Ukrainische Behörden und EU fordern humanitären Korridor für eingeschlossene Bewohner von Oleschky
Am 3. Oktober 2026 verbreiteten sich Online-Meldungen, wonach Dutzende Bewohner des besetzten Oleschky in der Oblast Cherson versuchten, mit Fahrrädern, Mopeds und zu Fuß aus der Stadt zu fliehen. Der ukrainische Ombudsmann Dmytro Lubinets und die EU-Kommission werfen Russland vor, einen humanitären Evakuierungskorridor zu blockieren und die rund 2.000 verbliebenen Zivilisten – darunter fast 50 Kinder – ohne Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung festzuhalten.
Das Wichtigste
- Am 3. Oktober 2026 kursierten Berichte und Videos, denen zufolge Dutzende Menschen das besetzte Oleschky per Fahrrad, Moped oder zu Fuß verließen – bislang von keiner offiziellen Stelle bestätigt oder widerlegt.
- Der ukrainische Ombudsmann Dmytro Lubinets erklärte, Russland blockiere eine organisierte Evakuierung über einen humanitären Korridor und lasse den Bewohnern nur die Wahl: bleiben und verhungern oder gehen und auf eine Mine treten.
- Lubinets bezeichnete das russische Vorgehen als Genozid und als schweren Verstoß gegen die Vierte Genfer Konvention.
- Die Ukraine hat Russland nach eigenen Angaben sichere Routen, eine Waffenruhe und die Einbindung des IKRK als dritte Partei vorgeschlagen; Russland habe alle Vorschläge abgelehnt.
- Die EU-Kommission und die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib, forderten Russland auf, humanitären Zugang zu gewähren und die Zivilbevölkerung aus Oleschky ausreisen zu lassen.
- Nach Angaben des Leiters der Militärverwaltung der Oblast Cherson, Oleksandr Prokudin, werden rund 2.000 Menschen – darunter fast 50 Kinder – in Oleschky festgehalten, ohne Nahrung, Strom und Wasser.
- Die UN-Mission zur Überwachung der Menschenrechte in der Ukraine stellte fest, dass seit dem 26. Mai keine Lebensmittellieferungen Oleschky erreicht haben.
Warum es wichtig ist
In Oleschky spitzt sich eine humanitäre Krise in einem von Russland besetzten Ort zu: Rund 2.000 Zivilisten, darunter fast 50 Kinder, sind nach offiziellen ukrainischen Angaben ohne verlässliche Versorgung mit Nahrung, Wasser und Medikamenten. Dass Russland einem humanitären Korridor und der Beteiligung des IKRK nicht zustimmt, wirft Fragen zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts durch eine Besatzungsmacht auf. Die EU hat die Forderung nach freiem Abzug der Zivilbevölkerung auf diplomatischer Ebene aufgegriffen.
Was geschehen ist
Am Samstag, dem 3. Oktober 2026, verbreiteten sich über Messenger-Dienste und soziale Netzwerke Berichte und Videoaufnahmen, die zeigen sollen, wie Dutzende Menschen in Oleschky auf Fahrrädern, Mopeds und zu Fuß in Richtung Stadtgrenze unterwegs sind. Offizielle ukrainische Stellen oder Institutionen haben diese Berichte bislang weder bestätigt noch widerlegt. Der ukrainische Parlamentsbeauftragte für Menschenrechte, Dmytro Lubinets, veröffentlichte eigenes Videomaterial und erklärte, die Menschen verließen Oleschky ohne ordnungsgemäße Transportmittel, ohne sichere Route und ohne jede Garantie, ihr Ziel zu erreichen. Lubinets sagte, Russland blockiere eine Evakuierung über einen humanitären Korridor; die Ukraine habe sichere Routen, eine Waffenruhe und die Einbindung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) als dritte Partei vorgeschlagen, doch Russland habe alle Vorschläge abgelehnt. Er bezeichnete das russische Vorgehen als Genozid und als schweren Verstoß gegen die Vierte Genfer Konvention. Parallel forderte die EU-Kommission Russland auf, humanitären Zugang zu Oleschky zu gewähren und Zivilisten ausreisen zu lassen. EU-Kommissarin Hadja Lahbib erklärte, die Bewohner seien von russischen Kräften belagert und ohne Zugang zu Nahrung, Medikamenten, sauberem Wasser und medizinischer Grundversorgung; Russland habe als Besatzungsmacht klare Pflichten nach dem humanitären Völkerrecht.
Wo die Berichte auseinandergehen
Einige Telegram-Kanäle berichteten, rund hundert Bewohner von Oleschky seien in das russisch kontrollierte Radensk gefahren, um Lebensmittel zu kaufen, und anschließend zurückgekehrt. Die tatsächliche Richtung und das Ziel der Radfahrer auf den verbreiteten Videoaufnahmen sind dagegen von keiner offiziellen Stelle bestätigt worden.
Hintergrund
Oleschky in der Oblast Cherson liegt im von Russland besetzten Teil des linken Cherson-Ufergebiets. Nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms am 6. Juni 2023 wurden weite Teile der Region überflutet. Nach Angaben des Leiters der Militärverwaltung der Oblast Cherson, Oleksandr Prokudin, werden in der Stadt rund 2.000 Menschen festgehalten, darunter fast 50 Kinder, ohne Nahrung, Strom und Wasser. Die UN-Mission zur Überwachung der Menschenrechte in der Ukraine erklärte, seit dem 26. Mai hätten keine Lebensmittellieferungen Oleschky erreicht. Ukrainische Drohnen haben nach Militärangaben kürzlich 4.000 kg Lebensmittel in die Stadt gebracht, die russischen Kräften jedoch wieder abgenommen wurden; Bewohner, die daran gekommen seien, seien in Keller gesperrt worden. Der Allukrainische Rat der Kirchen und religiösen Organisationen hat sich an den Papst, die Vereinten Nationen und das IKRK gewandt, um eine Evakuierung der Bewohner in das von der Ukraine kontrollierte Gebiet zu ermöglichen.