zugverkehr der grünen Linie zwischen Syrez – Wydubychi und Osokorky – Tscherwonyj Chutir
- Südbrücke zunächst nur stadteinwärts, dann in beiden Richtungen gesperrt; Buslinien 22 und 91 verstärkt
- Angriff erfasste nach Angaben von Präsident Selenskyj 12 ukrainische Oblaste
- Selenskyj nannte den Angriff „demonstrativ“ und forderte verstärkte Luftabwehr, schnellere Raketenlieferungen und Sanktionen
Warum es wichtig ist
Der Angriff verdeutlicht die anhaltende Verwundbarkeit der ukrainischen Hauptstadt gegenüber ballistischen Raketen – die Luftwaffe meldete keine abgefangene ballistische Rakete – und die wachsende Belastung der zivilen Infrastruktur durch kombinierte Drohnen- und Raketenschläge. Die zeitliche Nähe zu den laufenden Verhandlungen zwischen der Ukraine, den USA und Russland verstärkt die politische Brisanz: Die ukrainische Führung wertet den Angriff als Signal, dass Russland seine Kriegsziele trotz diplomatischer Kontakte nicht aufgegeben hat. Die Schäden an Wohngebäuden, einer Rettungswache, einem Kloster und einem Einkaufszentrum unterstreichen die zivile Dimension, während die Beschädigung der Südbrücke und der Metrolinfrastruktur die Funktionsfähigkeit der Hauptstadt über den Dnipro einschränkt.
Was geschehen ist
In der Nacht zum 22. Oktober 2025 startete Russland ab 18:00 Uhr des Vortages einen massiven kombinierten Angriff auf die Ukraine, der nach Angaben der Luftwaffe Raketen vom Typ Iskander-M, S-400, Zirkon und Oniks sowie 210 Drohnen – darunter 110 reaktive Shahed und Drohnen vom Typ Gerbera, Italmas sowie Parodia-Imitatordrohnen – umfasste. Bis 09:00 Uhr wurden 181 Drohnen abgefangen oder unterdrückt (87 davon reaktiv), zehn Drohnen befanden sich noch in der Luft. Der Hauptschwerpunkt der Angriffe war Kiew, das nach ukrainischen Angaben in drei Wellen mit 21 ballistischen Raketen getroffen wurde.
In Kiew starb mindestens ein Mensch, 22 wurden verletzt, darunter vier Kinder. Im Stadtteil Dniprowskyj forderte ein Einschlag in eine Autowerkstatt und ein Wohnhaus ein Todesopfer und sechs Verletzte, darunter ein Kind. Im Petscherskyj wurden Gebäude, sechs Krankenwagen und das Wwedenskyj-Kloster (UPC/MP) beschädigt; zwei Kirchgängerinnen wurden verletzt, zwei Nonnen verletzt, das Dach vom Granatsplitter durchsiebt; insgesamt galten im Stadtteil acht Verletzte, darunter drei Kinder. Weitere Treffer wurden in Darnyzkyj, Swjatoschynskyj, Obolon und Holosiijiwskyj verzeichnet, darunter ein Brand in einem Restaurantkomplex auf 1 100 Quadratmetern, ein ausgebrannter Hypermarkt Epicentr an der Pohajna und Schäden an mehreren Wohnhäusern und Infrastrukturobjekten.
Beschädigt wurde auch die Metrolinfrastruktur auf der Südbrücke. Der Autoverkehr über die Südbrücke wurde zunächst stadteinwärts eingeschränkt und später in beiden Richtungen gesperrt; die Züge der grünen Metro-Linie verkehrten nur noch zwischen den Stationen Syrez – Wydubychi und Osokorky – Tscherwonyj Chutir. Die Stadt verstärkte die Buslinien 22 (zehn auf zwölf Busse, fünf verkürzt) und 91 (drei auf fünf Busse), die über die Darnyzka-Eisenbahnbrücke umgeleitet wurden. Nach Angaben von Präsident Selenskyj waren insgesamt 12 ukrainische Oblaste betroffen, landesweit gab es 34 Verletzte (fünf Kinder) und zwei Tote. In der Oblast Charkiw starb im Dorf Lymanivka eine 42-jährige Frau, vier weitere Menschen wurden verletzt.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ukrainische Berichterstattung stellt Kiew als Hauptstoßrichtung in den Mittelpunkt und betont die zivilen Opfer, die Brände und die Zerstörungen in mindestens sechs Stadtbezirken, darunter Wohnhäuser, die Rettungswache im Petscherskyj, das Wwedenskyj-Kloster und der Hypermarkt Epicentr. Ukrainische Beamte werten den Angriff als bewusste Vergeltung Russlands unmittelbar nach den jüngsten diplomatischen Kontakten und fordern verstärkte Luftabwehr, schnellere Raketenlieferungen und Sanktionen. Berater Serhij „Flash" Beskrestnow wies darauf hin, dass eine Iskander-Rakete mit K5-Streukopf das historische Stadtzentrum getroffen habe, und sprach von einem Angriff ohne militärisches Ziel, der auf maximale zivile Schäden ausgerichtet gewesen sei. Die Führung in Kiew sieht in dem Angriff einen Beleg dafür, dass Russland seine Kriegsziele nicht aufgegeben hat.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Internationale Medien rahmen den Angriff als großangelegten kombinierten Raketen- und Drohnenschlag, der nur wenige Stunden nach der bekanntgewordenen grundsätzlichen Einigung auf Wiederaufnahme dreiseitiger Verhandlungen (Russland, USA, Ukraine) erfolgte. Die Berichterstattung betont die zivilen Opfer, die Schäden an Wohnhäusern, Energie- und Verkehrsinfrastruktur sowie die zeitliche Nähe zu den diplomatischen Kontakten. US-Sondergesandter Steve Witkoff hatte tags zuvor in Sankt Petersburg Wladimir Putin als „Humanisten" bezeichnet – eine Formulierung, die der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha unmittelbar nach dem Angriff mit Blick auf die zerstörerische Wirkung des Schlags zurückwies. Die Berichterstattung hebt zudem hervor, dass die ukrainische Luftwaffe nach eigenen Angaben keine der ballistischen Raketen abfangen konnte.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Zahl der Verletzten in Kiew wird in den Updates mit 15, 22 oder 24 angegeben; auch Anzahl und Alter der verletzten Kinder sowie die Zahl der hospitalisierten Personen schwanken. Während einige Berichte Treffer in vier Kiewer Stadtbezirken nennen, sprechen spätere Updates von sechs betroffenen Bezirken. Die offizielle Zahl der Todesopfer für Kiew und andere Regionen variiert: Die Stadt Kiew und der Katastrophendienst beziffern die Toten in der Hauptstadt mit einer Person, Präsident Selenskyj sprach unter Berufung auf landesweite Daten von zwei Toten. Auch das Ausmaß der eingesetzten Waffen – insbesondere die genaue Zahl der Raketen – wird in den Quellen uneinheitlich angegeben.
Hintergrund
Die Angriffe begannen am Abend des 21. Oktober und zogen sich bis in die Nacht zum 22. Oktober hin. Nach ukrainischen Angaben griff Russland die Ukraine mit 210 Drohnen und verschiedenen Typen ballistischer Raketen an; die Luftwaffe meldete 181 abgefangene oder unterdrückte Drohnen. In Kiew wurden bei Einschlägen Wohngebäude, eine Rettungswache, ein Kloster und der Hypermarkt Epicentr beschädigt, die Südbrücke und Teile der Metrolinfrastruktur wurden in Mitleidenschaft gezogen. Mehr als 400 Rettungskräfte und Polizisten waren in Kiew im Einsatz, ein Hilfeleistungsstab für Betroffene wurde eingerichtet. Die Angriffe erfolgten im Kontext laufender diplomatischer Kontakte: Am 20. Oktober fanden Gespräche zwischen der Ukraine, den USA und europäischen Partnern in Norwegen statt, am 21. Oktober reiste der US-Sondergesandte Steve Witkoff nach Sankt Petersburg, wo er unter anderem die Freilassung des US-Bürgers Stephen Hubbard bekannt gab.