Ukrainische Drohnen liefern rund 4000 kg Lebensmittel ins besetzte Oleschky
Das ukrainische Militär hat nach Angaben des Chefs der Oblast-Militärverwaltung Cherson, Oleksandr Prokudin, rund 4000 kg Lebensmittel per Drohne über den Dnipro ins russisch besetzte Oleschky geliefert. Die Produkte wurden an 100 festgelegte Orten in der Stadt abgeworfen. Die Lieferung ist Teil einer systematischen Drohnenversorgung, die seit März 2026 läuft, während die Stadt nach Darstellung ukrainischer Stellen unter humanitärer Blockade steht.
Das Wichtigste
- Am 27. September 2026 meldete Oleksandr Prokudin die Lieferung von rund 4000 kg Lebensmitteln per Drohne ins besetzte Oleschky.
- Die Lieferung ging an 100 festgelegte Orte in der Stadt und gilt als eine der größten Aktionen dieser Art.
- Beteiligt waren der 30. Marinekorps, die taktische Gruppe „Hrim", die 34. separate Marineinfanteriebrigade „Borysfen", die Einheit „Bolharychi" der 11. Brigade der Nationalgarde, das 34. Regiment der Nationalgarde und der 79. Grenzschutztrupp.
- Die systematische Versorgung Oleschkys per Drohne über den Dnipro läuft bereits seit März 2026, zunächst mit der 11. NGU-Brigade und der 34. Marinebrigade „Borysfen".
- Prokudin wirft russischen Kräften vor, Lieferdrohnen abzuschießen, Lebensmittel für Kinder und ältere Menschen zu beschlagnahmen oder weiterzuverkaufen und Bewohner für den Empfang der Pakete festzunehmen und zu schlagen.
- Nach ukrainischen Angaben leben in Oleschky etwa 2000 Menschen (darunter rund 50 Kinder); andere Berichte sprechen von mehr als 6000 Menschen in Stadt und Umkreis.
- Außenminister Andrii Sybiha hatte die Lage am 23. September im UN-Sicherheitsrat angesprochen und humanitäre Korridore gefordert; der Allukrainische Rat der Kirchen hatte Papst Leo XIV. sowie UN und IKRK um Hilfe bei einer Evakuierung gebeten.
Warum es wichtig ist
Die Lieferung dokumentiert einen neuartigen drohnenbasierten humanitären Zugang zu einer besetzten Stadt, die nach ukrainischen Angaben unter Blockade leidet und in der Russland Hilfslieferungen behindern und Evakuierungen unmöglich machen soll. Sie steht beispielhaft für das Ausmaß der von ukrainischen Stellen beschriebenen Not – fehlende Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser, Strom und Medikamenten, während die Zivilbevölkerung die Stadt nicht verlassen kann. Durch die Befassung im UN-Sicherheitsrat gerät die Situation international unter Druck, humanitäre Korridore zu öffnen.
Was geschehen ist
Am 27. September 2026 gab der Leiter der Oblast-Militärverwaltung Cherson, Oleksandr Prokudin, bekannt, dass ukrainische Streitkräfte rund 4000 kg Lebensmittel per Drohne über den Dnipro ins russisch besetzte Oleschky geliefert haben. Die Sendung wurde an 100 festgelegten Orten in der Stadt abgeworfen. An der Aktion waren der 30. Marinekorps, die taktische Gruppe „Hrim", die 34. separate Marineinfanteriebrigade „Borysfen", die Einheit „Bolharychi" der 11. Brigade der Nationalgarde, das 34. Regiment der Nationalgarde und der 79. Grenzschutztrupp beteiligt. Es handelt sich um eine der größten Lieferungen einer systematischen Drohnenversorgung, die seit März 2026 – zunächst mit der 11. NGU-Brigade und der 34. Marinebrigade „Borysfen" – durchgeführt wird. Prokudin sagte, russische Kräfte schössen Lieferdrohnen ab, entzögen oder verkauften Lebensmittel für Kinder und ältere Menschen weiter und nähmen Bewohner fest, die humanitäre Pakete entgegennähmen. Die Lieferung erfolgte nach ukrainischer Darstellung, nachdem konventionelle Lebensmitteltransporte in das besetzte Gebiet seit Ende Mai 2026 ausgeblieben waren. Eingesetzt wurden Drohnen verschiedener Typen mit Traglasten von 10–20 kg bis zu 50 kg; zu den transportierten Produkten gehörten Brot, Mehl, Hefe, Konserven, Kekse, Brotstangen, Butter und Getreide, am beliebtesten war Pastete.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Quellen stellen die Oblast-Militärverwaltung Cherson mit Oleksandr Prokudin als zentrale Stimme sowohl zur Drohnenoperation als auch zur humanitären Lage dar. Sie betonen russische Behinderung: das Abschießen von Drohnen, das Beschlagnahmen oder Weiterverkaufen von Lebensmitteln und das Festnehmen oder Schlagen von Bewohnern, die Hilfsgüter empfangen. Hervorgehoben werden Appelle ukrainischer Amtsträger an den UN-Sicherheitsrat, an Papst Leo XIV. sowie an UN und IKRK zur Eröffnung humanitärer Korridore und zur Evakuierung. Die ukrainische Rahmung zieht die Analogie zum Holodomor 1932–1933 und wertet das russische Vorgehen als vorsätzlich erzeugte humanitäre Katastrophe.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Internationale Berichte stellen das breitere humanitäre Bild in den Vordergrund: eine besetzte Stadt am Rand einer Hungersnot, mit Blockade, verminten Außenbezirken und nicht funktionierendem Transport- und Bankensystem. Sie vermerken die diplomatische Eskalation der Ukraine in der UN und deren Aufrufe zu humanitären Korridoren. Angaben zur verbliebenen Zivilbevölkerung und zur Nahrungsmittelknappheit werden überwiegend neutral und beschreibend formuliert, ohne die Holodomor-Deutung zu übernehmen.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Angaben zur Zahl der in und um Oleschky verbliebenen Zivilpersonen widersprechen sich: Die Oblast-Militärverwaltung Cherson nennt rund 2000 Menschen, darunter etwa 50 Kinder; der Allukrainische Rat der Kirchen und andere Berichte gehen von mehr als 6000 Menschen aus, darunter etwa 200 Kinder. Der Zeitpunkt der letzten konventionellen Lebensmittellieferung vor der Drohnenoffensive wird teils als „Ende Mai 2026", teils als „26. Mai" angegeben; Bild berichtet, die Bewohner hätten den Sommer mit Gartengemüse überstanden, die Deutsche Welle schreibt von vier Monaten ohne Lebensmittelversorgung. Eine Faktformulierung nennt die transportierte Menge als „etwa 4000 Tonnen", während alle übrigen Quellen von 4000 kg (4 Tonnen) sprechen.
Hintergrund
Oleschky liegt am linken Ufer des Dnipro, der heute die Grenze zwischen dem ukrainisch kontrollierten und dem russisch besetzten Teil der Oblast Cherson bildet. Die Stadt wurde in den ersten Tagen der russischen Vollinvasion im Februar 2022 besetzt. Die systematische Versorgung Oleschkys per Drohne über den Dnipro läuft seit März 2026. Außenminister Andrii Sybiha verglich die Lage mit dem Holodomor von 1932–1933 und erklärte, Hunger sei damals wie heute Moskaus Waffe.