Ukraine wirft Russland humanitäre Katastrophe in besetztem Oleschky vor
Die Ukraine hat Russland aufgefordert, die Kampfhandlungen im Gebiet des besetzten Oleschky in der Oblast Cherson vorübergehend einzustellen, um Zivilisten zu evakuieren. Russland lehnte ab. Nach ukrainischen Angaben hat es seit dem 26. Mai keine Hilfslieferungen in die Stadt gegeben, etwa 6.000 Zivilisten, darunter rund 200 Kinder, sind dort eingeschlossen.
Das Wichtigste
- Ukraine schlug Russland eine befristete Waffenruhe in Oleschky zur Evakuierung vor; Russland lehnte ab.
- Nach Angaben von Dmytro Lubinets leben rund 6.000 Zivilisten in Oleschky und fünf Nachbarorten, darunter etwa 200 ukrainische Kinder.
- Letzte Lebensmittellieferungen erreichten das besetzte Oleschky am 26. Mai; die UN-Mission bestätigt, dass danach keine Lieferungen ankamen.
- Außenminister Andrij Sybiha erklärt, die Bewohner seien gezwungen, Gras und Unkraut zu essen; Medikamente, sauberes Wasser und Strom fehlen.
- Medikamente und medizinische Hilfe werden laut Sybiha immer knapper; Kinder sind betroffen.
- Lubinets zufolge könnte eine Evakuierung über einen Landkorridor innerhalb eines Tages erfolgen.
- Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O'Flaherty, forderte eine sofortige lokale Waffenruhe und ungehinderten humanitären Zugang.
Warum es wichtig ist
Im besetzten Oleschky fehlt es nach offiziellen Angaben seit Monaten an Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten, Bewohner sollen bereits an Hunger sterben. Die Weigerung Russlands, einer befristeten Waffenruhe für die Evakuierung zuzustimmen, blockiert den einzigen als sicher geltenden Ausweg und macht das Schicksal von Tausenden Zivilisten unmittelbar abhängig vom Zugang für internationale Helfer.
Was geschehen ist
Die ukrainische Regierung hat Russland vorgeschlagen, die Kampfhandlungen im Raum des besetzten Oleschky in der Oblast Cherson für eine Evakuierung der Zivilbevölkerung vorübergehend einzustellen. Moskau lehnte ab. Nach Angaben des ukrainischen Ombudsmanns Dmytro Lubinets leben rund 6.000 Menschen, darunter etwa 200 Kinder, in der Stadt und fünf umliegenden Siedlungen. Die letzten Lebensmittellieferungen erreichten Oleschky am 26. Mai; die UN-Menschenrechtsbeobachtungsmission bestätigt, dass danach keine Lieferungen mehr ankamen. Außenminister Andrij Sybiha erklärte, die Bewohner seien gezwungen, Gras und Unkraut zu essen, während Medikamente, sauberes Wasser und Strom knapp würden. Lubinets zufolge könnte eine Evakuierung über einen Landkorridor innerhalb eines Tages durchgeführt werden, doch wer eigenständig zu fliehen versuche, werde getötet, festgenommen oder auf verminten Feldern in die Luft gesprengt. Sybiha rief die UN, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und weitere internationale Akteure zu sofortigem humanitärem Zugang auf. Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O'Flaherty, schloss sich der Forderung nach sofortiger Waffenruhe und Evakuierung an.
Wo die Berichte auseinandergehen
Berichte über Fälle, in denen Bewohner von Oleschky Hunde essen, stammen aus Quellen, die mit der Militärverwaltung verbunden sind, sowie aus Teilen der Medien. Dagegen erklärten Bewohner, die der Journalist Oleh Baturin befragte, sie hätten nichts von solchen Fällen gehört; auch über Ratten als Nahrung konnten sie keine Angaben machen. Baturin wies darauf hin, dass die Bewohner wegen fehlender Kommunikation, zerstörter Infrastruktur, verminter Straßen und Luftgefahr möglicherweise nicht wissen, was in anderen Teilen der Stadt geschieht.
Hintergrund
Oleschky liegt in der Oblast Cherson auf von Russland besetztem Gebiet. Am 19. September erklärte der Allukrainische Rat der Kirchen und religiösen Organisationen, die Stadt stehe am Rand einer humanitären Katastrophe, und wandte sich an Papst Leo XIV. mit der Bitte um Hilfe. Die deutsche Zeitung Bild berichtete bereits am 16. September, Oleschky befinde sich unter einer humanitären Blockade; die Bewohner hätten den Sommer über von Gartenernten gelebt.