Ukraine wirft Russland KI-gestützte Drohnenangriffe und Aufrüstung der „Geran"-Serie vor
Der stellvertretende Kommandeur der ukrainischen Luftwaffe, Jurij Tscherewaschenko, hat am 6. Oktober erklärt, Russland setze bereits Künstliche Intelligenz zur Planung von Angriffsrouten und Zielerfassung ein. Gleichzeitig treibt Moskau die Aufrüstung seiner Drohnen voran: Eine modernisierte turbojetgetriebene „Geran-4" mit Brücken-spezifischer Hohlladung, der größere Aufklärer „Molnija-13" und schnellere Jet-Drohnen, die laut Prognose 800–900 km/h erreichen könnten. Die Ukraine entwickelt mit etwa 20 Herstellern Abfangdrohnen, doch Massenlieferungen werden frühestens Ende November erwartet.
Das Wichtigste
- Stellvertretender Luftwaffenkommandeur Jurij Tscherewaschenko sagte am 6. Oktober, Russland nutze bereits KI für Angriffsplanung und Zielerfassung, auch bei den langen Angriffswellen auf Odessa.
- Der Drohnenanteil mit Jet-Antrieb ist seit Juli auf rund 40 % aller gegen die Ukraine eingesetzten Drohnen gestiegen, auf einzelnen Achsen bis zu 60 %; die Luftwaffe prognostiziert einen Anteil von etwa 80 %.
- Aktuelle russische Jet-Drohnen erreichen bis zu 600 km/h; die Luftwaffe erwartet eine Steigerung auf 800–900 km/h, wobei solche Geschwindigkeiten bisher nicht beobachtet wurden.
- Der ukrainische Militärnachrichtendienst (HUR) meldet eine modernisierte „Geran-4" mit russischem statt chinesischem Triebwerk aus der Sonderwirtschaftszone „Alabuga" und einer neuen kumulativ-schneidenden Hohlladung (KRSN) gegen Brücken.
- Die neue „Geran-4"-Version enthält Komponenten für autonome Navigation, darunter einen hochpräzisen magnetoinduktiven Sensor amerikanischer Produktion, der laut HUR auch unter Störbedingungen funktioniert.
- Am 5. Oktober meldete der 8. Armeekorps der Ukraine die Interzeption des neuen russischen Aufklärungsdrohnen „Molnija-13", der 1,5-mal größer als frühere Versionen ist und vier Triebwerke hat.
- Etwa 20 ukrainische Hersteller entwickeln Jet-Drohnen-Abfänger; 14 führen Testflüge durch, 6 haben Ergebnisse bei der Drohnenbekämpfung erzielt, 3 gelten als aussichtsreich – Massenlieferungen werden jedoch frühestens Ende November erwartet.
Warum es wichtig ist
Russland weitet seine Drohnenangriffe rapide aus und stattet seine Marschflugkörper mit spezialisierten Brücken-Hohlladungen, einheimischen Triebwerken und Komponenten für autonomen Flug unter Störbedingungen aus. Da Jet-Drohnen derzeit nur zu etwa 57 % abgefangen werden – gegenüber rund 70 % bei anderen Drohnentypen – und Moskau deren Anteil und Geschwindigkeit weiter steigern will, entsteht für die ukrainische Luftverteidigung in der kritischen Phase Herbst/Winter eine gefährliche Schutzlücke.
Was geschehen ist
Der stellvertretende Kommandeur der ukrainischen Luftwaffe für Luftverteidigung, Oberst Jurij Tscherewaschenko, erklärte am 6. Oktober während einer Sitzung der Temporären Untersuchungskommission, Russland setze bereits Künstliche Intelligenz zur Angriffsplanung und Zielerfassung ein – insbesondere bei den langen Wellen von Drohnenangriffen auf Odessa. Die schwierigste Lage sieht die Luftwaffe über dem Schwarzen Meer, von wo aus Russland deutlich einfacher angreifen könne. Tscherewaschenko prognostiziert, dass Russland die Geschwindigkeit seiner Jet-Drohnen von derzeit bis zu 600 km/h auf 800–900 km/h steigern könnte.
Der ukrainische Militärnachrichtendienst (HUR) berichtete unterdessen, Russland habe bei der „Geran-4" die Optische Navigation, den Kompass und die Gefechtsladung verändert: Statt eines chinesischen Triebwerks wird ein in der Sonderwirtschaftszone „Alabuga" produziertes russisches Triebwerk verbaut, um die Abhängigkeit von iranischen und chinesischen Komponenten zu verringern. Die neue Version erhielt eine kumulativ-schneidende Hohlladung (KRSN), die laut HUR sogar armierte Stahl- und Betonkonstruktionen sowie Schrägseilbrücken beschädigen kann. In den vergangenen Tagen haben russische Kräfte die Angriffe auf die Nord- und Südrücke über den Dnipro in Kiew verstärkt. Zusätzlich wurde ein hochpräziser magnetoinduktiver Sensor amerikanischer Produktion verbaut, der autonome Navigation auch unter elektronischen Störbedingungen ermöglichen soll. HUR hatte bereits zuvor berichtet, dass Russland seine Produktion auf turbojetgetriebene „Geran-4"- und „Geran-5"-Modelle umstellt.
Am 5. Oktober meldete der 8. Armeekorps der Ukraine die Interzeption eines neuen russischen Aufklärungsdrohnen „Molnija-13", der 1,5-mal größer als seine Vorgänger ist und über vier Triebwerke verfügt. Die ukrainische Luftwaffe arbeitet nach eigenen Angaben mit rund 20 Herstellern von Jet-Drohnen-Abfängern zusammen; 14 führen bereits Testflüge durch, sechs haben Ergebnisse bei der Drohnenbekämpfung erzielt, drei gelten als aussichtsreich. Massenlieferungen werden jedoch frühestens Ende November erwartet.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die ukrainischen Quellen unterscheiden sich in der Formulierung der prognostizierten Höchstgeschwindigkeit künftiger russischer Jet-Drohnen: Einige nennen „bis zu 900 km/h", andere „800–900 km/h". Zudem wird in einem Artikel die Prognose als aktuelle Beobachtung gerahmt, während andere klarstellen, dass 800–900 km/h eine vorausschauende Projektion sind und aktuelle Jet-Drohnen höchstens etwa 600 km/h erreichen.
Hintergrund
Die „Geran"-Serie Russlands ist vom iranischen Shahed-Design abgeleitet; die Produktion wurde in die Sonderwirtschaftszone „Alabuga" verlagert, um die Abhängigkeit von iranischen und chinesischen Komponenten zu verringern. Der neu hinzugefügte amerikanische magnetoinduktive Sensor soll den Drohnen autonome Navigation auch unter Bedingungen elektronischer Kampfführung ermöglichen und damit jammergestützte Abwehr erschweren. Als Übergangslösung hat die Ukraine in Kiew zudem KI-gesteuerte 50-Kaliber-Geschütztürme installiert.