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Selenskyj knüpft Wahlen in der Ukraine an 60-tägige Waffenruhe und fordert Trump zur Übermittlung an Putin auf

In einem Interview mit ABC News hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, die Ukraine werde Wahlen abhalten, wenn Russland einer vollständigen 60-tägigen Waffenruhe zustimme. Er richtete den Vorschlag über US-Präsident Donald Trump an Wladimir Putin. Die Äußerung folgte auf Trumps öffentliche Aufforderung an die Ukraine, einen neuen Anführer zu wählen, und auf die von Trump angekündigte US-russische Vereinbarung über Diesel-Lieferungen.

Das Wichtigste

  • Selenskyj erklärte in einem ABC-News-Interview, die Ukraine werde Wahlen abhalten, wenn Russland einer vollständigen Waffenruhe von mindestens 60 Tagen zustimme.
  • Selenskyj forderte Trump auf, dem russischen Präsidenten Putin den Vorschlag zu übermitteln: „Sagen Sie Putin: Geben Sie uns zwei Monate, 60 Tage vollständige Waffenruhe, dann organisieren wir Wahlen."
  • Trump hatte am Samstag öffentlich gefordert, die Ukraine solle einen neuen Anführer wählen, der zu einem Deal fähig sei; er warf Selenskyj vor, „nicht bereit zu sein, Deals zu machen".
  • Am 9. Oktober führten Trump und Putin ein Gespräch; im Anschluss kündigte Trump eine US-russische Vereinbarung über Lieferungen von Millionen Tonnen russischem Diesel auf den amerikanischen und Weltmarkt an.
  • Selenskyj kritisierte die Diesel-Vereinbarung als „Schwäche“ der USA und „Geschenk“ an Putin.
  • Selenskyj bot einen gegenseitigen „Energie-Waffenstillstand“ an: Die Ukraine werde Angriffe auf russische Ölraffinerien einstellen, wenn Russland Angriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur stoppe.
  • Außenminister Andrij Sybiha schrieb auf X, Selenskyj habe die Unterstützung des ukrainischen Volkes; die Wahl des Anführers sei Sache der Ukrainer.

Warum es wichtig ist

Selenskyjs Erklärung verknüpft eine ukrainische Wahl mit einer vorherigen 60-tägigen russischen Waffenruhe und verlagert die Entscheidung formal nach Moskau, hält aber zugleich fest, dass die Wahl des Anführers Sache der Ukrainer sei. Die Aussage war eine direkte Antwort auf Trumps öffentliche Forderung nach einem neuen ukrainischen Anführer und verschärfte den öffentlichen Schlagabtausch zwischen beiden Präsidenten. Zugleich bot Selenskyj einen gegenseitigen Energie-Waffenstillstand an. Die Auseinandersetzung folgte auf den Trump-Putin-Telefonat vom 9. Oktober mit der angekündigten Diesel-Vereinbarung, die Selenskyj als Schwäche der USA kritisierte; zudem habe die US-Seite laut Berichten damit gedroht, der Ukraine den Zugang zu Aufklärungsdaten zu entziehen, falls Kiew die Forderungen Trumps weiter ignoriere.

Was geschehen ist

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in einem Interview mit ABC News, die Ukraine werde Wahlen abhalten, wenn Russland einer vollständigen Waffenruhe von mindestens 60 Tagen zustimme, und bat US-Präsident Donald Trump, diesen Vorschlag an Wladimir Putin zu übermitteln. Die Aussage folgte auf Trumps öffentlichen Aufruf an die Ukrainer, einen neuen Anführer zu wählen, der zu einem Deal fähig sei; Trump hatte Selenskyj vorgeworfen, „nicht bereit zu sein, Deals zu machen“, und ihn für steigende Dieselpreise in den USA verantwortlich gemacht. Am 9. Oktober hatten Trump und Putin telefoniert; Trump kündigte danach eine US-russische Vereinbarung über Lieferungen von Millionen Tonnen russischem Diesel auf den amerikanischen und den Weltmarkt an. Selenskyj kritisierte diese Vereinbarung als „Schwäche“ der USA und „Geschenk“ an Putin und verwies darauf, dass die steigenden Preise auf den Krieg im Nahen Osten und die Sperrung der Straße von Hormus zurückgingen. Selenskyj bot zugleich einen gegenseitigen Energie-Waffenstillstand an: Die Ukraine werde Angriffe auf russische Ölraffinerien einstellen, wenn Russland die Angriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur stoppe; dies könne sofort geschehen, Putin wolle dies aber nicht. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha schrieb am späten Samstag auf X, Selenskyj führe das Land durch einen Unabhängigkeitskrieg und habe die Unterstützung des ukrainischen Volkes. Elon Musk kommentierte Trumps Äußerungen, Selenskyj sei „zu weit gegangen“. Die in Miami laufenden Verhandlungen zwischen ukrainischen, amerikanischen und europäischen Vertretern zur Beendigung des Krieges endeten vorzeitig. In den USA bereiten Kongressabgeordnete beider Parteien einen Gesetzentwurf vor, der Käufe russischen Öls blockieren soll; Washington versucht, die Spritpreise vor den Kongresszwischenwahlen am 3. November zu senken.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen bewerten unterschiedlich, ob Selenskyj eine US-Forderung nach einem einseitigen Stopp der Angriffe auf russische Ölraffinerien abgelehnt habe (so AXIOS, von mehreren ukrainischen Medien zitiert) oder ob er — wie aus seinen X-Beiträgen und dem ABC-Interview hervorgeht — einen gegenseitigen Energie-Waffenstillstand vorgeschlagen habe, falls Russland Angriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur einstelle. Auch die US-russische Diesel-Vereinbarung wird unterschiedlich eingeordnet: Teils wird sie als „Abkommen“ über Lieferungen auf den amerikanischen und Weltmarkt dargestellt, Selenskyj bezeichnete sie dagegen als „Schwäche“ der USA und „Geschenk“ an Putin.

Hintergrund

In der Ukraine gilt seit dem 24. Februar 2022 das Kriegsrecht; Wahlen sind während seiner Dauer nicht zulässig. Im April 2026 waren sieben Jahre von Selenskyjs Amtszeit verstrichen, während die ukrainische Verfassung eine maximale Amtszeit von fünf Jahren vorsieht. Am 1. Oktober hatte Putin auf dem Waldai-Diskussionsklub einen Vorschlag für einen gegenseitigen Stopp von Angriffen auf Energieinfrastruktur und zivile Schiffe als „absurd“ zurückgewiesen. Trump hatte die Diesel-Vereinbarung mit Russland am Freitag angekündigt; Washington will die Spritpreise vor den US-Zwischenwahlen am 3. November drücken. Im US-Kongress wird ein überparteilicher Gesetzentwurf vorbereitet, der Käufe russischen Öls blockieren soll.