Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Datencenter „Parkowy" in Kiew stellt Betrieb dauerhaft ein

Das Kiewer Datencenter „Parkowy" hat am 1. Oktober seinen Betrieb vollständig eingestellt, nachdem es durch mehrere russische Angriffe im September kritisch beschädigt worden war. Eine Wiederherstellung vor Ort erklärte der Betreiber für unmöglich; Kundendaten wurden auf Backup-Standorte in EU-Länder verlagert.

Das Wichtigste

  • Das Datencenter „Parkowy" im Kiewer Kongress- und Ausstellungszentrum „Parkowy" stellte am 1. Oktober 2026 den Betrieb vollständig ein.
  • Der Betreiber erklärte, eine Wiederherstellung der Dienste am Standort sei unmöglich.
  • Kundendaten wurden auf Backup-Standorte in EU-Ländern verlagert.
  • Mitarbeiter des Datencenters wurden bei den Angriffen nicht verletzt.
  • Russische Drohnen griffen das Gebäude am 23. September an; am 25. September folgte eine erneute Attacke, am 29. September ein weiterer Schlag.
  • Vom 23. bis 28. September beschädigten russische Angriffe mindestens sechs Kiewer Datencenter, darunter MiroHost, Parkowy, Data Group, UTELS und Pavutyma, sowie Objekte von Kyivstar und Ukrtelekom.
  • Die russische Verteidigungsbehörde bezeichnete die Angriffe öffentlich als „digitalen Detox"; „Reporter ohne Grenzen" (RSF) verurteilte sie als Kriegsverbrechen.

Warum es wichtig ist

Die endgültige Schließung von „Parkowy" beseitigt ein großes Kiewer Datencenter ohne Aussicht auf eine Wiederherstellung am Standort und ist Teil einer russischen Angriffswelle Ende September, die mindestens sechs Kiewer Datencenter sowie Einrichtungen von Kyivstar und Ukrtelecom traf. Die Verlagerung der Kundendaten auf EU-Backups veranschaulicht die fortschreitende Auslagerung ukrainischer digitaler Infrastruktur ins Ausland. Die Angriffe unterbrachen Fernsehübertragungen und den Internetzugang für rund 100.000 Haushalte in Kiew und der Region; „Reporter ohne Grenzen" verurteilte sie als Kriegsverbrechen, während das russische Verteidigungsministerium sie als „digitalen Detox" bezeichnete.

Was geschehen ist

Am 1. Oktober 2026 gab das Datencenter „Parkowy" über seine Facebook-Seite die vollständige Einstellung des Betriebs bekannt. Das Center, das im Kongress- und Ausstellungszentrum „Parkowy" im Zentrum von Kiew untergebracht ist, hatte durch mehrere russische Angriffe im September kritische Schäden erlitten. Am 23. September trafen russische Drohnen das Gebäude; am 25. September kündigte die Verwaltung eine vorübergehende Betriebsunterbrechung an, und am 29. September verursachte ein erneuter Angriff weitere Zerstörungen. Der Betreiber erklärte, eine Wiederherstellung der Dienste am Standort sei unmöglich; Kundendaten seien auf Backup-Standorte in EU-Länder verlagert worden. Verletzt wurde nach Angaben des Unternehmens niemand. Im selben Zeitraum vom 23. bis 28. September beschädigten russische Angriffe mindestens sechs Kiewer Datencenter – MiroHost, Parkowy, Data Group, UTELS und Pavutyma – sowie Objekte von Kyivstar und Ukrtelecom. Auch das Datencenter des Unternehmens Cosmonova in Kiew wurde am 25. und 26. September angegriffen; Cosmonova erklärte, das Kiewer Gebäude sei zerstört. Die ukrainische Regierung wies aus dem Reservefonds 518,3 Millionen Hrywnja zur Stärkung der Backup-Informationssysteme staatlicher Organe zu. Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte verstärkten Schutz für Datencenter und andere kritische Kommunikationsinfrastruktur an, und Ministerpräsident Serhij Korezkyj erklärte, entsprechende Schutzlösungen seien bereits in Umsetzung. Fernsehsender wie Novyny.Live, Pryamyj, Armija TV, Suspilne und Kyiv24 meldeten technische Probleme; rund 100.000 Haushalte in Kiew und der Region waren zeitweise ohne Internet.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Alle vorliegenden Quellen sind ukrainisch und führen die Schäden einheitlich auf russische Angriffe zurück. Sie verwenden Formulierungen wie „nach feindlichen Angriffen", „nach russischen Schlägen" und „aufgrund kritischer Schäden infolge von Beschuss durch die Russische Föderation". Die Berichterstattung konzentriert sich auf innereukrainische Folgen: die Verlagerung von Kundendaten auf EU-Backups, die Regierungszuweisung von 518,3 Millionen Hrywnja, die Erklärungen Selenskyjs und des Ministerpräsidenten zum Schutz kritischer Infrastruktur sowie die politische Symbolik des Veranstaltungsorts „Parkowy", an dem die Partei „Diener des Volkes" häufig Veranstaltungen abhielt. Hervorgehoben werden zudem die menschlichen und medialen Folgen – keine verletzten Datencenter-Mitarbeiter, aber technische Probleme bei mehreren Fernsehsendern und rund 100.000 Haushalte ohne Internet.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Die „Reporter ohne Grenzen" (RSF) verurteilten die gezielten Angriffe auf Kiewer Datencenter und Telekommunikationsinfrastruktur als Kriegsverbrechen und als Bedrohung für den Zugang zu verlässlichen Informationen. Demgegenüber bezeichnete das russische Verteidigungsministerium die Angriffe öffentlich als „digitalen Detox" und veröffentlichte ein Bild einer Shahed-Drohne mit der Aufschrift „Digital detox in forced mode". Darüber hinaus sind in den vorliegenden Quellen keine nicht-ukrainischen Medien vertreten, sodass ein direkter Vergleich internationaler Rahmungen jenseits der genannten RSF-Erklärung nicht möglich ist.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Bewertung der Angriffe durch das russische Verteidigungsministerium und durch „Reporter ohne Grenzen" steht in direktem Widerspruch: Russland sprach von einem „digitalen Detox", RSF von Kriegsverbrechen. Darüber hinaus fassen verschiedene Quellen die Mitteilung vom 25. September unterschiedlich auf – teils als vorübergehende Betriebsunterbrechung, die später dauerhaft wurde, teils als entscheidendere Stilllegung; eine der vorliegenden Angaben enthält zudem den offenbaren Tippfehler „тимчаваре" statt „тимчасове".

Hintergrund

Das Datencenter „Parkowy" befindet sich im Kongress- und Ausstellungszentrum „Parkowy" im Zentrum von Kiew, das von der Partei „Diener des Volkes" häufig für Veranstaltungen genutzt wurde. Bereits eine Woche vor den Angriffen Ende September hatte „Parkowy" Optionen zur Migration von IT-Systemen in die Cloud sowie zu Backup-Standorten in der EU geprüft, während die Produktionsumgebung in der Ukraine bleiben sollte. Die ukrainische Regierung wies 518,3 Millionen Hrywnja aus dem Reservefonds zur Stärkung der Backup-Informationssysteme staatlicher Organe zu. Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte zusätzliche Maßnahmen zum Schutz von Datencentern und anderer kritisch wichtiger Kommunikationsinfrastruktur an. Ministerpräsident Serhij Korezkyj erklärte, die Ukraine verfüge bereits über eine Reihe von Lösungen zum Schutz der Internet- und Kommunikationsinfrastruktur und setze diese um.