Selenskyj spricht von „Verrat" durch Trump nach Diesel-Deal und Energie-Waffenstillstand
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem am 14. Oktober veröffentlichten Interview mit Piers Morgan gesagt, er fühle sich durch die jüngsten Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump „verraten" – insbesondere durch die Aufhebung der Sanktionen gegen russisches Diesel und den angekündigten Energie-Waffenstillstand. Selenskyj bezeichnete die Situation als „falsche Seite der Geschichte" und sagte auf die Frage, ob die Ukraine die USA „verliere": „Ja." Zugleich erklärte er, er habe nichts dagegen einzuwenden, dass Trump als Vermittler bleibe, sofern dieser tatsächlich in der Mitte bleibe.
Das Wichtigste
- Selenskyj sagte in einem am 14. Oktober veröffentlichten Interview mit Piers Morgan auf „Piers Morgan Uncensored", er fühle sich durch Trumps jüngste Schritte „verraten".
- Er nannte es „bedauerlich, dass wir einen starken Partner verlieren" und bejahte die Frage, ob die Ukraine die USA „verliere".
- Auslöser waren laut Selenskyj die US-Lizenz für russisches Diesel bis April 2027 und der am 11. Oktober angekündigte „Energie-Waffenstillstand".
- Am 11. Oktober traf Russland die TEC-5 in Charkiw, am 13. Oktober wurden zivile Einrichtungen in Charkiw mit 10 Marschflugkörpern vom Typ „Banderole" beschossen.
- Selenskyj erklärte, die Ukraine habe in den zwei Tagen nach der Ankündigung des Waffenstillstands auf Angriffe auf russische Raffinerien verzichtet, während Russland die ukrainische Energieinfrastruktur weiter angegriffen habe.
- Er kritisierte die Entscheidung von Elon Musk bzw. SpaceX, Starlink für ukrainische Drohnen einzuschränken, als „großen Fehler", der Menschenleben kosten werde.
- Selenskyj zeigte sich offen dafür, dass Trump Vermittler bleibe, forderte aber, ein Vermittler müsse in der Mitte bleiben und dürfe nicht „die falsche Seite" wählen.
Warum es wichtig ist
Selenskyjs öffentliche Verwendung des Wortes „verraten" markiert eine deutliche Verschlechterung der Beziehung zwischen Kyiw und Washington in einer Phase, in der US-Vermittlung und Sanktionsentscheidungen für den Verlauf des Krieges zentral sind. Das Interview verknüpft zwei konkrete US-Maßnahmen – die russische Diesel-Lizenz und den Energie-Waffenstillstand – mit fortgesetzten russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur in Charkiw und stellt Trumps Friedensbemühungen so als einseitig dar. Zudem weitet Selenskyj seine Kritik auf die Einschränkungen von Starlink für ukrainische Drohen aus und deutet damit ein Muster aus seiner Sicht nachteiliger US-Entscheidungen an.
Was geschehen ist
In einem am 14. Oktober 2026 veröffentlichten Fragment eines Interviews mit dem britischen Journalisten Piers Morgan auf dem Programm „Piers Morgan Uncensored" sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, er fühle sich durch die jüngsten Handlungen von US-Präsident Donald Trump „verraten". Hintergrund waren die am 9. Oktober angekündigte Aufhebung der US-Sanktionen gegen russisches Diesel – mit einer bis 7. April 2027 gültigen Lizenz – sowie der am 11. Oktober verkündete „Energie-Waffenstillstand" zwischen Ukraine und Russland. Selenskyj sagte, es sei „bedauerlich, dass wir einen starken Partner verlieren", bejahte die Frage, ob die Ukraine die USA „verliere", und bezeichnete das Geschehen als „die falsche Seite der Geschichte". Er erklärte, die Ukraine habe in den zwei Tagen nach der Ankündigung des Waffenstillstands auf Angriffe auf russische Ölraffinerien verzichtet, während Russland die ukrainische Energieinfrastruktur weiter angegriffen habe – am 11. Oktober mit einem Treffer auf die TEC-5 in Charkiw, am 13. Oktober mit 10 Marschflugkörpern vom Typ „Banderole". Selenskyj zeigte sich offen dafür, dass Trump als Vermittler bleibe, sofern dieser tatsächlich in der Mitte bleibe, und sagte, Trumps Berater irrten sich. Auch die Entscheidung von Elon Musk bzw. SpaceX, Starlink für ukrainische Drohnen einzuschränken, kritisierte er als „großen Fehler", der Menschenleben kosten werde, und nannte den Diesel-Deal einen „leichten Sieg" für Putin. Am 9. Oktober hatten in Miami Gespräche zwischen Vertretern der USA, der Ukraine, Großbritanniens, Deutschlands, Frankreichs, der EU-Kommission und der NATO – darunter Steve Witkoff und Jared Kushner – über mögliche Deeskalationspfade und eine Beendigung des Krieges vor dem Winter stattgefunden.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die meisten ukrainischen Medien stellen Selenskyjs Wort „verraten" an den Anfang und rahmen Trumps Diesel-Deal und Energie-Waffenstillstand als nachteilige Zugeständnisse an Russland. Sie verweisen auf die fortgesetzten russischen Angriffe auf Charkius Energieinfrastruktur am Tag der Waffenstillstandsankündigung und danach und verbinden die Diesel-Lizenz mit weiteren aus Sicht Kyiws problematischen US-Maßnahmen wie den Starlink-Beschränkungen für ukrainische Drohnen. Einige Beiträge zitieren Selenskyjs Charakterisierung des Deals als „unfair und unehrlich" sowie als Schwächezeichen und greifen seine Aussagen auf, der Deal sei ein „leichter Sieg" für Putin, der „lache", und Russland wolle, dass Trump schwach wirke. Auch sein Hinweis, bestimmte einflussreiche Personen wollten ihn ersetzen, weil er ukrainisches Territorium nie als russisch anerkennen werde, wird in ukrainischen Beiträgen aufgegriffen.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Der einzige englischsprachige Beitrag im Quellenmaterial – eine aserbaidschanische Agentur – berichtet über Selenskyjs „Verrats"-Aussage weitgehend neutral, führt den Diesel-Deal und den Energie-Waffenstillstand als Auslöser an und zitiert die „starker Partner"-Linie, ohne zusätzlichen ukrainischen Kontext wie die Angriffe auf Charkiw oder die Starlink-Beschränkungen. Schärfere Aussagen Selenskyjs – über Putins „Lachen", den Wunsch Russlands, Trump schwach aussehen zu lassen, oder die Frage einer Ablösung des ukrainischen Präsidenten – werden in dieser kürzeren, diplomatischeren Darstellung nicht aufgegriffen.
Wo die Berichte auseinandergehen
Quellen widersprechen sich darin, ob Trumps Unterhändler in Florida der ukrainischen Delegation mit einem Stopp der US-Geheimdienstinformationen gedroht hatten, falls Kyiw die Angriffe auf russische Raffinerien nicht einstelle: Eine ukrainische Quelle erklärte, eine entsprechende Warnung sei ausgesprochen worden, ein nicht namentlich genannter US-Vertreter bestritt dies gegenüber Axios, und Trump selbst wies am 13. Oktober öffentlich eine Beendigung der Geheimdienstkooperation zurück. Uneinigkeit besteht zudem beim Umfang des Diesel-Deals: Trump bezifferte die russischen Lieferungen auf über 4,8 Millionen Tonnen, während ein anderer Bericht – unter Berufung auf Ukrinform – von zunächst 300.000 Tonnen mit geplanten deutlichen Steigerungen ausging. Grundsätzlich unterscheidet sich auch der Rahmen: Ukrainische Quellen und Selenskyj selbst werten die Aufhebung der Diesel-Sanktionen und den Energie-Waffenstillstand als einseitige Zugeständnisse an Russland ohne echte Gegenleistung, während die US-Regierung sich als unparteiischer Vermittler zwischen Kyiw und Moskau darstellt.
Hintergrund
Anfang Oktober 2026 hatte die Trump-Regierung in den USA zeitgleich eine befristete Lizenz für den Import von russischem Diesel bis April 2027 erteilt, einen sogenannten „Energie-Waffenstillstand" angekündigt und Gespräche in Miami mit den US-Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner sowie Vertretern der Ukraine, Großbritanniens, Deutschlands, Frankreichs, der EU und der NATO über eine Deeskalation vor dem Winter geführt. Am selben Tag der Waffenstillstandsankündigung traf Russland die TEC-5 in Charkiw; am 13. Oktober folgte ein erneuter Beschuss ziviler Infrastruktur in Charkiw mit 10 Marschflugkörpern – Vorfälle, die Selenskyj als Beleg für die mangelnde Verhandlungsbereitschaft Russlands anführt. Selenskyj hatte zuvor öffentlich gefragt, warum die USA nicht ein vergleichbares Diesel-Abkommen mit der Ukraine schlössen, die Lockerung russischer Energiesanktionen ohne Deeskalationsabkommen als Schwächezeichen kritisiert und in einem Axios-Interview den Deal als „unfair und unehrlich" bezeichnet, gleichzeitig aber ein gegenseitiges Aussetzen von Angriffen auf Energieanlagen für den Winter vorgeschlagen. Trump hatte die steigenden Dieselpreise zuvor auf ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien zurückgeführt und Selenskyj aufgefordert, diese Angriffe einzustellen.