Kommissar des Europarats fordert Waffenstillstand und Evakuierung für belagertes Oleschky
Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O'Flaherty, hat angesichts der sich rapide verschlechternden humanitären Lage in der besetzten Stadt Oleschky in der Oblast Cherson einen sofortigen lokalen Waffenstillstand, ungehinderten Zugang für Hilfsorganisationen und die sichere Evakuierung der Zivilbevölkerung gefordert. Seit dem 26. Mai ist nach Angaben ukrainischer Quellen keine offizielle Lebensmittellieferung mehr in der Stadt angekommen; Bewohner, darunter Kinder und ältere Menschen, hungern.
Das Wichtigste
- O'Flaherty forderte am 25. September einen sofortigen lokalen Waffenstillstand, ungehinderten humanitären Zugang und die sichere Evakuierung der Zivilbevölkerung aus Oleschky.
- Als Besatzungsmacht sei Russland gemäß der IV. Genfer Konvention verpflichtet, die Bevölkerung mit Lebensmitteln und medizinischer Versorgung zu versorgen.
- Die letzte offizielle Lebensmittellieferung in die Stadt erfolgte am 26. Mai; seither seien alle Lieferversuche gescheitert.
- Russische Kräfte beschießen Hilfsfahrzeuge mit Drohnen oder weisen sie an Kontrollpunkten zurück; die einzige Zufahrtsstraße ist vermint und wird von Drohnen überwacht.
- Berichten zufolge gibt es Fälle, in denen Familien aus Mangel an Nahrung Hunde essen; russische Soldaten plündern Bewohner aus.
- Von den rund 24.000 Bewohnern vor der Invasion sind nach Schätzungen der Leiterin der Militärverwaltung, Tetiana Hasanenko, noch etwa 2.000 in der Stadt, darunter 47 Kinder; der ukrainische Ombudsmann Dmytro Lubinets spricht von über 6.000 Menschen in der weiteren Umgebung.
- Am 20. September wandte sich der Allukrainische Rat der Kirchen und religiösen Organisationen an Papst Leo XIV. mit der Bitte, die Evakuierung der Bewohner zu ermöglichen.
Warum es wichtig ist
In einer europäischen Stadt, die seit 2022 unter russischer Besatzung steht, hungern Zivilisten, darunter Kinder und alte Menschen. Die einzige Zufahrtsstraße ist vermint und wird von russischen Drohnen überwacht, sodass humanitäre Lieferungen und Evakuierungen blockiert werden. Der Menschenrechtskommissar des Europarats hat Russland öffentlich als Besatzungsmacht gemäß der IV. Genfer Konvention benannt und zur Verantwortung gezogen. Mit dem nahenden Winter wird der derzeitige Fluchtweg über verminte Felder unmöglich, während religiöse und internationale Stellen bereits um Hilfe bei der Evakuierung gebeten wurden.
Was geschehen ist
Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O'Flaherty, hat am 25. September seine Besorgnis über die sich rapide verschlechternde humanitäre Lage in der besetzten Stadt Oleschky in der Oblast Cherson geäußert. Er erklärte, Zivilisten, darunter Kinder, seien ohne ausreichend Nahrung, Medizin, medizinische Versorgung, Wasser und Strom eingeschlossen. O'Flaherty verwies auf die IV. Genfer Konvention und stellte fest, dass Russland als Besatzungsmacht verpflichtet sei, die Bevölkerung mit Lebensmitteln und medizinischen Gütern zu versorgen sowie die Lieferung humanitärer Hilfe zu ermöglichen. Er forderte einen sofortigen lokalen Waffenstillstand in der Gegend um Oleschky, ungehinderten humanitären Zugang und die sichere Evakuierung der Zivilbevölkerung. Ukrainische Quellen berichten, dass die letzte offizielle Lebensmittellieferung am 26. Mai erfolgte und seither alle Versuche, Hilfsgüter in die Stadt zu bringen, gescheitert seien. Russische Kräfte beschießen Hilfsfahrzeuge mit Drohnen oder weisen sie an Kontrollpunkten zurück. Berichten zufolge gibt es Fälle, in denen Familien aus Mangel an Nahrung Hunde essen, und russische Soldaten plündern Bewohner aus. Nach Schätzungen der Leiterin der Militärverwaltung, Tetiana Hasanenko, leben noch etwa 2.000 Menschen in der Stadt, darunter 47 Kinder; der ukrainische Ombudsmann Dmytro Lubinets spricht von über 6.000 Menschen in der weiteren Umgebung, darunter rund 200 Kinder.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Quellen stellen Tetiana Hasanenko, die Leiterin der Militärverwaltung von Oleschky, als zentrale Stimme zur Dokumentation der Lage in den Vordergrund und verweisen auf ihre Schätzung von rund 2.000 verbliebenen Bewohnern, darunter 47 Kinder. Hervorgehoben werden Appelle des ukrainischen Ombudsmanns Dmytro Lubinets sowie des Allukrainischen Rats der Kirchen und religiösen Organisationen, der sich am 20. September an Papst Leo XIV., die Vereinten Nationen und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz wandte. Ukrainische Medien berichten zudem unter Berufung auf das Zentrum für nationalen Widerstand, Russland nutze die humanitäre Katastrophe für Propaganda und beschuldige die ukrainischen Streitkräfte, die Lieferung von Hilfsgütern zu verhindern. hromadske hatte bereits im April über die humanitäre Krise und den Hunger in Oleschky berichtet; die jetzige Lage wird als langjährige, nun eskalierende Krise beschrieben. Persönliche Zeugnisse wie der Facebook-Beitrag von Alla Likhman-Malysch vom 1. September schildern Panik, suizidale Gedanken und erschöpfte Gemüsegärten.
Wie internationale Quellen darüber berichten
International steht Michael O'Flaherty, der Menschenrechtskommissar des Europarats, im Mittelpunkt: Er fordert einen sofortigen lokalen Waffenstillstand und die sichere Evakuierung der Zivilbevölkerung und verweist ausdrücklich auf die IV. Genfer Konvention, die Russland als Besatzungsmacht in die Pflicht nimmt. Die deutsche Zeitung Bild hatte bereits am 16. September über die humanitäre Blockade Oleschkys und den Hunger in der Stadt berichtet. Eine Petition des Allukrainischen Rats der Kirchen und religiösen Organisationen an Papst Leo XIV. vom 20. September wird als religiös-internationaler Hilferuf für die Evakuierung präsentiert.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Schätzungen zur Zahl der in Oleschky verbliebenen Zivilisten gehen weit auseinander: Tetiana Hasanenko, Leiterin der Militärverwaltung, spricht von rund 2.000 verbliebenen Bewohnern in der Stadt mit 47 Kindern; der ukrainische Ombudsmann Dmytro Lubinets nennt über 6.000 Menschen in der weiteren Umgebung, darunter rund 200 Kinder (in einer weiteren Angabe 182 Kinder); der Menschenrechtskommissar des Europarats schätzt die Zahl auf 2.000 bis 4.000 verbliebene Personen. Daneben stehen sich zwei Darstellungen gegenüber: Während ukrainische Quellen berichten, russische Kräfte blockierten humanitäre Hilfe, behauptet russische Propaganda, wie vom ukrainischen Zentrum für nationalen Widerstand zitiert, die ukrainischen Streitkräfte verhinderten die Lieferung von Hilfsgütern.
Hintergrund
Oleschky steht seit dem ersten Tag der russischen Vollinvasion im Jahr 2022 unter russischer Besatzung. Nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms am 6. Juni 2023 fielen in der Stadt die zentrale Wasserversorgung, der Strom und das Gas aus. Vor der Invasion zählte die Gemeinde Oleschky, bestehend aus der Stadt und zwölf weiteren Siedlungen, rund 40.000 Einwohner, die Stadt selbst etwa 24.000. Fünf Siedlungen der Gemeinde sind vollständig zerstört, drei weitere zu rund 80 Prozent. In früheren Phasen des Jahres 2025 hatten bezahlte Fahrer Menschen aus Oleschky herausgebracht; diese Kanäle existieren nicht mehr.