AfD verhandelt mit Gazprom über Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen
Die rechtsradikale deutsche Partei Alternative für Deutschland (AfD) führt Gespräche mit Russland über eine mögliche Wiederaufnahme billiger Gaslieferungen. Der außenpolitische Sprecher der AfD, Markus Frohnmaier, reiste nach Moskau und traf sich dort mit dem Vorstandsvorsitzenden von Gazprom, Alexei Miller. Nach den Landtagswahlerfolgen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern forderte die AfD Bundeskanzler Friedrich Merz auf, direkt mit Moskau zu verhandeln.
Das Wichtigste
- Der außenpolitische Sprecher der AfD, Markus Frohnmaier, reiste nach Moskau und traf sich dort persönlich mit dem Vorstandsvorsitzenden von Gazprom, Alexei Miller.
- Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD, Beatrix von Storch, bestätigte die Gespräche in einem Interview mit der Deutschen Welle.
- Die AfD erreichte in Mecklenburg-Vorpommern über 38 % der Stimmen; die CDU von Friedrich Merz schied mit 4,9 % aus dem Landtag aus.
- Zuvor hatte die AfD bereits einen deutlichen Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt errungen.
- AfD-Chefin Alice Weidel warf am 9. September im Bundestag der Ukraine die Verantwortung für die Sabotage der Nord-Stream-Pipelines im September 2022 vor.
- AfD-Co-Chef Tino Chrupalla forderte Kanzler Merz auf, nach Moskau zu reisen, um die Eskalation zu stoppen.
- Reuters berichtet, dass Kirill Dmitrijew, Wirtschaftsberater von Wladimir Putin, und die AfD-Führung ein Treffen vorbereiten, das laut Quellen im März 2027 stattfinden könnte.
Warum es wichtig ist
Eine führende deutsche Partei verhandelt offen mit einem russischen Staatskonzern über Energieimporte trotz des anhaltenden Krieges gegen die Ukraine. Die AfD steht in bundesweiten Umfragen bei rund 29 % und könnte laut Bild ihre Mandate im Bundestag verdreifachen, wodurch eine Normalisierung des Verhältnisses zu russischem Gas Teil der politischen Debatte in der größten Volkswirtschaft Europas werden könnte. AfD-Chefin Weidel hat zudem die Ukraine für die Sabotage der Nord-Stream-Pipelines verantwortlich gemacht.
Was geschehen ist
Die rechtsradikale Alternative für Deutschland (AfD) verhandelt nach eigenen Angaben mit Russland über die mögliche Wiederaufnahme billiger Gaslieferungen. Der außenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Markus Frohnmaier, reiste nach Moskau und sprach dort persönlich mit dem Vorstandsvorsitzenden von Gazprom, Alexei Miller. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Beatrix von Storch bestätigte die Reise und das Gespräch in einem Interview mit der Deutschen Welle und erklärte, die AfD sei an einer Wiederaufnahme des Handels mit Moskau interessiert, um bezahlbare Energie für die deutsche Wirtschaft zu sichern. Am 9. September sagte AfD-Co-Chefin Alice Weidel in den Generaldebatten des Bundestages, Deutschland brauche billiges Erdgas aus Russland, und schrieb der Ukraine die Verantwortung für die Sabotage der Nord-Stream-Pipelines im September 2022 zu. Nach Siegen der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern – wo die Partei über 38 % erreichte und die CDU von Kanzler Friedrich Merz mit 4,9 % den Einzug in den Landtag verpasste – rief Co-Chef Tino Chrupalla auf einer Pressekonferenz den Kanzler auf, „endlich nach Moskau zu fahren", um die Eskalation zu stoppen. Laut Reuters bereiten Kirill Dmitrijew, Wirtschaftsberater von Wladimir Putin, und die AfD-Führung zugleich ein Treffen vor, das nach Angaben von Quellen im März 2027 stattfinden könnte.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Alle zur Auswertung herangezogenen Quellen sind ukrainischsprachige Medien. Sie rücken die Kontakte der AfD nach Moskau als politisch bedeutsames Ereignis in den Kontext des Krieges gegen die Ukraine. Besonders hervorgehoben wird Weidels Zuschreibung der Verantwortung für die Nord-Stream-Sabotage an Kiew, da diese die reputationspolitische Dimension für die Ukraine unmittelbar berührt. Die Berichte betonen zudem den Verhandlungscharakter – die AfD „verhandelt bereits" mit Gazprom – und stellen die Reise als etablierte Kontaktaufnahme dar, nicht als bloße politische Diskussion.
Hintergrund
Vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 lieferte Russland mehr als die Hälfte der deutschen Erdgasimporte und mehr als ein Drittel der Rohölimporte. Im April 2026 sprach sich die AfD für eine Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Pipeline aus; im Mai 2026 widersetzte sie sich der Übertragung eines stillgelegten Gaskraftwerks in Mecklenburg-Vorpommern an die Ukraine. In bundesweiten Umfragen liegt die AfD bei 29 %, nach Berechnungen von Bild könnte sie ihre Mandate im Bundestag verdreifachen. In Deutschland laufen derzeit Wahlen auf Landesebene.