Protest in Kiew fordert Rücktritt von Bürgermeister Klitschko
Am Samstag, dem 17. Oktober, haben sich mehrere hundert Menschen vor dem Gebäude der Kiewer Stadtverwaltung (KMDA) auf dem Chreschtschatyk versammelt, um den Rücktritt von Kiews Bürgermeister Vitalij Klitschko zu fordern. Die Organisatoren warfen Klitschko jahrelanges systemisches Missmanagement und unzureichende Vorbereitung der Hauptstadt auf den Winter und auf russische Angriffe vor. Klitschkos UDAR-Fraktion hatte zuvor aus Sicherheitsgründen von einer Teilnahme abgeraten.
Das Wichtigste
- Protest am 17. Oktober vor dem KMDA-Gebäude auf dem Chreschtschatyk mit der Forderung nach Klitschkos Rücktritt.
- Die Organisatoren – die Bürgerbewegung „March for Kyiv“ gemeinsam mit dem Veteranen Dmytro Kosjatynsky – warfen Klitschko systemische Probleme und unzureichende Vorbereitung der Stadt auf den Kriegsherbst vor.
- Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf rund 200; hromadske und Radio Swoboda berichteten von mehreren hundert Teilnehmenden; einzelne Gegenpersonen traten für Klitschko auf.
- Klitschkos UDAR-Fraktion rief zuvor unter Verweis auf die Gefahr russischer Drohnenangriffe auf Menschenansammlungen zur Nichtteilnahme auf.
- Die Kiewer Stadtstaatsanwaltschaft hatte zuvor Klage wegen Untätigkeit der Stadtverwaltung und des Stadtrats bei der Errichtung mobiler Schutzräume eingereicht; Klitschko erklärte, die Mittel würden von den Bezirksverwaltungen verwaltet, nicht von ihm.
- Am 14. Oktober kritisierte Präsident Selenskyj Kiew für die verzögerte Umsetzung von Resilienzplänen und kündigte Konsultationen zu dringenden Sicherheits- und Verwaltungsschritten an.
Warum es wichtig ist
Der Protest richtet sich direkt gegen den Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt in einer Phase intensiver russischer Angriffe und vor dem Wintereinbruch. Er macht die öffentliche Unzufriedenheit über die Kriegsvorbereitung Kiews sichtbar, insbesondere beim Schutzraumausbau und der Infrastrukturresilienz. Zudem treten die Spannungen zwischen der Kiewer Stadtverwaltung und der Zentralregierung offen zutage – Präsident Selenskyj hatte die Hauptstadt öffentlich kritisiert. Insgesamt signalisiert das Geschehen mögliche politische Instabilität in Kiew in einem Moment akuter Sicherheitsbelastung.
Was geschehen ist
Am Samstag, dem 17. Oktober 2026, begann vor dem Gebäude der Kiewer Stadtverwaltung (KMDA) auf dem Chreschtschatyk eine Kundgebung mit der Forderung nach dem Rücktritt von Bürgermeister Vitalij Klitschko. Nach Angaben von hromadske und Radio Swoboda versammelten sich mehrere hundert Menschen; die Behörden schätzten die Zahl auf rund 200. Organisiert wurde der Protest laut der Mehrzahl der Quellen von der Bürgerbewegung „March for Kyiv“ zusammen mit dem Veteranen Dmytro Kosjatynsky. Die Demonstrierenden hielten Plakate mit Aufschriften wie „Bürgermeister oder Marodeur?“, „Klitschko – Rücktritt!“, „Klitschko ist ein Teufel!“, „Klitschko, es ist zu spät, sich zu winden – Zeit, Lebewohl zu sagen“, „Die Kiewer fordern Klitschko auf, die Stadt zu verlassen“ sowie „Eure Aufgabe ist es, Kiew sicher, grün und historisch zu machen – nicht menschenleer“. Skandiert wurden unter anderem Parolen wie „Her mit Sozialleistungen, nicht mit dem Natalka-Park“ und „Rücktritt“.
Die Organisatoren warfen Klitschko systemische Probleme in der Stadtverwaltung über Jahre hinweg sowie eine unzureichende Vorbereitung der Hauptstadt auf den Herbst und auf die Herausforderungen des Krieges vor – insbesondere bei Schutzräumen und alternativer Stromversorgung. Im Vorfeld der Kundgebung hatte Klitschkos UDAR-Fraktion die Kiewer Bevölkerung unter Verweis auf die Gefahr russischer Drohnenangriffe auf Menschenansammlungen aufgefordert, nicht teilzunehmen. Gleichzeitig traten einzelne Personen mit eigenen Plakaten zugunsten Klitschkos auf, darunter eine Frau mit der Aufschrift „Sely, stopp. Finger weg von Klitschko“.
Hintergrund der Spannungen ist unter anderem eine Klage der Kiewer Stadtstaatsanwaltschaft wegen angeblicher Untätigkeit der Stadtverwaltung und des Stadtrats beim Aufbau mobiler Schutzräume. Klitschko wies die Vorwürfe als haltlos zurück und erklärte, die Mittel für Schutzräume seien bereitgestellt worden, würden jedoch von den Bezirksverwaltungen und nicht von ihm persönlich verwaltet.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen benennen die Organisatoren unterschiedlich: Ein Teil nennt die Bewegung „March for Kyiv“ und den Veteranen Dmytro Kosjatynsky, andere schreiben die Organisation mehreren Bürgerorganisationen zu. Auch die Teilnehmerzahl wird nicht einheitlich angegeben – hromadske und Radio Swoboda sprachen von mehreren hundert Teilnehmenden, während die Polizei rund 200 Demonstrierende schätzte.
Hintergrund
Mitte Oktober hatte Präsident Selenskyj Kiew öffentlich dafür kritisiert, bei der Umsetzung von Resilienzplänen im Vergleich zu anderen Regionen im Rückstand zu sein, und Konsultationen über dringende Sicherheits- und Verwaltungsschritte angekündigt. Am 14. Oktober war Klitschko in der Werchowna Rada erschienen und hatte erklärt, die Stadt operiere unter ständigen russischen Angriffen und werde von der Zentralregierung mit „Schlägen“ konfrontiert. Die Abgeordnete Marjana Besuhla hatte zuvor ein parlamentarisches Hearing zu Klitschko vorgeschlagen. Bereits am 8. Oktober hatte Klitschko in einem AFP-Interview erneut empfohlen, dass Kiewer mit der Möglichkeit dazu die Stadt wegen der russischen Angriffe vorübergehend verlassen sollten. Die Kiewer Stadtverwaltung hatte die Bevölkerung aufgefordert, Lebensmittel und Wasser zu bevorraten, Wohnungen zu isolieren und Powerbanks aufzuladen. In den Wochen zuvor war Kiew täglich von Jet-Drohnen („Schahed“) angegriffen worden, deren Abfangquote laut Berichten niedriger ausfällt als bei langsameren Drohnentypen.