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NATO-Oberbefehlshaber Grinkevich fordert mehr Ukraine-Hilfe als Antwort auf russische Hybridangriffe

Der oberste NATO-Befehlshaber in Europa, der US-General Alexus Grinkevich, hat auf dem Warschau-Sicherheitsforum europäische Verbündete aufgefordert, die Unterstützung der Ukraine als Antwort auf russische Hybridoperationen auszuweiten. Dänemark und Deutschland nannte er als Beispiele für Staaten, die nach Angriffen auf ihrem eigenen Territorium ihre Ukraine-Unterstützung verstärkt hätten. In Polen stellt er parallel Pläne für eine schnelle NATO-Niederlage Russlands im Fall eines Angriffs auf Bündnisgebiet vor.

Das Wichtigste

  • NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grinkevich forderte am 11. Oktober auf dem Warschau-Sicherheitsforum mehr Unterstützung für die Ukraine als Antwort auf russische Hybridangriffe
  • Als Beispiele russischer Hybridaggression nannte er Verletzungen des NATO-Luftraums, Brandstiftungen, Sabotage und Cyberangriffe
  • Grinkevich verwies auf Dänemark und Deutschland, die nach Hybridangriffen auf ihrem Territorium ihre Ukraine-Hilfe ausgeweitet hätten
  • Deutschland letzte monatliche erstmals offiziell Russland für den Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig verantwortlich gemacht
  • Grinkevich ist US-Luftwaffengeneral und führt zugleich das US-European-Command (EUCOM)
  • In Polen präsentiert er eine „Theory of Victory“ mit Drohnen und KI-Technologien zur schnellen Niederlage Russlands im Konflikt mit der NATO
  • Grinkevich zeigte sich überzeugt, dass die zentrale Bedeutung der Ukraine für die europäische Sicherheit politische Widerstände vor den Wahlen 2027 überwiegen wird

Warum es wichtig ist

Ein hochrangiger NATO-Militärvertreter hat die Aufstockung der Ukraine-Hilfe öffentlich als die angemessene westliche Antwort auf eskalierende russische Hybridoperationen gegen Europa eingeordnet. Grinkevich verwies auf konkrete Vorfälle wie die erste offizielle deutsche Zuordnung eines Drohnenangriffs auf den Leipziger Flughafen an Russland und verband den Appell mit einer parallel vorgestellten „Theory of Victory“, die zeigt, wie die NATO einen russischen Angriff auf eigenes Gebiet schnell niederschlagen würde. Er argumentierte zugleich, dass die geopolitische Bedeutung der Ukraine für die europäische Sicherheit die wachsende innenpolitische Opposition in mehreren europäischen Ländern im Vorfeld der Wahlen 2027 überdauern werde.

Was geschehen ist

Beim Warschau-Sicherheitsforum am 11. Oktober rief NATO-Oberbefehlshaber General Alexus Grinkevich die europäischen Verbündeten dazu auf, die Unterstützung der Ukraine als Antwort auf russische Hybridoperationen zu verstärken. Er nannte Verletzungen des NATO-Luftraums, Brandstiftungen, Sabotage und Cyberangriffe als Beispiele für russische Feindseligkeiten und verwies auf Dänemark und Deutschland, die nach Hybridangriffen auf ihrem Territorium ihre Ukraine-Hilfe ausgeweitet hätten. Deutschland habe erst vergangenen Monat erstmals offiziell Russland für einen vereitelten Drohnenangriff mit Sprengstoff auf den Flughafen Leipzig verantwortlich gemacht. Grinkevich erklärte sich zudem bereit, die Verantwortlichen solcher Taten öffentlich zu benennen, wenn ein NATO-Staat ihn darum bitte. Zugleich stellte er in Polana Pläne für eine schnelle NATO-Niederlage Russlands im Fall eines Angriffs auf Bündnisgebiet vor. Diese „Theory of Victory“ sieht den Einsatz von Drohnen und KI-Technologien vor, um bestehende NATO-Vorteile wie F-35-Kampfflugzeuge zu ergänzen. Grinkevich äußerte die Überzeugung, dass die zentrale Rolle der Ukraine für die europäische Sicherheit politische Kräfte, die weitere Unterstützung ablehnen, überdauern werde, und verwies auf das sich öffnende und wieder schließende Fenster für einen Dialog zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Medien führten mit dem NATO-Appell für mehr Ukraine-Unterstützung und stellten Grinkevichs Russland-Deutung als Aggressor in den Vordergrund. Sie bezogen Regierungsangaben aus Kiew mit ein, etwa die Mitteilung des ukrainischen Militärgeheimdienstes vom 2. Oktober, russische Dienste hätten den Auftrag erhalten, Hybridangriffe auf EU- und NATO-Staaten zur Untergrabung der Ukraine-Unterstützung zu verstärken, sowie die Erklärung von Außenminister Andrij Sybiha, Russland habe einen von den USA angekündigten „Energie-Waffenstillstand“ noch am selben Tag gebrochen. Ukrainische Berichte stellten den NATO-Appell damit in direkten Zusammenhang mit den fortgesetzten Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur und den Zweifeln in Kiew an einer von Washington vermittelten Waffenruhe.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Die zugrundeliegende Primärquelle ist ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg über Grinkevichs Äußerungen beim Warschau-Sicherheitsforum, den die ukrainischen Medien direkt übernahmen. Die Aussagen selbst richteten sich an ein europäisch-NATO-Publikum, forderten verbündete Regierungen zum Handeln auf und stellten Dänemark und Deutschland als vorbildliche Reaktionäre nach Angriffen auf eigenem Boden heraus. Auf eine Frage zu einem berichteten Deal zwischen US-Präsident Donald Trump und Wladimir Putin zu russischen Dieselimporten in die USA antwortete Grinkevich, er konzentriere sich ausschließlich auf militärische Fragen, und hielt so die öffentliche Rahmung im Bereich militärischer Abschreckung statt im diplomatischen Bereich.

Wo die Berichte auseinandergehen

Über den Zeitpunkt der ersten offiziellen deutschen Zuordnung des Drohnenangriffs auf den Leipziger Flughafen an Russland variieren die Quellen leicht zwischen „vergangenen Monat“, „im September“ und der allgemeineren Angabe, es sei die erste derartige offizielle deutsche Zuordnung gewesen – diese Formulierungen sind untereinander verträglich, unterscheiden sich aber in Präzision. Eine zweite Uneinigkeit betrifft den von Trump am 11. Oktober angekündigten „Energie-Waffenstillstand“ zwischen Ukraine und Russland: Trump erklärte, beide Seiten hätten sich auf eine sofortige Waffenruhe im Energiebereich geeinigt; Axios-Journalist Barak Ravid berichtete, Selenskyj sei nicht informiert, aber bereit gewesen, zuzustimmen; das Weiße Haus erklärte gegenüber Axios, der Geltungsbereich umfasse lediglich Angriffe auf gegnerische Ölraffinerien; der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, Russland habe den „Energie-Waffenstillstand“ unmittelbar darauf durch Angriffe auf das Heizkraftwerk CHP-5 in Charkiw und ein Kraftwerk in Kiew gebrochen.

Hintergrund

Grinkevich ist General der US-Luftwaffe und führt sowohl als NATO-Oberbefehlshaber in Europa als auch als Kommandeur des US European Command (EUCOM) die Allianz. Die NATO überlässt Reaktionen auf hybride Vorfälle überwiegend den einzelnen Mitgliedstaaten. Am 2. Oktober erklärte der ukrainische Militärgeheimdienst (HUR), russische Dienste seien angewiesen worden, Hybridoperationen gegen EU- und NATO-Staaten zur Untergrabung der Ukraine-Unterstützung zu intensivieren. Der dänische Militärgeheimdienst warnte vor einer möglichen Zunahme der russischen hybriden Kriegsführung gegen den Westen in den kommenden Monaten. Bundesaußenminister Johann Wadephul bestätigte am 23. September, dass Russland hybride Angriffe auf europäische Ukraine-Unterstützer verschärfe.