Russischer Drohnenangriff auf Vorortzug in Charkiwer Oblast – ein Toter, acht Verletzte
Am 18. September hat eine russische Drohne vom Typ Geran-4 einen elektrischen Vorortzug in der Charkiwer Oblast getroffen. Nach Angaben des ukrainischen Katastrophenschutzes wurde ein Mensch getötet und acht verletzt. Ukrzaliznytsia hatte die Bedrohung erkannt und eine Evakuierung angeordnet.
Das Wichtigste
- Angriff am 18. September nahe der Plattform Lypkuvativka in der Hromada Nowowodolaska, Rajon Charkiw, gegen 10:27 Uhr.
- Eingesetzt wurde eine reaktive Drohne vom Typ Geran-4 (Shahed-ähnlich).
- Ein 40-jähriger Mann wurde getötet; die endgültige Zahl der Verletzten liegt nach Angaben des Katastrophenschutzes DSNS bei acht Personen.
- Ein Brand brach in mindestens zwei Waggons des Zuges aus; die Feuerwehr löschte ihn.
- Die Überwachungsgruppe von Ukrzaliznytsia erkannte die Bedrohung und ordnete eine Evakuierung der Fahrgäste an – dennoch gab es Opfer.
- Zwei Verletzte erlitten schwere Wunden, weil sie während der Evakuierung den Sicherheitsabstand von 200 Metern zum Zug nicht einhielten.
- Einen Tag zuvor, am 17. September, hatte das ukrainische Kabinett neue Regeln für den Eisenbahnbetrieb je nach Luftlage verabschiedet.
Warum es wichtig ist
Der Treffer eines zivilen Vorortzuges durch eine Drohne im Hinterland der Charkiwer Oblast zeigt, dass Russland gezielt Fahrgastzüge ins Visier nimmt. Trotz frühzeitiger Evakuierungsanordnung durch Ukrzaliznytsia starb ein Mensch, mehrere wurden verletzt. Der Angriff erfolgte nur einen Tag, nachdem die ukrainische Regierung neue, an die Luftwarnstufen gekoppelte Regeln für den Eisenbahnverkehr beschlossen hatte – und wenige Tage nach einem Drohnentreffer auf den Kiew–Warschau-Zug bei Jahodyn am 13. September.
Was geschehen ist
Am 18. September um 10:27 Uhr schlug in der Nähe der Plattform Lypkuvativka in der Hromada Nowowodolaska im Rajon Charkiw eine reaktive Drohne vom Typ Geran-4 einen elektrischen Vorortzug. Die Überwachungsgruppe von Ukrzaliznytsia hatte die Bedrohung erkannt und eine Fahrgastevakuierung ausgelöst; zwei Menschen, die den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 200 Metern zum rollenden Material und zur Bahninfrastruktur nicht einhielten, wurden dennoch schwer verletzt. Durch den Einschlag gerieten mindestens zwei Waggons in Brand, die Feuerwehr löschte die Flammen. Der Leiter der Charkiwer Oblast-Verwaltung, Oleh Synjehubow, meldete den Tod eines 40-jährigen Mannes und sieben Verletzte; der staatliche Katastrophendienst DSNS korrigierte die Zahl der Verletzten später auf acht. Die Hromada Nowowodolaska schickte zwei Busse, um die Fahrgäste nach Nowa Wodolaha zu bringen.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ausschließlich ukrainischen Quellen benennen Russland als Urheber, identifizieren die Waffe als Geran-4-Reaktivdrohne und lokalisieren den Einschlag präzise bei der Plattform Lypkuvativka. Im Vordergrund stehen offizielle ukrainische Stellen – der Vorstandsvorsitzende von Ukrzaliznytsia Olexandr Perzowskyj, der Leiter der Hromada Nowowodolaska Olexandr Jesin, der Chef der Charkiwer Oblast-Verwaltung Oleh Synjehubow und der Katastrophendienst DSNS. Berichtet wird über den operativen Ablauf: Erkennung der Bedrohung, Anordnung der Evakuierung, Rettungs- und Versorgungseinsätze, Brandschutz und die ausdrückliche Sicherheitsempfehlung, bei fehlendem Schutz 200 Meter Abstand zu Waggons und Bahnanlagen einzuhalten. Hervorgehoben wird zudem der politische Kontext: die am 17. September vom Kabinett verabschiedeten neuen Regeln für den Eisenbahnbetrieb je nach Luftlage sowie der Drohnenangriff auf den Kiew–Warschau-Zug bei Jahodyn am 13. September.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Opferzahlen wurden im Tagesverlauf mehrfach nach oben korrigiert. Ukrzaliznytsia-Chef Olexandr Perzowskyj sprach zunächst von zwei Verletzten; der Leiter der Hromada Nowowodolaska, Olexandr Jesin, meldete um 11:30 Uhr fünf Verletzte; der Chef der Charkiwer Oblast-Verwaltung, Oleh Synjehubow, bezifferte die Opfer später auf einen Getöteten und sieben Verletzte; der Katastrophendienst DSNS nannte schließlich acht Verletzte.
Hintergrund
Am Tag vor dem Angriff hatte das ukrainische Kabinett unter Premierminister Serhij Korezkyj neue Regeln für den Betrieb von Eisenbahnen und Bahnhöfen je nach Luftwarnstufe verabschiedet – bei der höchsten Stufe „rot“ werden Ein- und Ausstieg ausgesetzt und Menschen müssen Schutzräume aufsuchen. Bereits am 13. September hatte eine russische Drohne einen Personenzug nahe dem Grenzübergang Jahodyn in der Oblast Wolyn getroffen; der Zug Kiew–Warschau blieb nach einer Evakuierung ohne Opfer. Nach einem Bericht des „Der Spiegel“ sollen sich zum Zeitpunkt des Angriffs europäische Politiker – darunter Boris Johnson, Mitarbeiter von Sicherheitsberatern, Bundestagsabgeordnete, Diplomaten und Wissenschaftler – an Bord befunden haben.