Russland fliegt massiven Raketen- und Drohnenangriff auf Kiew – zwei Tote, mindestens 16 Verletzte
In der Nacht zum 8. September hat Russland einen kombinierten Raketen- und Drohnenangriff auf Kiew geflogen. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben, mindestens 16 wurden verletzt. Schäden und Brände wurden in mindestens fünf bis sieben Stadtbezirken gemeldet. Der Angriff erfolgte unmittelbar nach dem Besuch der US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Kiew und einer damit verbundenen dreitägigen gegenseitigen Aussetzung von Schlägen auf die beiden Hauptstädte.
Das Wichtigste
- Russland griff Kiew in der Nacht zum 8. September mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern (Kh-101), Kalibr-Raketen aus dem Schwarzen Meer und Shahed-Drohnen an.
- Zwei Menschen wurden getötet, mindestens 16 verletzt; alle Todesopfer und die meisten Verletzten im Stadtbezirk Solomjanskyj.
- Schäden an ziviler Infrastruktur in mindestens 16 Objekten in fünf bis sieben Bezirken, darunter Wohnhäuser, eine Privatschule, Lagerräume und ein Businesscenter; ein Supermarkt der Kette Varus, ein Lager für Mobilgeräte und ein Autoteilegeschäft im Bezirk Solomjanskyj wurden dem Erdboden gleichgemacht.
- Die ukrainische Luftabwehr zerstörte oder unterdrückte nach Angaben der Luftstreitkräfte 175 Luftziele, darunter 2 ballistische Raketen, 31 Marschflugkörper und 142 Drohnen vom Typ Shahed/Gerbera.
- Der Angriff erfolgte unmittelbar nach dem Besuch der US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Kiew und der damit verbundenen dreitägigen gegenseitigen Aussetzung von Schlägen auf die Hauptstädte.
- Außerdem wurde in der Nacht die Region Kiew angegriffen, darunter die Bezirke Boryspil und Fastiw; ein Mensch wurde in Bila Zerkwa verletzt.
- Am Morgen des 8. September schlugen russische Drohnen in der Oblast Sumy gezielt einen Personenzug der Strecke Kiew–Sumy, eine Diesellokomotive auf einem Bahnhof; über Verletzte wurde nichts berichtet.
Warum es wichtig ist
Der Angriff war der größte kombinierte Raketen- und Drohnenangriff auf Kiew in diesem Zeitraum, forderte zivile Opfer und richtete erhebliche Schäden an. Er erfolgte unmittelbar nach einer dreitägigen gegenseitigen Aussetzung von Angriffen auf die Hauptstädte, die an den Besuch der US-Sondergesandten Witkoff und Kushner geknüpft war, und stellt damit die Wirksamkeit solcher Pausen infrage. Die ukrainische Führung nutzt den Angriff, um von Partnern Abwehrraketen sowie Lieferungen für das antiballistische System FREYJA einzufordern und die Schließung „Russischer Häuser" in Europa zu verlangen. In derselben Nacht wurden auch die Region Kiew und weitere ukrainische Gebiete angegriffen, darunter ein Personenzug, was auf eine landesweite Kampagne hindeutet.
Was geschehen ist
In der Nacht zum 8. September flog Russland einen massiven kombinierten Angriff auf Kiew. Laut Luftstreitkräften wurden ab 18:00 Uhr am 7. September ballistische Raketen (Iskander-M, S-400, KN-23), 32 Marschflugkörper vom Typ Kh-101 aus strategischen Bombern Tu-95MS und Tu-160MS, Kalibr-Raketen aus dem Schwarzen Meer sowie 166 Drohnen vom Typ Shahed und „Parodia"-Drohnen eingesetzt. Bis 08:30 Uhr zerstörte oder unterdrückte die ukrainische Luftabwehr 175 Luftziele: 2 ballistische Raketen, 31 Kh-101/Iskander-K-Marschflugkörper und 142 Drohnen vom Typ Shahed/Gerbera. Dennoch schlugen Raketen und Drohnen an 29 Standorten ein, Trümmer an weiteren 9. In Kiew wurden zwei Menschen getötet, mindestens 16 verletzt. Schäden und Brände gab es in den Bezirken Holosiivskyj, Solomjanskyj, Darnyzkyj, Podilskyj, Dniprovskyj, Shevchenkiwskyj und Obolonskyj. Im Bezirk Holosiivskyj wurde ein 26-stöckiges nicht Wohnzwecken dienendes Gebäude auf Höhe des 23. Stocks getroffen, in Holosiivskyj, Podilskyj, Solomjanskyj, Shevchenkiwskyj und Darnyzkyj brachen Brände in Lagern und Garagen aus. Im Bezirk Solomjanskyj wurden ein Varus-Supermarkt, ein Lager für Mobilgeräte und ein Autoteilegeschäft dem Erdboden gleichgemacht; Rettungskräfte befreiten 10 Menschen aus einem fünfstöckigen Wohnhaus, eine Person wurde vor dem Eintreffen der Rettungskräfte ins Krankenhaus gebracht. Aus einer Wohnung eines 16-stöckigen Hauses in Holosiivskyj wurden zwei Personen befreit, die durch die Druckwelle eingeschlossen waren. Die Fassade der Metrostation „Taras-Schewtschenko" wurde durch die Druckwelle beschädigt. Nach Angaben des Innenministers Iwan Wyhiwskyj wurden mehr als 50 Objekte beschädigt, darunter Wohnhäuser, ein Wohnheim, ein Schulgelände, Geschäfte, eine Tankstelle und ein Mehlproduktionsbetrieb; über 300 Rettungskräfte und Polizisten arbeiteten an 7 Standorten. In der Region Kiew wurden Drohnen- und Raketenangriffe gemeldet, unter anderem auf Industrieunternehmen und einen Logistikkomplex in den Bezirken Boryspil und Fastiw; in Bila Zerkwa wurde ein Mensch durch Splitter verletzt. Am Morgen des 8. September schlugen russische Drohnen in der Oblast Sumy gezielt einen Personenzug der Strecke Kiew–Sumy.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Quellen stellen Präsident Selenskyj, Außenminister Andrij Sybiha und in einem gesonderten Kommentar den früheren Oberbefehlshaber und heutigen Botschafter im Vereinigten Königreich, Walerij Saluschnyj, in den Mittelpunkt. Sie betonen, dass der Angriff unmittelbar nach der Abreise der US-Sondergesandten Witkoff und Kushner erfolgte, und deuten ihn als Signal des Terrors, das Friedensbekundungen Russlands widerlege. Die ukrainische Berichterstattung hebt den Schwierigkeitsgrad der Abfangung ballistischer Raketen hervor und verbindet den Angriff mit konkreten politischen Forderungen: Lieferung von Abwehrraketen aus Partnerbeständen, auch solchen mit nahendem Verfallsdatum, Aufbau des antiballistischen Systems FREYJA sowie Schließung „Russischer Häuser" in Europa nach deutschem Vorbild. Die Berichte sind detailreich nach Bezirken gegliedert; die jeweils genannten Opferzahlen von Kiewer Stadtverwaltung (KMVA), Katastrophenschutz (SES), Bürgermeister Klitschko und Innenminister Wyhiwskyj werden parallel zitiert, spätere Aktualisierungen ausdrücklich als Korrekturen früherer Zahlen kenntlich gemacht. Ukrainische Quellen weiten den Blick zudem über die Hauptstadt hinaus und verweisen auf gleichzeitige Angriffe auf andere Gebiete sowie auf den gezielten Drohnenangriff auf den Personenzug Kiew–Sumy.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Die in nicht ukrainischen englischsprachigen Quellen (Hongkong, USA) sowie von der aserbaidschanischen Agentur APA verfügbaren Berichte fassen das Ereignis als Wiederaufnahme von Angriffen auf Kiew nach einer Pause anlässlich des Besuchs der Trump-Gesandten und betonen den diplomatischen Kontext. Sie konzentrieren sich auf die Opferzahlen (zwei Tote, unterschiedliche Angaben zu Verletzten) sowie auf Schäden an Wohnhäusern, enthalten aber weniger Details zu einzelnen Stadtbezirken oder den konkreten ukrainischen Forderungen nach Abwehrraketen und zur Schließung „Russischer Häuser". Im Vordergrund steht der Einsatz von Drohnen und Raketen gegen die Hauptstadt sowie die menschlichen Verluste.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen weichen bei der Zahl der Verletzten in Kiew voneinander ab: Erstmeldungen nannten 6 oder 7, spätere Updates 10; Innenminister Iwan Wyhiwskyj und ein späterer KMVA-Bericht sprachen von 16. Die Anzahl der betroffenen Stadtbezirke wird mit vier, fünf, sechs oder sieben angegeben, je nach Quelle und Zeitpunkt. Auch die geschätzte Zahl der auf Kiew abgefeuerten ballistischen Raketen schwankt: Monitoringkanäle sprachen teils von „mehr als zehn", teils von „mehr als zwanzig" ballistischen Raketen.
Hintergrund
Die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner trafen am 5. September in Moskau mit Wladimir Putin zusammen und besuchten am 6. September Kiew zu Gesprächen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj. Sie verließen Kiew am Abend des 6. September. Im Zusammenhang mit diesem Besuch wurde eine gegenseitige, dreitägige Aussetzung von Angriffen auf Moskau und Kiew angekündigt. Präsident Selenskyj erklärte, die Ukraine werde bis Ende Montag auf Angriffe auf die russische Hauptstadt verzichten und erwarte ein ebensolches Verhalten Russlands. Seit dem 6. September gilt in Kiew ein differenziertes Luftwarnsystem: Gelb für Drohnengefahr, Rot für massive Drohnen-, Raketen- oder kombinierte Bedrohungen.