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Trump fordert neuen ukrainischen Präsidenten und attackiert Selenskyjs Angriffe auf russische Raffinerien

US-Präsident Donald Trump hat am 10. Oktober erklärt, die Ukraine solle einen neuen Präsidenten wählen, der in der Lage sei, ein Abkommen zur Beendigung des Kriegs mit Russland auszuhandeln. Zugleich kritisierte er ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien. Die Äußerungen fallen in eine Phase, in der Trump einen Tag zuvor eine telefonische Vereinbarung mit Wladimir Putin zur Lieferung von russischem Diesel an den US- und Weltmarkt angekündigt hatte und ukrainisch-amerikanische Gespräche in Miami vorzeitig abgebrochen wurden.

Das Wichtigste

  • Trump sagte am 10. Oktober vor Journalisten, es sei an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten wählt, der ein Abkommen zum Kriegsende aushandeln kann.
  • Trump behauptete, Wolodymyr Selenskyj hätte den Krieg „many, many times" beenden können, sich aber dagegen entschieden.
  • Trump kritisierte ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien und forderte Selenskyj auf, diese einzustellen; er verwies auf Belastungen für die Welt und amerikanische Farmer.
  • Am 9. Oktober kündigte Trump eine telefonische Vereinbarung mit Putin über die Lieferung von 300.000 bis 3 Millionen Tonnen russischen Diesels an den US- und Weltmarkt an; das US-Finanzministerium erließ eine Lizenz bis zum 7. April 2027.
  • Der Kreml hob sein im Juli 2026 verhängtes Exportverbot für Diesel vorzeitig auf.
  • Nach der US-Russland-Vereinbarung brachen die Verhandlungen zwischen US-, ukrainischen, europäischen und NATO-Vertretern in Miami vorzeitig ab; die ukrainische Delegation reiste laut Berater Dmytro Lytvyn am 10. Oktober ab.
  • In der Nacht zum 10. Oktober töteten russische Angriffe im Südosten der Ukraine laut ukrainischem Katastrophenschutz mindestens 20 Menschen, darunter drei Minderjährige; 18 weitere wurden verletzt.
  • Trump nannte 30 % besetztes ukrainisches Gebiet; andere Angaben beziffern den Anteil Anfang Oktober 2026 auf rund 19 %, sodass die 30 %-Angabe als Übertreibung erscheint.

Warum es wichtig ist

Trump fordert öffentlich einen Führungswechsel in einem verbündeten Land, das sich im Krieg befindet – ein ungewöhnlich direkter Eingriff in die innenpolitischen Angelegenheiten der Ukraine. Seine Kritik an ukrainischen Angriffen auf russische Raffinerien und die parallele Vereinbarung mit Putin über russische Dieselimporte signalisieren Druck auf Kyiw, die Angriffe einzustellen, und fallen mit dem vorzeitigen Ende der US-ukrainisch-europäischen Gespräche in Miami zusammen. Gleichzeitig hat Putin laut seinem Berater in demselben Zeitraum Friedensgespräche abgelehnt, was die Unsicherheit über den weiteren Kurs der US-Politik in dem Konflikt zusätzlich erhöht.

Was geschehen ist

Am 10. Oktober erklärte US-Präsident Donald Trump vor Journalisten, es sei an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten wählt, der in der Lage sei, ein Abkommen zur Beendigung des Kriegs mit Russland auszuhandeln. Zugleich sagte er, Wolodymyr Selenskyj habe den Krieg „many, many times" beenden können, sich aber dagegen entschieden. Trump kritisierte ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien als Problem „for the world and for American farmers" und verwies auf eine angebliche US-Warnung: „Do whatever you want to Russia, but don't hit the refineries / diesel, because that's a global / world problem." Er behauptete zudem, Russland habe 30 % des ukrainischen Territoriums besetzt, und wiederholte, der Krieg sei auf „incompetence" zurückzuführen und wäre nicht entstanden, hätte er die US-Präsidentschaftswahl 2020 gewonnen.

Am Tag zuvor, dem 9. Oktober, hatte Trump eine „extremely successful" Telefonkonferenz mit Wladimir Putin angekündigt und eine Vereinbarung über die Lieferung von russischem Diesel an den US- und Weltmarkt im Volumen von 300.000 bis 3 Millionen Tonnen; das US-Finanzministerium erließ daraufhin eine Lizenz für Verkauf, Lieferung und Import von Diesel russischer Herkunft bis zum 7. April 2027. Der Kreml hob sein im Juli 2026 verhängtes Exportverbot für Diesel vorzeitig auf. US-Unterhändler warfen Selenskyj laut Axios vor, durch die Weigerung, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, eine Sackgasse zu erzeugen, und warnten vor einem möglichen Stopp der US-Geheimdienstkooperation, die der Ukraine hilft, Ziele in Russland aufzuklären und zu treffen. Die ukrainische Delegation, die in den USA über eine mögliche Energie-Waffenruhe verhandelte, erfuhr nach eigenen Angaben erst durch die Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner von der Entscheidung; die parallel laufenden Gespräche in Miami zwischen Vertretern der USA, der Ukraine, europäischer Staaten und der NATO wurden vorzeitig beendet. Am 10. Oktober teilte der Berater des Präsidenten, Dmytro Lytvyn, mit, die ukrainische Delegation sei bereits auf dem Heimweg.

In der Nacht zum 10. Oktober töteten russische Angriffe im Südosten der Ukraine laut ukrainischem Katastrophendienst mindestens 20 Menschen, darunter drei Minderjährige; 18 weitere wurden verletzt. Selenskyj sagte nach den Angriffen: „Russia thanks you for lifting sanctions on diesel exports by dropping five glide bombs on residential buildings in Zaporizhzhia" und kündigte eine Reaktion an. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, es seien die Ukrainer, die das Recht hätten, über ihre Führung zu entscheiden, und der russische RDIF-Chef Kirill Dmitrijew nannte Trumps Forderung nach einem Wechsel Selenskyjs eine „landmark and historic event".

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Medien führten Trumps Aufruf an die Ukraine, einen neuen Präsidenten zu wählen, als zentralen Aufhänger. Mehrere ukrainische Ausgaben stellten Selenskyj in den Mittelpunkt und formulierten die Forderung als Aufforderung an die Ukraine, einen neuen Präsidenten zu „wählen" oder zu „bestimmen". Auch die innenpolitische Antwort wurde hervorgehoben: Außenminister Andrij Sybiha erklärte, das ukrainische Volk habe das Recht, über seine Führung zu entscheiden. Die ukrainische Berichterstattung betonte zudem Selenskyjs scharfe Kritik an der US-russischen Diesel-Vereinbarung als „birthday gift to Putin" und stellte den russischen Angriff auf Saporischschja mit den getöteten Zivilisten in direkten Zusammenhang mit der Aufhebung der Sanktionen.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Internationale Medien setzten Trumps Aussagen in einen breiteren Rahmen. Die deutsche Berichterstattung deutete Trumps Äußerungen als Forderung nach einem „Regimewechsel" in der Ukraine und stellte sie in Zusammenhang mit seiner Kritik am Diesel-Abkommen mit Russland. Französische und spanische Quellen inszenierten die Geschichte als Bruch zwischen Trump und Selenskyj und verwendeten dabei Trumps Formulierung „time for Ukraine to have a new president" als Überschrift. Die englischsprachige aserbaidschanische Agentur führte den operationellen Druck der USA auf Selenskyj, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, als Hauptelement an. Insgesamt betteten internationale Quellen den Führungswechsel-Aufruf in die Berichterstattung über das Trump-Putin-Telefonat und die Diesel-Vereinbarung ein.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen sind sich uneins, wo genau Trump seine Aussage machte: teils wird sie an die Abreise aus dem Weißen Haus vor dem Flug nach Tennessee verlegt, teils an die Joint Base Andrews in Maryland, teils ohne genaue Ortsangabe. Trumps Behauptung, der Krieg hätte nicht begonnen, wenn er die US-Präsidentschaftswahl 2020 gewonnen hätte, wird teils mit dem Wahljahr 2020, teils mit dem Kriegsbeginn 2022 in Verbindung gebracht. Seine Angabe, Russland habe 30 % des ukrainischen Territoriums besetzt, steht im Widerspruch zu anderen Berichten, die den Anteil Anfang Oktober 2026 auf rund 19 % beziffern und die 30 %-Zahl als Übertreibung einordnen. Beim Volumen der Diesel-Vereinbarung nennen mehrere ukrainische Quellen 300.000 Tonnen, während andere Quellen eine Spanne von 300.000 bis 3 Millionen Tonnen angeben.

Hintergrund

Die Ukraine wehrt sich nach Angaben in der Berichterstattung seit viereinhalb Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien hatten den Kreml im Juli 2026 zu einem Exportverbot für Diesel veranlasst; dieses Verbot wurde im Zuge der Trump-Putin-Ankündigung vorzeitig aufgehoben. Trump hatte bereits zuvor behauptet, der Krieg wäre nicht ausgebrochen, wenn er die US-Präsidentschaftswahl 2020 gewonnen hätte. Die USA liefern Geheimdienstinformationen, die der Ukraine helfen, Ziele in Russland aufzuklären und zu treffen; US-Unterhändler sollen laut Berichten die Möglichkeit eines Stopps dieser Kooperation angesprochen haben.