Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Raketenangriff auf Charkiwer Vorort Pissotschyn – drei Tote, Dutzende Verletzte

Am Abend des 11. Oktober haben russische Streitkräfte den Vorort Pissotschyn im Rajon Charkiw mit einer Rakete angegriffen. Drei Menschen kamen ums Leben, darunter ein Jugendlicher, und Dutzende wurden verletzt, darunter Kinder. Der Einschlag erfolgte in einem dicht besiedelten Wohngebiet in der Nähe von Hochhäusern und Lebensmittelgeschäften. Wegen des Vorfalls wurde eine Voruntersuchung wegen Kriegsverbrechen eingeleitet.

Das Wichtigste

  • Angriff am 11. Oktober gegen 19:25 Uhr auf die Siedlung Pissotschyn im Rajon Charkiw.
  • Drei Tote: eine 19-jährige Frau, eine 51-jährige Frau und ein 16-jähriger Junge.
  • Laut Kharkiwer Regionalstaatsanwaltschaft wurde eine Rakete vom Typ „Banderol“ eingesetzt.
  • Bis zu 21 Verletzte, darunter zwei Kinder; später wurde die Zahl der Verletzten mit 20 angegeben.
  • Beschädigt wurden zwei mehrstöckige Wohnhäuser, ein Privathaus und fünf Fahrzeuge; ein Brand brach aus.
  • Voruntersuchung wegen Kriegsverbrechen nach Artikel 438 des ukrainischen Strafgesetzbuchs wurde eröffnet.
  • Angriff erfolgte am selben Tag, an dem US-Präsident Donald Trump einen Energie-Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland verkündete.

Warum es wichtig ist

Der Angriff tötete drei Zivilisten, darunter einen Teenager, und verletzte Dutzende, darunter zwei Kinder, in einem dicht besiedelten Wohngebiet. Er wirft Fragen zur Glaubwürdigkeit des am selben Tag angekündigten Energie-Waffenstillstands zwischen der Ukraine und Russland auf, da Präsident Selenskyj zufolge am Abend auch das Wärmekraftwerk TEC-5 in Charkiw getroffen wurde. Eine Voruntersuchung wegen Kriegsverbrechen wurde eingeleitet, was die ukrainische Justiz mit der Einordnung des Vorfalls als möglichen Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht beauftragt.

Was geschehen ist

Am Abend des 11. Oktober schlugen russische Streitkräfte nach Angaben der ukrainischen Behörden gegen 19:25 Uhr den Vorort Pissotschyn im Rajon Charkiw mit einer Rakete. Der Einschlag erfolgte in einem dicht besiedelten Wohngebiet in der Nähe von mehrstöckigen Wohnhäusern und Lebensmittelgeschäften. Drei Menschen kamen ums Leben: eine 19-jährige Frau, eine 51-jährige Frau und ein 16-jähriger Junge. Die Zahl der Verletzten wurde im Lauf der Berichterstattung unterschiedlich angegeben; ukrainische Stellen nannten zuletzt 21 Verletzte, darunter zwei Kinder, von denen ein 13-jähriges Mädchen eine akute Stressreaktion erlitt und ein 8-jähriges Mädchen mit einer Explosionsverletzung ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Nach Angaben der Charkiwer Regionalstaatsanwaltschaft kam eine Rakete vom Typ „Banderol“ zum Einsatz. Durch den Einschlag wurden zwei mehrstöckige Wohnhäuser, ein Privathaus und fünf Fahrzeuge beschädigt; ein Brand brach aus, der inzwischen gelöscht wurde. Rettungsdienste arbeiteten am Ort des Geschehens im verstärkten Modus. Die regionale Staatsanwaltschaft leitete unter Aufsicht der Staatsanwaltschaft eine Voruntersuchung wegen Kriegsverbrechen nach Artikel 438 des ukrainischen Strafgesetzbuchs ein. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in seiner Abendansprache, Russland habe am Abend des 11. Oktober das Wärmekraftwerk TEC-5 in Charkiw getroffen; der Angriff auf Pissotschyn erfolgte am selben Tag, an dem US-Präsident Donald Trump einen Energie-Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland verkündete. Zudem meldete die Gebietsverwaltung Charkiw bereits am selben Tag Angriffe auf den Nemyschljanskyj- und den Kyjiwskyj-Rajon der Stadt.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Quellen schreiben den Angriff unmittelbar russischen Streitkräften zu und betonen, dass er ein ziviles Wohngebiet sowie ein Lebensmittelgeschäft getroffen habe. Sie rücken offizielle ukrainische Stimmen in den Mittelpunkt – den Leiter der Charkiwer Oblast-Militärverwaltung Oleh Syniehubow, die regionale Staatsanwaltschaft und Präsident Selenskyj – und verweisen ausdrücklich auf die Eröffnung einer Voruntersuchung wegen Kriegsverbrechen nach Artikel 438. Die Berichte verknüpfen den Angriff auf Pissotschyn und den Einschlag beim TEC-5 zeitlich mit der Ankündigung des Energie-Waffenstillstands durch Trump und deuten dies als Widerspruch zu dieser Erklärung. Genannt werden zudem einzelne Opfer, darunter Kinder, sowie Schäden an Wohnhäusern, einem Privathaus und Fahrzeugen, um die zivilen Auswirkungen sichtbar zu machen.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen weichen bei der Zahl der Verletzten deutlich voneinander ab: je nach Zeitpunkt der Berichterstattung werden 6, 7, 9, 20, 21, 22 oder 25 Verletzte genannt. Darüber hinaus ist uneinheitlich, ob der Einschlag bei Pissotschyn ein Lebensmittelgeschäft oder eine Energieanlage getroffen hat – einige ukrainische Quellen verorten das Einschlagsziel beim Geschäft, andere Berichte sprechen von einem Energieobjekt. Beim Raketentyp verweisen die meisten Stellen auf eine „Banderol“-Rakete; eine Quelle beschreibt die Munitionsbezeichnung stattdessen mit einer Umschreibung, die eher „Paket“ bedeutet und sich damit nicht eindeutig einem Raketentyp zuordnen lässt.

Hintergrund

Bereits am selben Tag schlugen russische Streitkräfte nach Angaben der Charkiwer Behörden den Nemyschljanskyj- und den Kyjiwskyj-Rajon der Stadt Charkiw; bei einem dieser Angriffe wurde ein Mensch getötet und neun verletzt, die folgende Brandentwicklung wurde gelöscht. Nach Angaben der Charkiwer Regionalstaatsanwaltschaft wurde beim Angriff auf Pissotschyn eine Rakete vom Typ „Banderol“ eingesetzt. Präsident Selenskyj erklärte, in der betreffenden Woche habe Russland mehr als 200 Angriffe auf Anlagen zur Stromerzeugung und -übertragung sowie 17 weitere Angriffe auf Gas- und Ölanlagen ausgeführt.