Selenskyj schließt Rücktritt aus und hält Wahlen während des Krieges für unmöglich
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem Interview mit dem Journalisten Piers Morgan erklärt, er habe nicht die Absicht zurückzutreten. Wahlen während des anhaltenden Krieges und der russischen Angriffe seien unmöglich. Damit reagiert er auf öffentlichen Druck von US-Präsident Donald Trump, der einen Austausch der ukrainischen Führung ins Gespräch gebracht hatte.
Das Wichtigste
- Selenskyj erklärte in einem Interview mit Piers Morgan, er plane keinen Rücktritt.
- Selenskyj bezeichnete Wahlen während des Krieges als unmöglich und schätzte sie auf eine Wahrscheinlichkeit von 10 Prozent.
- Als Gründe nannte er laufende russische Angriffe mit Hunderten bis Tausenden Drohnen pro Stunde und die fehlende Möglichkeit, Frontsoldaten wählen zu lassen.
- Selenskyj sagte, ein Präsidententausch sei eine Entscheidung des ukrainischen Volkes, nicht von Trump, Musk oder anderen.
- Zuvor hatte Selenskyj sich bereit erklärt, Wahlen abzuhalten, falls Russland einem 60-tägigen Waffenstillstand zustimme – der Kreml lehnte ab und bot nur einen Tag Pause an.
- Trump hatte öffentlich einen Wechsel der Führung in Kiews ins Gespräch gebracht und Selenskyj vorgeworfen, sich zu wenig um eine Einigung zu kümmern.
Warum es wichtig ist
Die Stellungnahme ist eine direkte Antwort auf den öffentlichen Druck der US-Regierung, die ukrainische Führung auszutauschen. Selenskyj verbindet die Frage nach Wahlen und Amtsinhaberschaft untrennbar mit der Sicherheitslage und der territorialen Integrität der Ukraine. Die Aussagen fallen in eine Phase laufender Verhandlungen über einen möglichen Waffenstillstand, in der die Frage der politischen Legitimität der ukrainischen Regierung zunehmend von außen aufgeworfen wird.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ukrainische Berichterstattung stellt Selenskyjs eigene Stimme in den Mittelpunkt und rahmt die Aussagen als Antwort auf Druck von außen. Im Vordergrund steht sein Verweis auf die Kriegsrealität – Drohnenangriffe und die Unmöglichkeit, Soldaten an der Front wählen zu lassen – sowie sein Bekenntnis, ukrainisches Territorium nie als russisch anzuerkennen.
Wo die Berichte auseinandergehen
Zelenskyj und Trump vertreten gegensätzliche Positionen zur Durchführbarkeit von Wahlen: Selenskyj hält sie unter den aktuellen Sicherheitsbedingungen für praktisch unmöglich (rund zehn Prozent Chance), während Trump öffentlich einen Wechsel der ukrainischen Führung angesprochen und damit Wahlen beziehungsweise einen personellen Wechsel auf die Tagesordnung gesetzt hat.
Hintergrund
Selenskyj hatte zuvor erklärt, er sei bereit, Wahlen abzuhalten, falls Russland einem 60-tägigen Waffenstillstand zustimme. Der Kreml wies dieses Ansinnen zurück und erklärte, Wladimir Putin werde sich lediglich für einen Tag von Angriffen auf ukrainisches Territorium zurückhalten. Trump hat Selenskyj wiederholt kritisiert, unter anderem wegen des Verhandlungstempos und wegen hoher Dieselpreise in den USA, und nach einem US-russischen Abkommen über russische Brennstofflieferungen einen Wechsel der ukrainischen Führung ins Gespräch gebracht.