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HUR-Chef Ivashchenko zieht Konsequenzen aus Schusswechsel zwischen SBU und Militärgeheimdienst

Der Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes (HUR), Oleh Ivashchenko, hat den Schusswechsel zwischen SBU und HUR am 2. September in Kiew als inakzeptablen Einzelfall bezeichnet. Er wandte sich gegen eine Ausweitung des Vorfalls auf ein institutionelles Zerwürfnis und betonte, beide Dienste würden gegen einen gemeinsamen Feind arbeiten.

Das Wichtigste

  • HUR-Chef Oleh Ivashchenko erklärte, es gebe keinen Krieg zwischen SBU und HUR; der Vorfall dürfe nicht auf die Institutionen insgesamt übertragen werden.
  • Ivashchenko bezeichnete die Schießerei als „inakzeptabel" und forderte, sie ausschließlich von Strafverfolgungsbehörden bewerten zu lassen.
  • Beide Dienste hätten unterschiedliche Funktionen, arbeiteten aber für die nationale Sicherheit gegen einen gemeinsamen Feind.
  • Am 2. September kam es in Kiew zu einem Schusswechsel zwischen SBU- und HUR-Personal im Umfeld des Falls Kaplunow.
  • Die SBU hatte zuvor mitgeteilt, gemeinsam mit dem HUR einen FSB-Attentatsplan gegen einen russischen Oppositionellen vereitelt zu haben.
  • Der SBU zufolge wurden bei der Durchsuchung in der Kaplunow-Wohnung SBU-Mitarbeiter von Personen aus einer Einheit der ukrainischen Streitkräfte angegriffen; das Büro der Generalstaatsanwaltschaft und die Staatliche Ermittlungsbehörde (DBR) leiteten Vorermittlungen ein.

Warum es wichtig ist

Der Vorfall hat eine öffentliche Kluft zwischen zwei der mächtigsten Sicherheitsbehörden der Ukraine in einer heiklen Kriegsphase sichtbar gemacht. Ivashchenkos Stellungnahme zielt darauf ab, die politischen Folgen einzugrenzen und eine Rahmung als Behördenkrieg zu verhindern. Gleichzeitig werfen die konkurrierenden amtlichen Darstellungen Fragen zu Verantwortlichkeit, zum Umgang mit dem Kaplunow-Komplex und zu möglichen Desinformationskampagnen auf.

Was geschehen ist

Bei einem Vorfall am 2. September in Kiew kam es zu einem Schusswechsel zwischen Personal des Sicherheitsdienstes (SBU) und des militärischen Nachrichtendienstes (HUR). Laut SBU war sie im Begriff, dringende Fahndungsmaßnahmen im Fall eines geplanten FSB-Attentats auf einen russischen Oppositionellen durchzuführen, als ihre Einsatzgruppe von Personen aus einer Einheit der ukrainischen Streitkräfte angegriffen wurde. Spezialeinheiten der SBU „Alpha" setzten Waffen ein, wobei es auf der Gegenseite Verletzte gab. Die Generalstaatsanwaltschaft und die Staatliche Ermittlungsbehörde (DBR) nahmen Vorermittlungen auf. HUR wiederum erklärte, ein SBU-Kommandeur sei tags zuvor in aller Öffentlichkeit ohne förmliche Anklage entführt worden. Am 4. September entließ ein Gericht die unmittelbar beteiligten Mitarbeiter beider Dienste gegen persönliche Bürgschaft. Im Interview mit Ukrinform bezeichnete HUR-Chef Oleh Ivashchenko den Vorfall als „inakzeptabel", wies die Deutung eines institutionellen Konflikts zurück und betonte, die Bewertung müsse den Strafverfolgungsbehörden vorbehalten bleiben.

Wo die Berichte auseinandergehen

Drei zentrale Punkte sind in den verfügbaren Darstellungen umstritten: Erstens die Identität der Zielperson des mutmaßlichen FSB-Attentats – frühe Medienberichte verbanden den Fall mit Kaplunow, später wurde Achmed Sakajew, Chef der Exilregierung der Tschetschenischen Republik Itschkerien, genannt, und die SBU behauptete schließlich, Kaplunow selbst habe das Attentat vorbereitet. Zweitens, ob Kaplunow als erpresster Zeuge oder freiwilliger FSB-Mitarbeiter handelte: Die SBU spricht von einem Geständnis und einer geplanten Attacke, Kaplunow bestreitet eine freiwillige Kooperation und erklärt sein Geständnis mit psychischem Druck. Drittens, wie es zur Konfrontation kam: Der Kommandeur der HUR-Spezialeinheit „Tymur" spricht von einer Entführung eines HUR-Kommandeurs am helllichten Tag durch die SBU; die SBU schildert, sie sei bei einem Anti-Terror-Einsatz angegriffen und behindert worden.

Hintergrund

Am 1. September meldete das Russische Freiwilligenkorps (RDK) die Entführung seines stellvertretenden Kommandeurs Stepan Kaplunow in Kiew. Am nächsten Tag kam es im Umfeld seines Falls zu einer Schießerei zwischen SBU- und HUR-Personal. Die SBU erklärte, beide Dienste hätten gemeinsam ein von der FSB gelenktes Attentat auf einen russischen Oppositionellen verhindert, der zur Feier der Unabhängigkeit in die Ukraine gekommen sei; Medien führten den Fall zunächst auf Kaplunow und später auf Achmed Sakajew zurück. Der HUR warf Medien, Bloggern und fragwürdigen Telegram-Kanälen vor, eine gezielte Desinformationskampagne gegen den militärischen Nachrichtendienst zu führen. Präsident Selenskyj bezeichnete den Vorfall als „schändlich" und forderte Personalentscheidungen sowie interne Untersuchungen. Am 4. September ließ ein Gericht die unmittelbar beteiligten Mitarbeiter beider Dienste gegen persönliche Bürgschaft frei.