Trump sagt in Newsmax-Interview, er wolle nicht mit Selenskyj zu tun haben
US-Präsident Donald Trump erklärte in einem am 15. Oktober ausgestrahlten Newsmax-Interview, er wolle nicht mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu tun haben. Er warf Selenskyj vor, nicht mit Russland verhandeln zu wollen, und sagte, ein Friedensabkommen mit Russland würde ohne den derzeitigen ukrainischen Staatschef geschlossen. Trump kritisierte erneut ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien und forderte, dass auch Russland sie einstellt.
Das Wichtigste
- Trump sagte am 15. Oktober in einem Newsmax-Interview, er wolle nicht mit Präsident Wolodymyr Selenskyj zu tun haben.
- Trump erklärte, ein Friedensabkommen mit Russland würde ohne den derzeitigen ukrainischen Staatschef geschlossen.
- Trump forderte Präsidentschaftswahlen in der Ukraine und die Wahl eines neuen Staatschefs anstelle von Selenskyj.
- Trump kritisierte ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien als „Schande" und sagte, sie trieben nur die Weltölpreise in die Höhe.
- Trump argumentierte, Selenskyj müsse Putin Zugeständnisse machen, da Russland über deutlich größere Mobilisierungsressourcen für einen Abnutzungskrieg verfüge.
- Trump sagte, es sei einfacher, mit Putin als mit Selenskyj eine Einigung zu erzielen.
- Trump sagte, Russland könne eine Million Männer verlieren und habe dahinter noch viele Millionen weitere, während die Ukraine über solche Ressourcen nicht verfüge.
Warum es wichtig ist
Die Äußerungen des US-Präsidenten fallen in eine Phase, in der Washington öffentlich Druck auf Kiew ausübt, um territoriale Zugeständnisse an Moskau und den Verzicht auf eine NATO-Mitgliedschaft zu akzeptieren. Indem Trump die Arbeit mit dem gewählten ukrainischen Präsidenten offen ablehnt und ein Abkommen ohne ihn in Aussicht stellt, stellt er die Legitimität Selenskyjs infrage und signalisiert die Bereitschaft, an dessen Führung vorbei mit Kreml-Chef Wladimir Putin zu verhandeln. Gleichzeitig fordert er ein Ende ukrainischer Angriffe auf russische Ölraffinerien – mit Verweis auf steigende Weltölpreise – und liefert eine Begründung für ukrainische Konzessionen mit dem Argument der größeren russischen Mobilisierungsfähigkeit.
Was geschehen ist
US-Präsident Donald Trump sagte in einem Interview mit dem US-Sender Newsmax, das am 15. Oktober aufgezeichnet wurde, er wolle nicht mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu tun haben. Trump warf Selenskyj vor, nicht bereit zu sein, mit Russland zu verhandeln, obwohl er das Gegenteil behaupte. Trump erklärte, ein Friedensabkommen mit Russland werde ohne den derzeitigen ukrainischen Staatschef geschlossen, und forderte erneut Präsidentschaftswahlen in der Ukraine sowie die Ablösung Selenskyjs. Er kritisierte ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien als „Schande" und sagte, diese trieben nur die Weltölpreise in die Höhe; er fordere an Selenskyj, die Angriffe einzustellen, und fordere an Putin, russische Angriffe auf ukrainische Energieanlagen zu unterbinden. Trump sagte weiter, es sei einfacher, mit Putin als mit Selenskyj eine Einigung zu erzielen, und verwies auf Russlands größere Mobilisierungsressourcen in einem Abnutzungskrieg.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Medien führten mit der Aussage Trumps, es sei schwerer, mit Selenskyj als mit Putin zu verhandeln, und mit der Aussage, Selenskyj sei „nicht die Person", mit der man es zu tun haben solle. Sie stellten die Kritik an ukrainischen Angriffen auf russische Ölraffinerien in den Vordergrund und ordneten Trumps Forderungen in breiteren Kontext ein: Putins Ultimatum aus dem Juni 2024 mit der Forderung nach vollständigem Rückzug der ukrainischen Streitkräfte aus den Oblasten Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson einschließlich nie von russischen Truppen kontrollierter Gebiete; den anhaltenden Druck der Trump-Administration auf Kiew zu Gebietsabtretungen und zum Verzicht auf eine NATO-Mitgliedschaft; die Aufhebung des Verbots ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien durch Selenskyj am 15. Oktober; sowie das russisch-amerikanische Diesel-Abkommen und Trumps Interesse an niedrigeren Energiepreisen vor den US-Kongresswahlen am 3. November. Zudem zitierten mehrere ukrainische Quellen die US-Historikerin Anne Applebaum mit Kritik daran, dass Trump Sanktionen gegen Russland aufgehoben und die Ukraine unter Druck gesetzt habe.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Die einzige englischsprachige Quelle im Set (APA, Aserbaidschan) rückte Trumps Behauptung in den Mittelpunkt, Selenskyj wolle den Krieg nicht beenden, sowie dessen Forderung nach Wahlen in der Ukraine. Damit stellte sie die Frage der Legitimität des ukrainischen Präsidenten stärker in den Vordergrund als die Auseinandersetzung um die Angriffe auf russische Ölraffinerien. Die Ölraffinerie-Kontroverse, Putins Ultimatum aus dem Juni 2024 und das Applebaum-Zitat, die ukrainische Quellen betonen, blieben in dieser Darstellung unerwähnt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen unterscheiden sich in zwei Punkten. Einige Quellen behandeln Trumps Forderung nach ukrainischen Präsidentschaftswahlen als frühere oder wiederholt geäußerte Position, andere berichten sie als neue Aussage aus dem Newsmax-Interview vom 15. Oktober. APA spricht zudem vom Newsmax-Programm „Finnerty", während ZN.UA vom Newsmax-Sender allgemein spricht.
Hintergrund
Im Juni 2024 stellte der russische Präsident Wladimir Putin ein Ultimatum als Vorbedingung für Verhandlungen vor: den vollständigen Rückzug ukrainischer Streitkräfte aus den Oblasten Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson, einschließlich Gebiete, die russische Truppen nie kontrolliert hatten. Die Trump-Administration hat öffentlich und in sogenannten Friedensplänen wiederholt Druck auf Kiew ausgeübt, territorialen Konzessionen an den Kreml zuzustimmen und die NATO-Beitrittsabsichten auf zu vermeiden. Trump hat laut den Hintergrundinformationen ein Interesse daran, die Energiepreise vor den US-Kongresswahlen am 3. November zu senken, und schloss zu diesem Zweck ein Abkommen mit Putin über den Kauf von russischem Dieselkraftstoff. Nach einer sogenannten Energiepauseangekündigt hatten ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien für drei Tage ausgesetzt, doch der Kreml räumte ein, dass konkrete Parameter nie abschließend vereinbart wurden, und russische Angriffe auf ukrainische Energieanlagen gingen weiter. Selenskyj sagte der Financial Times daraufhin, das Verbot sei aufgehoben und die Angriffe am 15. Oktober wieder aufgenommen worden.