Veröffentlicht am · Aktualisiert:

NATO entwickelt „Theorie des Sieges" gegen möglichen russischen Angriff

Der Oberste Alliierte Befehlshaber Europa, Alexus Grinkevich, bereitet ein Strategiepapier mit dem Titel „Theory of Victory" vor, das beschreibt, wie die NATO einen russischen Angriff auf die Ostflanke abwehren will. Der Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz kostengünstiger Drohnen, Systemen mit minimaler Besatzung und KI-gestützter Zielerfassung. Das Dokument soll am 12. Oktober in Polen vorgestellt werden.

Das Wichtigste

  • Dokument trägt den Titel „Theory of Victory" und wurde von Bloomberg in einer nicht eingestuften Version eingesehen.
  • Grinkevich will das Papier am 12. Oktober in Polen präsentieren.
  • Strategie sieht vor, eine Invasion im Rahmen der „NATO Eastern Flank Deterrence Initiative" mit Bodentruppen, Drohnen, Systemen mit minimaler Besatzung und KI-gestützter Zielbekämpfung zu blockieren.
  • Nach Gewinnung der Manövrierfreiheit will die NATO Kommando- und Führungssysteme des Gegners ausschalten, um die feindlichen Kräfte schnell und vollständig zu besiegen.
  • Dokument betont den defensiven Charakter der NATO und soll einen möglichen Gegner davon überzeugen, dass ein Sieg unmöglich ist.
  • Sprecher Oberst Martin O'Donnell nannte das Papier „rein defensiv" und betonte die Notwendigkeit, Aggression abzuschrecken.
  • Verbündete diskutieren über die Aufstockung der Verteidigungsausgaben und deren Verteilung zwischen konventioneller Bewaffnung und neuen Technologien.

Warum es wichtig ist

Das Papier definiert, wie die NATO militärisch auf einen möglichen russischen Angriff auf die Ostflanke reagieren will, und prägt damit das Abschreckungsprofil des Bündnisses. Es markiert einen doktrinären Wandel hin zur Integration von Drohnen, Systemen mit minimaler Besatzung und KI-gestützter Zielerfassung in die konventionelle Verteidigungsplanung. Gleichzeitig macht es die internen Debatten über die Aufteilung der Verteidigungsausgaben sichtbar und fällt in eine Phase russischer Nukleardrohungen, baltischer Aufrüstung und US-Konsultationen mit Verbündeten über Truppenstärken in Europa.

Was geschehen ist

Der Oberste Alliierte Befehlshaber Europa, Alexus Grinkevich, arbeitet an einem Strategiepapier mit dem Titel „Theory of Victory". Die nicht eingestufte Version wurde von Bloomberg eingesehen. Grinkevich will das Dokument am 12. Oktober in Polen vorstellen. Es soll den Verbündeten erläutern, wie die Allianz auf eine mögliche Invasion von NATO-Gebiet reagieren würde, und zeigen, wie konventionelle Waffen mit neuen Fähigkeiten verknüpft werden sollen, die seit der russischen Vollinvasion der Ukraine im Jahr 2022 an Bedeutung gewonnen haben.

Im Falle eines Angriffs plant die NATO, die Invasion im Rahmen der „NATO Eastern Flank Deterrence Initiative" mit einer Kombination aus Bodentruppen und weiteren Ressourcen zu blockieren. Das Konzept stützt sich auf kostengünstige Drohnen, Systeme mit minimaler Besatzung und KI-gestützte Zielbekämpfung. Nach Wiederherstellung der Manövrierfreiheit soll die NATO die Kommando- und Führungssysteme des Gegners ausschalten, um die feindlichen Kräfte schnell zu zerschlagen. Das Papier betont den defensiven Charakter der NATO, warnt vor unbeabsichtigten Provokationen und fordert kollektive Abwehr hybrider Bedrohungen. Durch sichtbare Einsatzbereitschaft soll ein potenzieller Gegner zur Überzeugung gelangen, dass ein Sieg unmöglich ist. Das Dokument ruft zugleich zu höheren Verteidigungsinvestitionen und besserer Ausbildung auf.

Grinkevichs Sprecher, Oberst Martin O'Donnell, lehnte es ab, Details zu erörtern, und bezeichnete das Bündnis als „rein defensiv". Der Chef des deutschen Bundesnachrichtendienstes, Martin Jäger, sah unterdessen die Gefahr eines bewaffneten Konflikts mit Russland und sprach von einer „neuen, gefährlichen Qualität" der Konfrontation. Estland verlegt eine Schlüsselbrigade von Tapa Richtung Jõhvi, etwa 50 Kilometer von der russischen Grenze, im Rahmen einer „aktiven Verteidigung". Litauen und Polen erarbeiten einen internationalen Evakuierungsplan für die baltischen Staaten.

Hintergrund

Die NATO-Verbündeten haben ihre Verteidigungsausgaben deutlich erhöht, debattieren jedoch über die Aufteilung zwischen klassischen Waffensystemen und neuen Technologien, die im Ukraine-Krieg an Bedeutung gewonnen haben. Das Dokument wird ausdrücklich als defensiv dargestellt, mit dem Ziel, einen möglichen Gegner vom Gedanken an einen Sieg abzubringen und unbeabsichtigte Provokationen zu vermeiden. Russland hat die NATO für den Fall einer Blockade Kaliningrads mit einem möglichen Atomwaffeneinsatz gedroht. Estland verlegt eine Schlüsselbrigade von Tapa nach Jõhvi, rund 50 Kilometer von der russischen Grenze entfernt, im Rahmen eines Konzepts der „aktiven Verteidigung". Litauen und Polen entwickeln einen grenzüberschreitenden Evakuierungsplan für die baltischen Staaten.