Russische Eliten fürchten offenbar neue Mobilmachung nach den Dumawahlen
Berichten von Bloomberg zufolge befürchten Teile der russischen Eliten und Kremlbeamte nach den Parlamentswahlen eine neue großangelegte Mobilmachung. Einige sollen Vermögen ins Ausland schaffen und Verwandte zum Verlassen Russlands drängen. Putin weist das öffentlich zurück, doch eine Quelle eines europäischen Sicherheitsdienstes spricht von einer geplanten Einberufung von bis zu 300.000 Personen bis Jahresende.
Das Wichtigste
- Bloomberg veröffentlichte den Bericht am 18. September 2026, basierend auf Dokumenten und informierten Quellen
- Berichte über wachsende Angst unter Kremlbeamten und Militärkomissariatsmitarbeitern vor einer neuen Mobilmachungswelle nach der Dumawahl
- Putin weist öffentlich Vorbereitungen für eine neue Mobilisierung zurück
- Ein Vertreter eines europäischen Sicherheitsdienstes gibt an, Russland plane bis Jahresende rund 300.000 weitere Personen einzuberufen
- Anders als im September 2022 könnte der neue Aufruf ohne öffentliche Mobilmachungserklärung erfolgen
- Einige Beamte und Mitarbeiter der Militärkomissariate versuchen Berichten zufolge, im Ausland Konten zu eröffnen, Vermögen zu verlegen und Verwandten zur Ausreise zu raten
- Vor den Wahlen stieg die Zahl der Ausreisen in Nachbarländer wie Georgien und Armenien
- Die digitale Einberufungsinfrastruktur ist mit Steuer-, Polizei-, Medizin-, Immobilien- und Grenzkontrolldaten verknüpft
- Nach Berechnungen des Bloomberg-Analysten Alex Kockcharov verliert die russische Armee seit Jahresbeginn im Schnitt rund 33.000 Tote und Verwundete pro Monat bei durchschnittlich nur 104 Quadratkilometern Vormarsch
- Zwischen Mai und August 2026 eroberten russische Kräfte demnach etwa 155 Quadratkilometer ukrainisches Territorium
Warum es wichtig ist
Der Bericht verweist auf eine mögliche Ausweitung der russischen Kriegsanstrengungen gegen die Ukraine durch eine erneute großangelegte Mobilmachung und beleuchtet zugleich die Nervosität und den Vertrauensverlust innerhalb russischer Eliten. Er macht zudem deutlich, dass Putins öffentliche Dementis nicht alle westlichen Beobachter überzeugen und die freiwillige Reserve für die russische Armee schrumpft, während die Verluste hoch bleiben.
Was geschehen ist
Bloomberg berichtete am 18. September 2026 unter Berufung auf Dokumente und mit der Lage vertraute Quellen, dass unter Kremlbeamten und Mitarbeitern der Militärkomissariate die Sorge vor einer neuen großangelegten Mobilmachung nach den Dumawahlen wächst. Einige dieser Personen hätten versucht, im Ausland Bankkonten zu eröffnen, Vermögen ins Ausland zu verlagern und Freunde sowie Verwandte zum Verlassen Russlands zu bewegen. Auch vor den Wahlen sei die Zahl der Ausreisen in Nachbarländer wie Georgien und Armenien gestiegen. Ein Vertreter eines europäischen Sicherheitsdienstes erklärte gegenüber Bloomberg, Russland plane, bis Ende des Jahres rund 300.000 weitere Männer einzuberufen. Anders als bei der Teilmobilmachung im September 2022 könnte ein neuer Aufruf ohne eine separate öffentliche Mobilmachungserklärung erfolgen. Wladimir Putin wies öffentlich Vorbereitungen für eine neue Mobilmachung zurück. Europäische Beamte sagten laut Bloomberg, Putin habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen; im Kreml erinnere man sich an die negative Reaktion der Bevölkerung auf den Aufruf von 2022. Eine informierte Moskauer Quelle sprach von etwa 1.000 Gefallenen pro Woche an der Front und einer als äußerst gering beschriebenen Qualität der neuen Vertragssoldaten mit dem russischen Verteidigungsministerium.
Wo die Berichte auseinandergehen
Putin weist öffentlich jede Vorbereitung einer neuen Mobilmachungswelle zurück. Ein europäischer Sicherdienstvertreter gibt hingegen an, Russland plane die Einberufung von bis zu 300.000 Personen bis Jahresende; eine andere Quelle beschreibt den freiwilligen Reservistenpool als erschöpft. Bloomberg weist zugleich darauf hin, dass die Sorge vor einer neuen Mobilmachung nicht bedeute, dass eine entsprechende Entscheidung bereits getroffen wurde.
Hintergrund
Bei der Mobilmachung im September 2022 flohen tausende Russen aus dem Land. Seitdem hat der Kreml eine digitale Infrastruktur für die Einberufung aufgebaut und zugleich potenzielle Ausreisewege eingeschränkt. Die digitale Einheitliche Militärregistrierung ist mit Steuerdaten, Polizei, medizinischen Daten, Immobilienregistern und Grenzkontrollsystemen verknüpft. Die Vollinvasion Russlands gegen die Ukraine dauert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits fünf Jahre an.