HUR-Chef Iwastschenko nennt Schusswechsel zwischen SBU und Militärabwehr in Kiew „inakzeptabel“
Der Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes (HUR), Oleh Iwastschenko, hat sich erstmals öffentlich zu der Schießerei zwischen Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes (SBU) und der HUR in der Nacht zum 2. September in Kiew geäußert. Er bezeichnete den Vorfall als „inakzeptabel“, wies Spekulationen über einen „Krieg der Geheimdienste“ zurück und forderte persönliche statt kollektive Verantwortung. Zugleich laufen Ermittlungen der Staatlichen Ermittlungsbehörde (DBR) und der Generalstaatsanwaltschaft.
Das Wichtigste
- In der Nacht zum 2. September kam es im Kiewer Stadtteil Bereznjaky auf der Straße Juriji Schumskoho zu einer Schießerei zwischen SBU- und HUR-Mitarbeitern.
- Anlass war eine Durchsuchung in der Wohnung des stellvertretenden RDK-Kommandeurs für Kampfeinsätze, Stepan Kaplunow, der bereits am 1. September als vermisst gemeldet worden war.
- HUR-Chef Oleh Iwastschenko erklärte gegenüber Ukrinform, der Vorfall sei „inakzeptabel“; eine Bewertung müsse ausschließlich durch Strafverfolgungsbehörden erfolgen.
- Iwastschenko wies die Formulierung „Krieg der Geheimdienste“ zurück und betonte, SBU und HUR hätten unterschiedliche Funktionen, arbeiteten aber gegen einen gemeinsamen Feind.
- Der SBU erklärte, gemeinsam mit der HUR einen FSB-geführten Terroranschlag auf einen russischen Oppositionsführer – laut Medien Achmed Zakajew – verhindert zu haben.
- Die DBR und die Generalstaatsanwaltschaft haben Voruntersuchungen eingeleitet; am 4. September wurden die direkt beteiligten SBU- und HUR-Mitarbeiter gegen persönliche Bürgschaft freigelassen.
- Präsident Selenskyj bezeichnete den Vorfall als „schändlich“ und forderte Personalentscheidungen sowie interne Untersuchungen in beiden Behörden.
Warum es wichtig ist
Der Vorfall offenbarte eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den beiden zentralen Sicherheits- und Nachrichtendiensten der Ukraine mitten im Krieg. Dass Präsident, Geheimdienstchefs und Parlamentarier öffentlich reagierten, zeigt, wie ernst die politische Sorge um die Abstimmung zwischen SBU und HUR ist. Zugleich wirft der Fall Fragen zur internen Kontrolle der Geheimdienste, zur Glaubwürdigkeit der Ermittlungen im Fall Kaplunow sowie zu laufenden Desinformationskampagnen gegen ukrainische Institutionen auf.
Was geschehen ist
In der Nacht zum 2. September 2026 kam es im Kiewer Stadtteil Bereznjaky zu einer Schießerei zwischen Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes (SBU) und des militärischen Nachrichtendienstes (HUR). Anlass war eine Durchsuchung in der Wohnung von Stepan Kaplunow, stellvertretender Kampfkommandeur des Russischen Freiwilligenkorps (RDK), der bereits am 1. September als vermisst gemeldet worden war. Nach Darstellung des SBU wurden seine Einsatzkräfte während der Durchsuchung von Angehörigen einer Einheit der ukrainischen Streitkräfte angegriffen; das Sondereinsatzkommando „Alpha“ wurde hinzugezogen und setzte Waffen ein, wobei es Verletzte gab. Kaplunow wurde später freigelassen. Der SBU erklärte, gemeinsam mit der HUR einen FSB-gesteuerten Terroranschlag auf einen russischen Oppositionsführer verhindert zu haben; Medien identifizierten die Zielperson als Achmed Zakajew, Chef der Exilregierung der Tschetschenischen Republik Itschkerien. Zugleich veröffentlichte der SBU am 3. September Videoaufnahmen und Screenshots, in denen Kaplunow angeblich Kontakte zur FSB und Aufträge zur Beseitigung ukrainischer Verteidigungskräfte einräumt. Kaplunow wies dies zurück und erklärte, seine Aussagen seien unter Druck erzwungen worden; er sei nach dem Vorfall von Kämpfern der HUR-Spezialeinheit „Tymur“ in Sicherheit gebracht worden. Sowohl die Staatliche Ermittlungsbehörde (DBR) als auch die Generalstaatsanwaltschaft leiteten Voruntersuchungen ein. Am 4. September wurden die direkt beteiligten SBU- und HUR-Mitarbeiter gegen persönliche Bürgschaft freigelassen. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Vorfall als „schändlich“ und forderte Personalentscheidungen sowie interne Untersuchungen. Der HUR-Chef Oleh Iwastschenko äußerte sich am 7. September in einem Interview mit Ukrinform und nannte die Schießerei „inakzeptabel“, wies Spekulationen über einen „Krieg der Geheimdienste“ zurück und betonte, dass die SBU und die HUR unterschiedliche Funktionen hätten, aber gegen einen gemeinsamen Feind arbeiteten.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen widersprechen sich in mehreren Punkten. Erstens ist die Identität der Zielperson des angeblichen FSB-Anschlags umstritten: Medien verknüpften den Fall anfangs mit Kaplunow, nannten später Achmed Zakajew, während der SBU Kaplunow selbst als mutmaßlichen Täter auf Order der FSB darstellt. Zweitens bestreitet Kaplunow die Zusammenarbeit mit der FSB und erklärt seine Geständnisse als unter Druck erzwungen, während der SBU Video- und Chat-Auszüge veröffentlicht, die seine Kontakte belegen sollen. Drittens widersprechen sich die Schilderungen des Ablaufs am 2. September: Der SBU spricht von einem Angriff auf seine Einsatzkräfte durch Angehörige einer Einheit der Streitkräfte, woraufhin „Alpha“ mit Waffeneinsatz reagierte; der Kommandeur der HUR-Einheit „Tymur“ spricht dagegen davon, der SBU habe „am helllichten Tag“ einen Kampfkommandeur der HUR „entführt“ und ohne Anklage festgehalten. Viertens divergieren die Angaben zum Datum der Entführung Kaplunows: teils wird der 23. August genannt, teils der 1. September.
Hintergrund
Am 1. September 2024 meldete das Russische Freiwilligenkorps (RDK) das Verschwinden seines stellvertretenden Kampfkommandeurs Stepan Kaplunow in Kiew. In der Nacht zum 2. September 2024 kam es im Stadtteil Bereznjaky während einer Durchsuchung in Kaplunows Wohnung zu einer Schießerei zwischen SBU und HUR. Der SBU erklärte daraufhin, gemeinsam mit der HUR einen FSB-geführten Terroranschlag auf einen russischen Oppositionsführer verhindert zu haben, der anlässlich des Unabhängigkeitstags in die Ukraine gereist war; Medien identifizierten die Zielperson später als Achmed Zakajew. Am 4. September wurden die unmittelbar beteiligten SBU- und HUR-Mitarbeiter gegen persönliche Bürgschaft freigelassen. Präsident Selenskyj nannte den Vorfall „schändlich“ und forderte Personalentscheidungen sowie interne Untersuchungen.