Selenskyj: Ukraine fängt 70 Prozent aller Drohnen ab – bei reaktiven Shaheds nur 57 Prozent
In seiner Abendansprache am 28. September erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, die ukrainische Luftabwehr schieße insgesamt 70 Prozent der russischen Drohnen ab, bei reaktiven (düsenangetriebenen) Shaheds jedoch nur 57 Prozent. Er kündigte eine beschleunigte Entwicklung neuer heimischer Abfangdrohnen an. Am selben Tag hatte Russland die Ukraine nach Angaben der Luftstreitkräfte mit 124 Kampfdrohnen angegriffen, 86 davon reaktiv; landesweit gab es neun Tote und mehr als 80 Verletzte.
Das Wichtigste
- Selenskyj nannte in seiner Abendansprache vom 28. September eine Gesamtabfangquote von 70 Prozent bei Drohnen.
- Bei reaktiven (düsenangetriebenen) Shaheds liege die Quote laut Selenskyj nur bei 57 Prozent – deutlich unter dem benötigten Wert.
- Die Luftstreitkräfte der Ukraine meldeten bis 18:30 Uhr 124 Kampfdrohnen, davon 86 reaktiv, sowie Typen wie Gerbera und „Banderole"/Dan-T.
- 86 Drohnen wurden abgefangen oder unterdrückt, 49 davon reaktiv; Einschläge wurden an 26 Stellen registriert.
- Neue ukrainische Abfangdrohnen gegen reaktive Ziele werden intensiv getestet; einige Kampfgruppen setzen sie bereits ein, Massenproduktion steht noch aus.
- Am 28. September starben nach Selenskyjs Angaben landesweit neun Menschen, mehr als 80 wurden verletzt.
- In Kiew traf eine reaktive Shahed das Gebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften; eine weitere reaktive Drohne erreichte nach Angaben der Behörden die Grenze zu Polen.
Warum es wichtig ist
Reaktive Drohnen sind für die ukrainische Luftabwehr wesentlich schwerer zu treffen als konventionelle Modelle, und Russland weitet deren Produktion und Einsatz massiv aus. Die Quote von nur 57 Prozent bei reaktiven Zielen zeigt eine reale Fähigkeitslücke, die Selenskyj mit einer beschleunigten heimischen Drohnenabwehr schließen will. Ein einziger Angriffstag am 28. September verdeutlicht die humanitären Folgen: neun Tote, mehr als 80 Verletzte und Treffer in zivilen Einrichtungen.
Was geschehen ist
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in seiner Abendansprache am 28. September, die ukrainische Luftabwehr schieße insgesamt 70 Prozent der russischen Drohnen ab, bei reaktiven (düsenangetriebenen) Shaheds jedoch nur 57 Prozent – ein Wert, den er als deutlich zu niedrig bezeichnete. Er kündigte an, dass neue ukrainische Abfangdrohnen gegen reaktive Ziele aktiv getestet würden; einige Kampfgruppen setzten sie bereits ein, für Wirksamkeit und Massenproduktion sei jedoch weitere Feinarbeit nötig. Die Luftstreitkräfte der Ukraine meldeten bis 18:30 Uhr 124 Kampfdrohnen in der Angriffswelle, davon 86 reaktiv sowie Drohnen vom Typ Gerbera, „Banderole"/Dan-T und andere; 86 Drohnen wurden abgefangen oder unterdrückt, 49 davon reaktiv, doch wurden Einschläge an 26 Stellen registriert. Am Abend des 28. September starben nach Selenskyjs Angaben landesweit neun Menschen, mehr als 80 wurden verletzt. In Kiew traf eine reaktive Shahed das Gebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften im Shevchenkiwskyj-Distrikt und tötete Natalija Bukalo, eine Assistentin des ehemaligen NSDC-Sekretärs Wolodymyr Horbulyn; sechs weitere Menschen wurden dort verletzt, eine weitere Person wurde später unter den Trümmern tot geborgen. In Kiew wurde zudem die Dobrobut-Klinik im Holosiijwskyj-Distrikt getroffen (acht Verletzte), in Dnipro ein Geschäftszentrum (drei Tote, 18 Verletzte), in Odessa ein zwölfgeschossiges Wohnhaus (vier Verletzte) und in Saporischschja ein Unternehmen von Ukrzaliznyzja (mehr als 30 Verletzte). Auch die Oblasten Sumy und Charkiw wurden angegriffen, eine reaktive Drohne erreichte nach Behördenangaben die Grenze zu Polen.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen weichen bei den Drohnenzahlen des 28. September voneinander ab: Selenskyj sprach in seiner Ansprache von mehr als 120 Drohnen, davon etwa 90 reaktive, während die Luftstreitkräfte der Ukraine 124 Kampfdrohnen mit 86 reaktiven Drohnen meldeten. Auch die Abfangquoten für reaktive Drohnen divergieren: Selenskyj nannte am 28. September 57 Prozent, während Luftstreitkräfte-Sprecher Jurij Ihnat gegenüber der Financial Times zuvor rund 60 Prozent angegeben hatte; konventionelle Drohnen mit Benzinmotor werden demnach in 90 bis 95 Prozent der Fälle abgefangen.
Hintergrund
Russland erhöht seinen Einsatz reaktiver (düsenangetriebener) Shahed-Drohnen gegen die Ukraine deutlich. Selenskyj hatte am 26. September mitgeteilt, Russland wolle im kommenden Jahr 12 Milliarden US-Dollar allein für die Produktion reaktiver Drohnen und Drohnenmunition ausgeben. Im September griff Russland die Ukraine laut Angaben mit mehr als 2.730 reaktiven Shaheds an, von denen über 1.500 abgefangen oder unterdrückt wurden. Die Ukraine treibt parallel eigene Abfangdrohnen voran: 67 Unternehmen arbeiten nach Selenskyjs Angaben an entsprechenden Technologien; bereits am 19. und 23. September hatte er erfolgreiche Tests gezeigt. Zu den ersten einsatzbereiten Systemen gehört Alexa Spatium (seit August bei den Streitkräften im Einsatz), neu vorgestellt wurde Zorelit v5 mit bis zu 416 km/h Höchstgeschwindigkeit und bis zu 47 km Reichweite. Der Leiter des Präsidialamtes, Kyrylo Budanow, erklärte, die Ukraine könnte innerhalb weniger Monate mit dem massenhaften Kampfeinsatz heimischer Abfangdrohnen beginnen.