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Ukrainischer Getreideverband bittet Agrarministerium um Klärung angeblicher polnischer Lagerbeschränkungen für Transitgetreide

Marktteilnehmer des ukrainischen Getreidemarkts berichten, der polnische Zoll habe mündlich die Nutzung von Zolllagern für die vorübergehende Lagerung von ukrainischem Transitgetreide untersagt. Der Ukrainische Getreideverband (UZA) forderte das ukrainische Agrarministerium auf, die Information dringend zu prüfen und sich an die polnische Seite zu wenden. Das Ministerium erklärte, es kläre, ob es sich um eine systemische Beschränkung handelt und welche Anlagen davon betroffen sind.

Das Wichtigste

  • Am 8. September erhielten Marktteilnehmer von einem polnischen Bahnterminal und Transportunternehmen die Information, der polnische Zoll habe mündlich ein Verbot der Nutzung von Zolllagern und Silos für die vorübergehende Lagerung von Getreide ukrainischer Herkunft verhängt.
  • Es wurde kein offizielles schriftliches Dokument oder normativer Akt vorgelegt, der eine solche Beschränkung begründet.
  • Der Ukrainische Getreideverband (UZA) wandte sich an das ukrainische Agrarministerium mit der Bitte um dringende Überprüfung und – bei Bestätigung – um eine offizielle schriftliche Erklärung der polnischen Seite zu Rechtsgrundlage, Umfang und Dauer der Maßnahme.
  • Die zeitweilige Lagerung ist notwendiger Bestandteil des Schienentransits durch Polen, da ukrainisches Getreide in Breitspurwagen in europäische Normalspurwagen umgeladen werden muss; Zollager dienen als logistischer Puffer.
  • Die UZA warnt, ein de facto geltendes Verbot könnte die Exporte erheblich erschweren, Waggonstandzeiten verlängern, Grenzübergänge und Terminals überlasten, die Kapazität der polnischen Schieneninfrastruktur verringern und die Logistikkosten erhöhen.
  • Das ukrainische Agrarministerium erklärte, es prüfe die Lage und stelle fest, ob eine systemische Beschränkung vorliegt und welche konkreten Anlagen betroffen sind.
  • Nach einer polnischen Verordnung vom 15. September 2023 ist die Einfuhr bestimmter ukrainischer Agrargüter nach Polen verboten, während deren Transit durch polnisches Hoheitsgebiet erlaubt ist.

Warum es wichtig ist

Der Schienentransit durch Polen ist ein zentraler Landweg für ukrainische Agrarexporte, insbesondere angesichts russischer Angriffe auf Hafen- und Schieneninfrastruktur. Zolllager und Silos dienen als logistischer Puffer beim Umladen von Breitspur- auf europäische Normalspurwagen – eine Einschränkung ihrer Nutzung kann Staus an Grenzübergängen steigern, Waggonstandzeiten verlängern und die Logistikkosten erhöhen. Die offenbar nur mündlich kommunizierte Maßnahme schafft zudem rechtliche und operative Unsicherheit für ukrainische Exporteure, polnische Terminals, Spediteure und europäische Käufer.

Was geschehen ist

Am 8. September 2026 informierten ein polnisches Bahnterminal und Transportunternehmen ukrainische Marktteilnehmer darüber, der polnische Zoll habe mündlich ein Verbot der Nutzung von Zolllagern und Silos für die vorübergehende Lagerung von Getreide ukrainischer Herkunft verhängt. Ein offizielles schriftliches Dokument, das diese Beschränkung belegt, wurde nicht vorgelegt. Der Ukrainische Getreideverband (UZA) wandte sich daraufhin an das ukrainische Ministerium für Agrarpolitik und Ernährung mit der Bitte, die Information dringend zu prüfen und bei Bestätigung eine offizielle schriftliche Erklärung der polnischen Seite zu Rechtsgrundlage, Umfang und Dauer der Maßnahme einzuholen sowie die Frage gegenüber der polnischen Regierung und den zuständigen Behörden zu thematisieren. Das Ministerium erklärte, es kläre derzeit, ob eine systemische Beschränkung vorliegt und welche konkreten Anlagen betroffen sind, und stehe dabei sowohl mit ukrainischen Marktteilnehmern als auch mit der polnischen Seite in Kontakt. Hintergrund ist eine polnische Verordnung vom 15. September 2023, die die Einfuhr bestimmter ukrainischer Agrargüter nach Polen verbietet, ihren Transit durch polnisches Hoheitsgebiet jedoch erlaubt.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Quellen betonen die wirtschaftliche und strategische Bedrohung für die Agrarexporte und die Stabilität der westlichen Landexportkorridore in Kriegszeiten. Sie weisen besonders auf den intransparenten, offenbar nur mündlichen Charakter der polnischen Maßnahme hin, der für alle Beteiligten der Transitkette – ukrainische Exporteure, polnische Terminals, Spediteure und europäische Käufer – rechtliche und operative Unsicherheit schaffe. Agrarminister Taras Vysotsky erklärte, angesichts der systematischen russischen Angriffe auf Hafen- und Schieneninfrastruktur sei die Ukraine auf eine konstruktive Haltung der europäischen Partner angewiesen, um den Transit berechenbar zu halten.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen unterscheiden sich darin, wie sie den Status der polnischen Maßnahme einordnen: UZA und Marktteilnehmer sprechen von einem bereits eingeführten mündlichen Verbot durch den polnischen Zoll, für das kein schriftliches Dokument vorgelegt wurde. Das ukrainische Agrarministerium stellt demgegenüber fest, dass es noch prüfe, ob tatsächlich eine systemische Beschränkung besteht und welche konkreten Anlagen betroffen sind.

Hintergrund

Eine polnische Verordnung vom 15. September 2023 verbietet die Einfuhr bestimmter ukrainischer Agrargüter nach Polen, lässt deren Transit durch polnisches Hoheitsgebiet aber zu. Die Polnisch-Ukrainische Handelskammer wandte sich mit einem Änderungsvorschlag an den polnischen Finanz- und Wirtschaftsminister, um die vorübergehende Lagerung ukrainischen Getreides in polnischen Zolllagern unter Zollaufsicht zu ermöglichen, sofern das Getreide nicht in den freien Verkehr in Polen übergeht und nach der Lagerung im externen oder gemeinsamen Transitverfahren weitertransportiert wird. Nach Angaben der UZA könnte die ukrainische Getreideproduktion bereits 2027 um 12 Millionen Tonnen sinken, falls der Seeexport über die Häfen blockiert bleibt.