Ramstein-Treffen: Deutschland liefert PAC-2-Raketen aus Bundeswehr-Beständen und kündigt „City Dome“-Projekt an
Beim 36. Treffen der Ukraine Defense Contact Group im Ramstein-Format am 8. September hat Deutschland die sofortige Lieferung von PAC-2-Abfangraketen für Patriot-Systeme sowie zusätzliche AIM-9-Raketen aus Bundeswehr-Beständen angekündigt. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius stellte zudem das Projekt „City Dome“ zum Schutz ukrainischer Städte vor, während NATO-Generalsekretär Mark Rutte vor Rekordverlusten unter der Zivilbevölkerung warnte.
Das Wichtigste
- Das 36. UDCG-Treffen im Ramstein-Format fand am 8. September virtuell statt; Redner waren Mark Rutte, Boris Pistorius, Wes Streeting, Yevheniy Khmara und Elbridge Colby.
- Deutschland liefert umgehend PAC-2-Abfangraketen für Patriot-Systeme aus Bundeswehr-Beständen – noch vor Winterbeginn.
- Deutschland erhöht Lieferungen von AIM-9-Luft-Luft-Raketen aus Bundeswehr-Beständen; diese werden bereits übergeben.
- Die Ukraine bestellt mit EU-Kreditmitteln mehrere tausend zusätzliche IRIS-T-Lenkwaffen; der Auftrag soll eine weitere Produktionslinie beim Hersteller ermöglichen.
- Deutschland finanziert Zehntausende Langstrecken-Artilleriegeschosse, die über ein britisches Konsortium beschafft und geliefert werden.
- Boris Pistorius kündigte das Projekt „City Dome“ zum Schutz ukrainischer Städte vor Drohnen- und Raketenangriffen an; Details und Zeitplan wurden nicht genannt.
- Das Vereinigte Königreich stellt 100 Millionen Pfund (rund 135 Millionen US-Dollar) für ein Luftverteidigungspaket im Rahmen der PURL-Initiative bereit, einschließlich Patriot-Raketen.
Warum es wichtig ist
Deutschland verlässt mit Lieferungen direkt aus aktiven Bundeswehr-Beständen die Ebene symbolischer Zusagen und beschleunigt so die Luftverteidigung der Ukraine vor dem Winter. Das neue Projekt „City Dome“ signalisiert einen Wandel hin zu integriertem städtischem Schutz gegen Drohnen und Raketen. Die gleichzeitige Ankündigung eines koordinierten Pakets mehrerer Länder – darunter britische Mittel über PURL, EU-kreditfinanzierte Patriot- und IRIS-T-Bestellungen sowie Beiträge aus Norwegen, den Niederlanden, Estland, Spanien, Litauen, Polen und Schweden – zeigt einen abgestimmten Vorwinter-Einsatz. NATO-Generalsekretär Mark Rutte ordnete den Konflikt als prägend für das gesamte euro-atlantische Sicherheitsumfeld ein und verwies auf die höchste Zahl ziviler Opfer seit Mai 2022. US-Politik-Staatssekretär Elbridge Colby beschrieb den Konflikt als langwierig, mit fortbestehendem Bedarf über Monate und Jahre.
Was geschehen ist
Beim 36. Treffen der Ukraine Defense Contact Group im Ramstein-Format am 8. September, das virtuell stattfand, kündigte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius die sofortige Lieferung von PAC-2-Abfangraketen für Patriot-Systeme aus Bundeswehr-Beständen an, die noch vor Winterbeginn in der Ukraine eintreffen sollen. Deutschland wird zudem die Lieferungen von AIM-9-Luft-Luft-Raketen aus eigenen Beständen erhöhen, die bereits jetzt zur Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung vor dem Winter übergeben werden. Pistorius stellte das neue Projekt „City Dome“ vor, mit dem ein Schutzschild gegen Drohnen- und Raketenangriffe über ukrainischen Städten entstehen soll; Einzelheiten zum System und Zeitplan wurden nicht genannt. Deutschland finanziert außerdem Zehntausende Langstrecken-Artilleriegeschosse, die über ein britisches Konsortium für Artillerie und Luftverteidigung beschafft und an die Ukraine geliefert werden. Die Ukraine bestellt mit EU-Kreditmitteln mehrere tausend zusätzliche IRIS-T-Lenkwaffen; der Großauftrag soll dem Hersteller ermöglichen, eine weitere Produktionslinie aufzubauen. NATO-Generalsekretär Mark Rutte erklärte, die Zahl ziviler Todesopfer in der Ukraine sei derzeit die höchste seit Mai 2022, und forderte mit Blick auf das in Ankara zugesagte Ziel von 70 Milliarden Euro bilaterale Unterstützung ein. UK-Verteidigungsminister Wes Streeting kündigte 100 Millionen Pfund für ein Luftverteidigungspaket im Rahmen der PURL-Initiative an. US-Politik-Staatssekretär Elbridge Colby bezeichnete den Konflikt als langwierig und forderte Europa zu nachhaltiger Beschaffung auf. Der ukrainische Verteidigungsminister Yevheniy Khmara, der erstmals am Ramstein-Treffen teilnahm, erklärte, die Ukraine schließe mit Partnern und einem EU-Kredit Verträge über rund 1.000 Patriot-Raketen ab, die jedoch größtenteils erst in den kommenden Jahren geliefert würden.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen nennen unterschiedliche Zahlen für das ukrainische Verteidigungsbudgetdefizit im Zusammenhang mit den Ramstein-Äußerungen Khmara: Eine Quelle verweist auf die von Präsident Selenskyj im August genannten rund 27 Milliarden Euro, eine andere auf die von Khmara beim Treffen genannten rund 23 Milliarden Euro.
Hintergrund
Das Treffen fand vor dem Hintergrund eines russischen Angriffs auf Kiew in der Nacht vom 7. auf den 8. September mit ballistischen Raketen statt; nach ukrainischen Angaben wurden fünf Menschen getötet und 29 verletzt, Wohngebäude und eine Bildungseinrichtung wurden beschädigt. Der ukrainische Verteidigungsminister Yevheniy Khmara (auch als Yevhenii Khmara bezeichnet) nahm erstmals am Ramstein-Treffen teil. Vor dem Treffen hatte die Ukraine der NATO eine Liste dringender Bedarfe im Bereich Luft- und Raketenabwehr übermittelt. Beim NATO-Gipfel in Ankara im Juli hatten die Verbündeten 70 Milliarden Euro Militärhilfe für die Ukraine zugesagt; laut Khmara sind davon 62 Milliarden Euro bereits bereitgestellt, acht Milliarden Euro fehlen noch. Am 2. September hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mitgeteilt, die Ukraine habe förmlich beantragt, PAC-3-Patriot-Raketen über einen EU-Kredit von 90 Milliarden Euro zu finanzieren; am 7. September wurde die Genehmigung dieses Antrags durch die Europäische Kommission gemeldet. Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting bezifferte die prioritären Bedarfe der Ukraine auf 300 Patriot-Raketen, 500 luft-zu-luft-fähige Abfangraketen gegen Marschflugkörper und zwei Milliarden US-Dollar für Drohnen.