MAGA-Aktivisten machen Selenskyj für steigende US-Benzinpreise verantwortlich
Vor den US-Kongresswahlen am 3. November verbreiten MAGA-nahe Kommentatoren und Politiker die These, die Angriffe auf russische Ölraffinerien durch die Ukraine seien eine gezielte Sabotage an US-Präsident Donald Trump und eine Hilfe für die Demokraten. Ukrainische Medien sehen darin eine politisch motivierte Verzerrung, während im US-Kongress bereits ein überparteilicher Vorstoß gegen ein Aufweichen der Sanktionen gegen russisches Öl läuft.
Das Wichtigste
- US-Kongresswahlen finden am 3. November statt.
- MAGA-Konservative werfen Selenskyj vor, mit Angriffen auf russische Raffinerien Trump vor den Midterms zu schaden und den Demokraten zu helfen.
- FOX-Moderatorin Rachel Campos-Duffy sprach von einem „undankbaren Selenskyj", der die Lage für Trump vor den Wahlen verschärfe.
- Der rechte Aktivist Jack Posobiec forderte einen sofortigen Stopp von Geheimdienstweitergaben und Finanzhilfen an Kiew.
- Der republikanische Senator aus Utah, Mike Lee, sagte, Selenskyj arbeite „Überstunden" für die Demokraten.
- Im Dezember landen für den Oktober 300.000 Tonnen russischer Diesel in den USA – nach Expertenschätzung nur etwa ein Tagesbedarf.
- Ein überparteilicher Gesetzentwurf unter Führung des Republikaners Brian Fitzpatrick soll Trump daran hindern, Sanktionen gegen russisches Öl aufzuheben.
Warum es wichtig ist
Die Erzählung verknüpft ukrainische Militärtaktik direkt mit dem innenpolitischen Druck in den USA vor den Midterms und stellt damit die Fortführung der US-Unterstützung infrage. Prominente Medienfiguren, Aktivisten und Senatoren fordern bereits, den Geheimdienstaustausch und die Finanzhilfen für Kiew einzustellen. Gleichzeitig formiert sich im Kongress ein überparteilicher Widerstand gegen ein Aufweichen der Sanktionen gegen russisches Öl – die Debatte verläuft also entlang beider Parteigrenzen.
Was geschehen ist
Vor den US-Kongresswahlen am 3. November verbreiten MAGA-nahe Kommentatoren in den USA die These, Wolodymyr Selenskyj lasse Angriffe auf russische Ölraffinerien bewusst weiterlaufen, um Trump vor der Wahl zu schwächen und den Demokraten zu helfen. Die FOX-Moderatorin Rachel Campos-Duffy sprach von einem „undankbaren Selenskyj", der mit den Bombardements die Situation vor den Wahlen verschärfe. Der rechte Aktivist Jack Posobiec, der ein Millionenpublikum erreicht, warf Selenskyj vor, Trump schaden zu wollen, und forderte einen sofortigen Stopp der Geheimdienstweitergaben an die Ukraine sowie sämtlicher Zahlungen an Kiew. Der republikanische Senator aus Utah, Mike Lee, sagte, Selenskyj arbeite „Überstunden" für einen Sieg der Demokraten im November. Die Narrative wird über verschiedene Ebenen verbreitet – von einflussreichen Bloggern über TV-Auftritte bis hin zu anonymen Konten in dem sozialen Netzwerk X. Hintergrund ist ein erwarteter Lieferumfang von 300.000 Tonnen russischem Diesel an die USA im Oktober, was nach Expertenschätzung nur rund einen Tag des US-Bedarfs deckt. Die ukrainische Seite kritisierte das Abkommen als Signal an Russland, die Ukraine weiter angreifen zu können. Trump erwiderte, Selenskyj hätte den Krieg längst beenden können. Der demokratische Senator Chris Murphy erklärte, Washington finanziere nun Russlands Krieg gegen die Ukraine faktisch mit. Der republikanische Kongressabgeordnete Brian Fitzpatrick kündigte einen überparteilichen Gesetzentwurf an, der Trump daran hindern soll, Sanktionen gegen russisches Öl aufzuheben; sein Parteikollege Don Bacon gehört zu den ersten Mitunterzeichnern.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die drei zugrunde liegenden Quellen – ZN.UA, NV und Novynarnya – sind ukrainischsprachige Medien, die aus einer Kiew-zentrierten Perspektive über die US-Innenpolitik berichten. Im Vordergrund steht die Warnung vor einer politisch motivierten Verzerrung, die die US-Unterstützung für die Ukraine untergraben könnte. Zugleich werden Gegenstimmen aus den USA – die überparteiliche Sanktionsinitiative, Chris Murphys Kritik und Laura Loomers überraschend pro-ukrainische Haltung nach ihrem Sommerbesuch in Kiew – als Belege dafür angeführt, dass das anti-ukrainische Framing auch innerhalb der USA umstritten ist.
Wo die Berichte auseinandergehen
In den vorliegenden Quellen stehen sich keine klar widersprechenden Fakten gegenüber; die Unterschiede liegen in der Deutung. Einige US-Stimmen führen die gestiegenen US-Benzinpreise auf ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien zurück. Ein in der Berichterstattung zitierter Experte hält dem entgegen, dass die für Oktober zugesagten 300.000 Tonnen russischen Diesels nur rund einen Tag des US-Bedarfs deckten. Ein weiterer zitierter Autor argumentiert, die eigentlichen Schocks auf dem Weltmarkt kämen aus dem Nahen Osten, nicht aus den ukrainischen Angriffen auf Raffinerien.
Hintergrund
Die US-Kongresswahlen sind für den 3. November angesetzt; die Republikaner fürchten den Verlust ihrer Kongressmehrheit. Russland soll im Oktober 300.000 Tonnen Diesel in die USA liefern – nach einer Expertenschätzung nur ein Tagesbedarf. Als ein Hauptgrund für die schwierige Lage der Republikaner vor der Wahl gilt ein deutlicher Anstieg der US-Benzinpreise. Der Autor Volodymyr Omelchenko weist darauf hin, dass die wesentlichen Schocks auf dem Weltmarkt aus dem Nahen Osten stammten, nicht aus ukrainischen Angriffen auf russische Raffinerien. Die rechte Aktivistin Laura Loomer, die als trumpnah gilt, hatte im Sommer die Ukraine besucht und sich – ungewöhnlich für eine MAGA-Vertreterin – hinter Kiew gestellt.