Selenskyj: Russland bereitet Mobilisierung von 300.000 weiteren Soldaten vor
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 8. September, Russland plane die Einberufung von mindestens 300.000 zusätzlichen Soldaten. Die Infrastruktur dafür sei vorbereitet, mit der Umsetzung sei nach den Dumawahlen Ende September zu rechnen.
Das Wichtigste
- Selenskyj nennt eine Zahl von mindestens 300.000 zusätzlichen russischen Soldaten.
- Die russische Infrastruktur für die Mobilisierung sei laut Selenskyj bereits vorbereitet.
- Moskau werde eine Mobilisierung bis zum Abschluss der Dumawahlen am 20. September nicht öffentlich ankündigen.
- Die ukrainische Seite erwartet den Beginn der Mobilisierungsmaßnahmen nach der Wahl.
- Schätzungen variieren: Ukrainischer Geheimdienst nennt 300.000–500.000 Personen im Herbst; das Präsidialamt verwies zuvor auf eine vorbereitete Option für 600.000 in den Jahren 2026–2027.
- Russische Behörden versichern der Öffentlichkeit, es werde keine neue Mobilisierung geben.
Warum es wichtig ist
Sollte Russland tatsächlich eine großangelegte zusätzliche Mobilisierung umsetzen, würde dies die für den Krieg in der Ukraine verfügbare Personalstärke erheblich erweitern. Der erwartete Zeitpunkt nach den Dumawahlen legt nahe, dass Moskau eine öffentliche Ankündigung vermeidet, um soziale Spannungen im eigenen Land nicht zu schüren. Selenskyjs Aussagen verknüpfen die verstärkten russischen Luftangriffe auf die Ukraine zudem mit Misserfolgen an der Front und innenpolitischer Signalwirkung.
Was geschehen ist
Am 8. September erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, Russland bereite die Einberufung von mindestens 300.000 zusätzlichen Militärangehörigen vor. Nach seinen Angaben ist unklar, ob die Mobilisierung verdeckt oder offen erfolgen werde, die Infrastruktur sei jedoch bereits vorbereitet. Selenskyj sagte weiter, die russische Führung werde bis zum Abschluss der Wahlen zur Staatsduma am 20. September jede Vorbereitung einer Mobilisierung verneinen, um die eigene Gesellschaft nicht zu beunruhigen. Die ukrainische Seite rechnet mit dem Beginn der Mobilisierungsmaßnahmen erst nach der Wahl. Zugleich wies Selenskyj russische Angaben über angebliche Eroberungen – etwa in Swjatohirsk und Sumy – als Lüge zurück und erklärte, die ukrainischen Streitkräfte hielten Swjatohirsk vollständig unter Kontrolle. Die intensiven russischen Luftangriffe auf die Ukraine führte er auf Misserfolge an der Front und auf den Wunsch Moskaus zurück, der eigenen Bevölkerung Stärke zu demonstrieren.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Quellen stellen Selenskyjs Aussagen in den Mittelpunkt und rahmen die Mobilisierungsbehauptung als akute, unmittelbar bevorstehende russische Bedrohung im Zusammenhang mit der Zeit nach den Dumawahlen. Die Berichterstattung betont russische Misserfolge an der Front und die verstärkten Luftangriffe auf die Ukraine als bewusste Signalpolitik Moskaus.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Schätzungen zum Umfang einer möglichen russischen Mobilisierung weichen voneinander ab: Selenskyj nennt mindestens 300.000, der ukrainische Geheimdienst spricht für den Herbst von 300.000 bis 500.000 Personen, und das Präsidialamt hatte zuvor auf eine vorbereitete Option für 600.000 in den Jahren 2026–2027 verwiesen.