Trump-Regierung will russisches Gas durch Ukraine wieder nach Europa fließen lassen
Die Trump-Regierung erwägt laut The New York Times, den Transit von russischem Erdgas durch die Ukraine wieder aufzunehmen – als Element eines künftigen Friedensabkommens. US-Sondergesandte Jared Kushner und Steve Witkoff warben bei Präsident Wolodymyr Selenskyj und europäischen Unterhändlern für den Vorschlag. Europäische Vertreter lehnen die Idee mit Verweis auf die wachsende Abhängigkeit von Moskau ab.
Das Wichtigste
- Die Trump-Regierung erwägt, russisches Erdgas im Rahmen eines Ukraine-Friedensabkommens wieder nach Europa zu liefern.
- Die Sondergesandten Jared Kushner und Steve Witkoff sprachen das Thema bei Treffen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj und europäischen Unterhändlern an.
- Die USA argumentieren, der russische Gastransit durch die Ukraine solle Moskau einen wirtschaftlichen Anreiz für ein Kriegsende bieten und der Ukraine Transitgebühren einbringen.
- Europäische Verhandler reagierten ablehnend und verwiesen auf jahrelange Bemühungen – früher auch mit US-Unterstützung –, sich von russischem Gas unabhängig zu machen.
- Trump befreite Russland am Freitag, den 16. Oktober, von neuen Sanktionen des Kongresses (HR 5334) und verwies auf die „nationalen Interessen der USA“.
- Deutschland, vor dem Krieg größter Abnehmer russischen Gases, lehnt die Wiederaufnahme am deutlichsten ab; im Berliner Verhandlungsteam stimmte Sicherheitsberater Günter Sauter gegen den Vorschlag.
- Die New York Times berichtete über den Vorschlag unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Quellen.
- Bereits am 18. September 2025 hatte Trump das Sanktionsgesetz HR 5334 unterzeichnet, das Washington nun teilweise aussetzt.
Warum es wichtig ist
Ein US-Vorstoß zur Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nach Europa würde jahrelange Politik beider Seiten umkehren, Europa weniger energieunabhängig machen und den Konflikt zwischen Washington und europäischen Hauptstädten über die Russland-Strategie verschärfen. Zugleich bindet die Trump-Regierung den Energiemarkt direkt an die Friedensverhandlungen über die Ukraine und stellt Transitgebühren als mögliche Einnahmequelle für Kiew in Aussicht. Wenn die US-Regierung trotz des europäischen Widerstands an dem Plan festhält, droht ein offener transatlantischer Bruch.
Was geschehen ist
Laut The New York Times prüft die Trump-Regierung, den russischen Gastransit durch die Ukraine im Rahmen eines umfassenden Friedensabkommens wiederzubeleben. Die Sondergesandten Jared Kushner und Steve Witkoff warben bei einem Treffen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj in Kiew im Vormonat sowie bei anschließenden Gesprächen mit europäischen Unterhändlern für den Vorschlag. Washington argumentiert, dass Transitgebühren für Kiew Einnahmen bringen und Russland ein wirtschaftlicher Anreiz zum Kriegsende geboten werden könnte; langfristig erhofft sich die US-Regierung zudem, dass europäische Verbraucher billigere Energiequellen einfordern werden. Am 16. Oktober 2026 befreite Trump Russland von den Sanktionen, die das von Senator Lindsey Graham mitverfasste Gesetz HR 5334 gegen die größten Käufer russischen Öls und Gases vorsah. Das Weiße Haus erklärte, die USA arbeiteten eng mit der Ukraine und europäischen Partnern an einem Friedensvorschlag, der wirtschaftliche Anreize für beide Seiten vorsehe. Europäische Unterhändler reagierten ablehnend; Berlins Sicherheitsberater Günter Sauter wandte sich bei Verhandlungen in Florida in der Vorwoche gegen den Vorschlag, und Berlin besteht darauf, dass russisches Gas auch beim Verkauf über Zwischenhändler russisch bleibe.
Hintergrund
Sowohl die USA als auch die EU hatten in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, Europa von russischem Gas unabhängig zu machen; der neue US-Vorschlag bricht mit dieser Linie. Seit dem vergangenen Jahr laufen Gespräche zwischen US- und russischen Vertretern über mögliche Geschäfte; eine Woche vor der Sanktionsaussetzung hatte Washington Sanktionen gegen russischen Dieselkraftstoff aufgehoben. Nach einem Sabotageakt an der Pipeline Nord Stream 2 war diese nie wieder in Betrieb genommen worden; laut einem Bericht erachten einige Beteiligte eine Wiederinbetriebnahme im Falle eines Friedensabkommens als „einfachsten Schritt“, während das Weiße Haus diesen Punkt zuletzt nicht weiter erörtert haben will.