Sybiha fordert Sanktionen gegen Russland nach jedem Großschlag auf die Ukraine
Der ukrainische Außenminister Andriy Sybiha hat bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem polnischen Außenminister Radosław Sikorski in Kiew gefordert, westliche Partner sollten Russland nach jedem massiven Angriff auf die Ukraine mit einem neuen Sanktionspaket belegen – statt auf gebündelte große Pakete zu warten. Konkret nannte er ein „Anti-Ballistic Package“ und verwies auf westliche Komponenten in russischen Raketen und Drohnen. Der Aufruf fällt in eine Phase, in der die EU-Botschafter erneut keine Einigung über die Verlängerung der personenbezogenen Sanktionen erzielen konnten.
Das Wichtigste
- Gemeinsamer Auftritt von Außenminister Andriy Sybiha und Polens Außenminister Radosław Sikorski am 13. September 2026 in Kiew.
- Sybiha fordert, nach jedem massiven russischen Schlag ein eigenes Sanktionspaket zu verhängen.
- Er nennt konkret ein „Anti-Ballistic Package“ zur Beschränkung der russischen Raketen- und Drohnenproduktion.
- Sybiha sagt, Russland umgehe Sanktionen und nutze weiterhin Komponenten aus westlichen, auch europäischen Ländern.
- Die Ukraine hat nach eigenen Angaben Informationen über diese Komponenten an europäire Partner weitergegeben.
- EU-Botschafter konnten am Freitag erneut keine Einigung über die Verlängerung der personenbezogenen Russland-Sanktionen erzielen; die letzte Verlängerung war am 14. März.
- Die Slowakei habe bis zuletzt darauf gedrängt, die Oligarchen Michail Fridman und Alischer Usmanov von der Sanktionsliste zu streichen.
Warum es wichtig ist
Sybiha schlägt offen einen Strategiewechsel weg von periodischen EU-Sanktionsrunden hin zu einem schlagbezogenen Sanktionsrhythmus vor. Indem er gezielt Raketen- und Drohnenproduktion sowie westliche Komponenten darin benennt, macht er die Argumentation der Ukraine für künftige Sanktionsdebatten anschlussfähig. Der Vorschlag steht im Kontrast zur aktuellen Blockadelage im EU-Rat, wo die Slowakei die Streichung einzelner Oligarchen durchsetzen will.
Was geschehen ist
Am 13. September 2026 trat der ukrainische Außenminister Andriy Sybiha in Kiew gemeinsam mit dem polnischen Außenminister Radosław Sikorski vor die Presse. Sybiha forderte die westlichen Partner auf, Russland nach jedem massiven Schlag gegen die Ukraine mit einem neuen Sanktionspaket zu belegen, anstatt wie bisher auf große, gebündelte Pakete zu warten. Als konkretes Instrument nannte er ein „Anti-Ballistic Package“, das Russland die Fähigkeit zur Produktion ballistischer Raketen und Drohnen entziehen und den Zugang zu Militärtechnologien einschränken soll. Sybiha sagte zudem, Russland habe gelernt, Sanktionen zu umgehen, und verwende in Raketen und Drohnen weiterhin Komponenten aus westlichen Ländern, darunter europäischen. Die Ukraine habe entsprechende Informationen an europäische Partner übermittelt. Wenige Tage zuvor, am Freitag, war es den EU-Botschaftern erneut nicht gelungen, sich auf die Verlängerung der personenbezogenen Russland-Sanktionen zu einigen. Zwei Hauptstädte verlangten Änderungen an den Listen; nach übereinstimmenden Berichten drängte die Slowakei bis zuletzt darauf, die Oligarchen Michail Fridman und Alischer Usmanov von der Sanktionsliste zu streichen.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die beiden herangezogenen ukrainischen Quellen ziehen an einem Strang und folgen Sybihas Argumentationslinie. Eine Spannung besteht allerdings zwischen Sybihas Aufruf zu schnelleren, schlagbezogenen Sanktionen und der realen Sanktionslage in der EU: Dort konnten die Botschafter am Freitag erneut keine Einigung über die Verlängerung der personenbezogenen Sanktionen erzielen, und die Slowakei drängt darauf, namentlich Michail Fridman und Alischer Usmanov von der Liste zu nehmen.
Hintergrund
Die letzte EU-Runde personenbezogener Sanktionen gegen Russland wurde am 14. März 2026 verlängert. Im US-Kongress verabschiedete der Senat im August einen Gesetzentwurf zur Verschärfung der Russland-Sanktionen mit großer Mehrheit; für die kommende Woche ist die Abstimmung im Repräsentantenhaus vorgesehen. Die Ukraine hat nach eigenen Angaben Informationen über russische Verwendung westlicher Komponenten in Raketen und Drohnen an europäische Partner weitergegeben.