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Präsidentschaftswahl in Bulgarien: Yotova liegt laut Umfragen vorn

In Bulgarien findet am 25. Oktober der erste Durchgang der Präsidentschaftswahl statt. Als wahrscheinlichste Siegerin gilt die amtierende Interimspräsidentin Iliana Yotova, frühere Stellvertreterin des derzeitigen Premierministers Rumen Radev. Ihr wichtigster Gegenkandidat ist der ehemalige pro-ukrainische Regierungschef Andrey Gyurov. Die Wahl fällt in eine Phase ungewöhnlich starker Machtkonzentration bei Radev und seiner Partei. Die Analysen betonen, dass der Urnengang den Kurs Bulgariens zu EU-Sanktionen, zur „Koalition der Willigen“ und zur Unterstützung der Ukraine mitbestimmen wird.

Das Wichtigste

  • Erster Wahlgang der Präsidentschaftswahl in Bulgarien am 25. Oktober.
  • Iliana Yotova, interimistische Präsidentin und ehemalige Stellvertreterin von Premier Rumen Radev, tritt gemeinsam mit Kiril Vilchev an.
  • Andrey Gyurov, ehemaliger pro-ukrainischer Regierungschef, kandidiert mit Georgi Kandev.
  • Aktuelle Umfragen sehen das Ticket Yotova/Vilchev bei 44–47 %, Gyurov/Kandev bei 24–26 %; laut Alfa Research könnten rund 30 % der Wähler am Wahltag noch umschwenken.
  • Radev ist seit 2026 Premierminister und führt die von ihm gegründete Partei „Progressive Bulgaria", die im April 131 von 240 Parlamentssitzen gewann.
  • Sollte Yotova gewinnen, würde Radev nach Einschätzung der Autoren zusätzlichen Hebel erhalten, um EU-Sanktionspakete zu blockieren und Solidaritätsbekundungen mit der Ukraine in Frage zu stellen.

Warum es wichtig ist

Die Wahl entscheidet mit, wie sich Bulgarien künftig zu EU-Sanktionen gegen russlandnahe Personen, zur „Koalition der Willigen“ und zur militärischen Unterstützung der Ukraine verhält. Radew hat seit seinem Wechsel vom Präsidentenamt in das Amt des Premierministers eine beispiellose Machtkonzentration aufgebaut: Seine Partei „Progressive Bulgaria“ hält 131 von 240 Sitzen, die früheren Hauptakteure GERB, DPS und PP-DB sind an den Rand gedrängt. Eine Präsidentin Yotowa würde diese Linie aus Sicht der ukrainischen Autoren weiter verfestigen. Ein Sieg Gyurows könnte hingegen ein pro-westliches Gegengewicht innerhalb der Institutionen schaffen – auch wenn die bulgarische Außenpolitik nach Einschätzung der Analyse insgesamt wohl pro-russisch bliebe.

Was geschehen ist

Bulgarien steht vor dem ersten Wahlgang seiner Präsidentschaftswahl am 25. Oktober. Interimistisch die Amtsgeschäfte führt Iljana Jotowa, die frühere Stellvertreterin des amtierenden Premierministers Rumen Radew. Sie kandidiert mit Kiril Wiltschew. Ihr wichtigster Gegenkandidat ist der ehemalige pro-ukrainische Regierungschef Andrej Gjurow, der mit Georgi Kandeff antritt.

Aktuelle demoskopische Erhebungen sehen das Ticket Jotowa/Wiltschew bei 44 bis 47 Prozent, Gjurow/Kandeff bei 24 bis 26 Prozent. Nach Angaben von Alfa Research könnten am Wahltag noch rund 30 Prozent der Wähler ihre Meinung ändern. Als wahrscheinlichstes Szenario gilt ein Sieg Jotowas.

Die Ausgangslage ist geprägt von einer ungewöhnlichen Konzentration der Macht bei Radew. Nach seinem vorzeitigen Rücktritt als Präsident 2026 gründete er „Progressive Bulgaria“ und führte die Liste bei vorgezogenen Parlamentswahlen im April an, die 131 von 240 Sitzen gewann. Damit verlor das frühere Establishment – GERB unter Bojko Borissow, DPS unter Deljan Peewski sowie PP-DB um Assen Wassilew, Iwajlo Mirtschew und Boshidar Boschanow – die Kontrolle über die politischen Prozesse. Bulgarien hat damit erstmals seit den Protesten der frühen 2020er Jahre wieder eine stabile Regierung mit einer Einparteienmehrheit.

Mit dieser Mehrheit wurden unter anderem die Geschäftsordnungsregeln des Parlaments geändert und mehrfach Versuche der Opposition blockiert, Minister – zuletzt den Verteidigungsminister wegen russischer Drohnenvorfälle in bulgarischen Schwarzmeergewässern – vor das Parlament zu laden. Die Regierung Radew stemmte sich gegen EU-Sanktionen gegen Patriarch Kirill und den früheren Lukoil-Chef Wagit Alikperow und drohte faktisch mit einem Veto gegen das gesamte Sanktionspaket – eine Rolle, die nach Ansicht der Autoren zuvor der ungarische Premier Viktor Orbán gespielt hatte.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Beide zugrunde liegenden Artikel stammen aus der ukrainischen analytischen Perspektive; sie wurden von Serhij Herasymtschuk und Wolodymyr-Nazarii Hawrysch vom Foreign Policy Council „Ukrainian Prism“ verfasst. Sie deuten die Wahl vor allem im Hinblick auf Risiken und Chancen für die Ukraine. Jegorowa und Radew werden als „prorussisch“ und „fast ein Verbündeter des Kreml“ eingeordnet; Gjurow wird ausdrücklich als pro-ukrainischer Kandidat präsentiert. Im Zentrum steht die Frage, wie ein möglicher Sieg Jegorowas die Unterstützung der EU-Sanktionen und der „Koalition der Willigen“ für Kiew schwächen würde.

Wo die Berichte auseinandergehen

In den Berichten gibt es zwei wesentliche Widersprüche. Erstens: Nach Angaben der „Ukrainska Prawda“ unterzeichnete der bulgarische Außenminister am 15. Juli beim Gipfel im Ukraine–Südosteuropa-Format in Kiew eine gemeinsame Erklärung zur Bedeutung der „Koalition der Willigen“; Premier Radew erklärte anschließend öffentlich, der Minister habe „in Kiew nichts unterzeichnet“. Zweitens: Beim Treffen in New York im September soll Bulgarien nach Aussage der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas einer gemeinsamen Solidaritätserklärung mit der Ukraine gegen Russland beigetreten sein, während die amtierende Präsidentin Jegorowa erklärte, sie habe nichts unterzeichnet.

Hintergrund

Bulgarien befindet sich seit 2021 in einem Zustand immer wiederkehrender politischer Instabilität mit zahlreichen vorgezogenen Wahlen, die keine stabile Mehrheit brachten. 2026 trat der damalige Präsident Rumen Radew vorzeitig zurück und gründete die neue politische Kraft „Progressive Bulgaria“. Bei vorgezogenen Parlamentswahlen im April dieses Jahres errang sie 131 von 240 Sitzen und verdrängte die bisherigen Hauptakteure GERB, DPS und PP-DB aus der politischen Kontrolle. Radew, heute Premierminister, erklärte bereits in den ersten Amtstagen, keine EU-Sanktionen zuzulassen, die der Wirtschaft des Landes schaden könnten.

Parallel wurden der Bau von Rheinmetall-Werken zur Produktion von Pulver und Munition in Bulgarien aus Mangel an Haushaltsmitteln zurückgefahren; das Verteidigungsministerium bemüht sich seit dem Sommer gezielt um den Kauf von MiG-29 und Ersatzteilen für sowjetische Flugzeuge und stellt dabei die eigene Luftraumverteidigung ausdrücklich über die Bedürfnisse der Ukraine.