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Ukraine sanktioniert 49 Entitäten: „Rasswet“-Zulieferer und 39 Schiffe der Schattenflotte

Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Sanktionen gegen 10 Unternehmen und 19 russische Bürger verhängt, die an der Entwicklung der Satellitenkommunikationssystem „Rasswet“ beteiligt sind, sowie gegen 39 Schiffe der russischen Schattenflotte. Die Maßnahmen greifen die Zulieferketten des noch in Entwicklung befindlichen Systems und den russischen Energieexport an.

Das Wichtigste

  • Die Sanktionen traten auf Grundlage der Präsidialdekrete Nr. 1072/2026 und Nr. 1073/2026 in Kraft.
  • Betroffen sind 10 Unternehmen und 19 russische Bürger aus dem Umfeld des „Rasswet“-Projekts.
  • Zu den sanktionierten Unternehmen gehören „Büro 1440“, „Labs 1440“, „FAB Rasswet“, das belarussische „Aerospace Instruments“, „5C Group“, „Akvamash“, „El-Optics“, „Jelesar-Group“ und „Maly Spacecraft“.
  • Die 39 Schiffe der Schattenflotte transportieren russisches Rohöl, Erdölprodukte und Gaskondensat.
  • Die Schiffe fahren unter den Flaggen von 13 Staaten und Jurisdiktionen; 17 tragen die russische Flagge.
  • Der Tanker Vasily Dinkov unternahm im ersten Halbjahr 2026 15 Fahrten mit rund 726.000 Tonnen russischem Rohöl.
  • Ein Teil der gelisteten Schiffe unterliegt bereits Beschränkungen der EU, des Vereinigten Königreichs, der USA, Kanadas, der Schweiz und Australiens.

Warum es wichtig ist

Die Maßnahmen zielen auf die Zulieferketten einer russischen Kommunikationsplattform, die nach ukrainischen Angaben die Koordination von Truppen sowie die Echtzeitsteuerung von Kampfdrohnen und Raketen in der Ukraine erleichtern soll. Weil Sanktionen bereits während der Entwicklungsphase greifen, will die Ukraine den Zugang zu ausländischen Technologien, Ausrüstungen und Komponenten unterbinden, bevor das System operationell wird. Die Schiffssanktionen treffen zugleich den Export russischer Energieträger und sollen durch abgestimmte Maßnahmen der Partnerstaaten verstärkt werden.

Was geschehen ist

Selenskyj hat zwei Sanktionspakete unterzeichnet. Das erste umfasst 10 Unternehmen und 19 Bürger, die an „Rasswet“ beteiligt sind. „Büro 1440“ entwickelt und integriert das Projekt als System, „Labs 1440“ fertigt Solarbatterien für Weltraumsatelliten, „FAB Rasswet“ entwickelt und produziert Kommunikationssatelliten im niedrigen Orbit sowie Teilnehmerterminals, und das belarussische Unternehmen „Aerospace Instruments“ arbeitet an Komponenten und Prototypen für Luft- und Raumfahrtsysteme. Weitere sanktionierte Firmen liefern industrielle Ausrüstung, optische und elektronische Komponenten sowie Technik für die Satellitenkommunikation.

Das zweite Paket umfasst 39 Schiffe der russischen Schattenflotte, die Rohöl, Erdölprodukte und Gaskondensat zu Häfen in China, Indien, Ägypten, der Türkei und anderen Ländern transportieren. Die Ukraine will die Daten über die Schiffe an Partner übermitteln, damit die Einschränkungen in anderen Jurisdiktionen synchronisiert werden können.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Die ukrainische Berichterstattung stellt die Sanktionen als präventive Maßnahme gegen den Aufbau einer militärischen Satellitenkommunikationsfähigkeit Russlands dar. Im Mittelpunkt stehen die konkreten Rollen der sanktionierten Unternehmen bei Entwicklung, Komponentenfertigung und Ausrüstungslieferung sowie die Einbeziehung eines belarussischen Unternehmens. Das Paket gegen die Schattenflotte wird als Teil eines breiteren Ansatzes zur Einschränkung russischer Energieexporte und zur Koordination internationaler Beschränkungen präsentiert.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Ein Teil der neu sanktionierten Schiffe unterliegt bereits den Beschränkungen der Europäischen Union, des Vereinigten Königreichs, der USA, Kanadas, der Schweiz und Australiens. Die internationale Wirkung der ukrainischen Listen hängt daher wesentlich davon ab, ob Partner die Maßnahmen in ihren Jurisdiktionen übernehmen und mit den bestehenden Regime abstimmen.

Wo die Berichte auseinandergehen

Russland bezeichnet „Rasswet“ als ziviles Projekt und als Analogon zu Starlink, während ukrainische Behörden es als System darstellen, das für militärische Befehlsgebung, Drohnenkontrolle und Raketenlenkung in der Ukraine geplant sei. Zudem warnen ukrainische Vertreter vor einer möglichen Echtzeitsteuerung von Waffen und Gefahren für andere Länder, während in der Berichterstattung genannte Experten wegen der begrenzten Startkapazitäten Russlands erwarten, dass das System den Bestand von Starlink mit über 10.000 Satelliten nicht erreichen werde.

Hintergrund

„Rasswet“ ist ein russisches Projekt eines Kommunikationssatellitensystems im niedrigen Orbit, das von „Büro 1440“ entwickelt und in das System integriert wird. Die Ukraine erklärte, dass seine Umsetzung von ausländischen Technologien, Ausrüstungen und Komponenten abhängt. Am 28. Oktober veröffentlichte die ukrainische Militärgeheimdienst-Direktion Angaben zu Dutzenden beteiligten russischen und belarussischen Unternehmen. Nach Angaben von Reuters plante „Büro 1440“, im nächsten Jahr Hunderte von „Rasswet“-Satelliten im Orbit zu haben.

Im Bereich der Schattenflotte hatte die Ukraine zuvor 91 Schiffe sanktioniert. Die EU und das Vereinigte Königreich sanktionierten seit Ende 2023 mehr als 650 Schiffe, die Öl aus Russland, Iran und Venezuela transportieren. Nach Berechnungen von CREA fügte Russland zwischen Januar 2025 und Ende Juni 2026 insgesamt 107 Schiffe zu seinem Register hinzu, wobei 87 Prozent bereits bei der Registrierung unter Sanktionen standen; das gesamte russische Schiffsregister wuchs damit von 280 auf 382 Einträge.