Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Südkorea weist ukrainische Entschuldigung als unzureichend zurück – möglicher Abberufung des Botschafters

Südkorea hat die von der Ukraine übermittelte Entschuldigung für die öffentliche Bekanntgabe der Übergabe zweier nordkoreanischer Kriegsgefangener an Seoul als unzureichend zurückgewiesen. Außenminister Cho Hyun erklärte am 6. Oktober im Parlament, Seoul erwäge konkrete Gegenmaßnahmen, darunter die Abberufung des Botschafters in Kyjiw. Die zentrale Differenz zwischen beiden Seiten bleibt die Frage, ob es eine Vertraulichkeitsvereinbarung über die Übergabe gab.

Das Wichtigste

  • Südkorea erhielt von Ukraine eine Entschuldigung von Außenminister Andrii Sybiha, die Seoul als nicht den Erwartungen entsprechend bewertet.
  • Außenminister Cho Hyun erklärte dies am 6. Oktober während einer parlamentarischen Anhörung seines Ministeriums.
  • Seoul erwägt verschiedene Schritte, darunter den möglichen Abberufung von Botschafter Park Hi-chan in Kyjiw.
  • Streitpunkt ist, ob es eine Vertraulichkeitsvereinbarung gab: Seoul bejaht, Kyjiw bestreitet sie.
  • Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Übergabe am 23. September vor der UN-Generalversammlung öffentlich gemacht.
  • Die zwei nordkoreanischen Soldaten waren im Januar 2025 in der russischen Oblast Kursk gefangen genommen und trafen Mitte September in Südkorea ein.
  • Südkoreas Präsident Lee Jae-myung hatte am 2. Oktober mit zusätzlichen Maßnahmen gedroht, falls Kyjiw die Vereinbarung nicht anerkennt und sich entschuldigt.

Warum es wichtig ist

Der Konflikt ist eine seltene öffentliche diplomatische Verstimmung zwischen der Ukraine und Südkorea, einem Land, das der Ukraine nicht-letale Hilfe geleistet hat. Seoul erwägt konkrete Strafmaßnahmen, einschließlich der Abberufung seines Botschafters aus Kyjiw, was die ukrainische Diplomatie in Ostasien in einer Phase belastet, in der Kyjiw die Beteiligung nordkoreanischer Truppen am Krieg hervorhebt. Der Streit dreht sich um gegensätzliche Darstellungen zu einer Vertraulichkeitsvereinbarung über eine sensible Kriegsgefangenentransferierung.

Was geschehen ist

Südkoreas Außenminister Cho Hyun erklärte am 6. Oktober während einer parlamentarischen Anhörung seines Ministeriums, dass die Ukraine eine Entschuldigung für die öffentliche Bekanntgabe der Übergabe zweier nordkoreanischer Kriegsgefangener an Seoul übermittelt habe. Cho bewertete diese Entschuldigung als nicht den Erwartungen entsprechend und kündigte an, Seoul prüfe entschlossene Gegenmaßnahmen. Laut Cho war die Entschuldigung von seinem ukrainischen Amtskollegen Andrii Sybiha übermittelt worden, mit dem er in ständigem Kontakt stehe. Unter den erwogenen Optionen ist die mögliche Abberufung des südkoreanischen Botschafters in der Ukraine, Park Hi-chan, ein Vorschlag, den ein Abgeordneter eingebracht hatte. Die Übergabe der zwei in der Oblast Kursk im Januar 2025 gefangen genommenen nordkoreanischen Soldaten war von Präsident Wolodymyr Selenskyj am 23. September vor der UN-Generalversammlung öffentlich gemacht worden, obwohl Seoul nach eigener Darstellung im Voraus informiert worden war.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Quellen stellen die Bewertung von Außenminister Sybiha in den Vordergrund, der die Lage als „diplomatisches Missverständnis“ bezeichnet und auf eine baldige Lösung hofft. Prominent aufgegriffen wird zudem die Stellungnahme des Kommunikationsberaters des Präsidenten, Dmytro Lytvyn, der jede Vertraulichkeitsvereinbarung bestreitet und argumentiert, die Offenlegung des Verbleibs der Kriegsgefangenen sei legitim gewesen. Mehrere ukrainische Schlagzeilen betonen, dass Seoul eine Entschuldigung direkt von Präsident Selenskyj persönlich erwartet habe, und rahmen die Auseinandersetzung damit stärker als Frage der Rangebene der Entschuldigung statt ihres Inhalts.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Die einzige englischsprachige Quelle, eine aserbaidschanische Agenturmeldung, fokussiert die mögliche Abberufung des südkoreanischen Botschafters und rückt damit die diplomatische Konsequenz in den Vordergrund. Die internationale Berichterstattung stützt sich überwiegend auf die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap und auf Cho Hyuns Parlamentsaussagen zur unzureichenden Entschuldigung.

Wo die Berichte auseinandergehen

Südkorea behauptet, es habe von Beginn an eine Vereinbarung zur Vertraulichkeit der Übergabe gegeben, die zum Schutz der Soldaten und ihrer Familien in Nordkorea gedient habe, und dass die ukrainische Seite ursprünglich selbst um Geheimhaltung gebeten habe. Die Ukraine weist die Existenz einer solchen Vereinbarung zurück; Selenskyjs Kommunikationsberater Dmytro Lytvyn erklärte, es wäre falsch gewesen, den Verbleib der Gefangenen zu verschleiern. Das Büro des Präsidenten erklärte gegenüber Yonhap, Kyjiw habe lediglich den Fakt der Übergabe selbst offengelegt, nicht aber Details des Vorgangs. Eine Quelle datiert zudem eine Vereinbarung zwischen Seoul und Kyjiw über die Übergabe auf Juli 2026, was im Widerspruch zur weiter verbreiteten Zeitleiste steht (Gefangennahme im Januar 2025, Eintreffen in Südkorea Mitte September).

Hintergrund

Zwei nordkoreanische Soldaten, die auf russischer Seite kämpften, wurden im Januar 2025 in der russischen Oblast Kursk von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen und Mitte September an Südkorea übergeben. Präsident Wolodymyr Selenskyj machte die Übergabe am 23. September während seiner Rede vor der UN-Generalversammlung öffentlich bekannt. Ein hochrangiger Beamter der südkoreanischen Präsidialverwaltung bestätigte, dass das Büro des ukrainischen Präsidenten Seoul vorab über Selenskyjs Absicht informiert hatte, die zwei Kriegsgefangenen in seiner UN-Rede zu erwähnen, auch wenn die genaue Formulierung unklar war. Am 2. Oktober drohte Südkoreas Präsident Lee Jae-myung mit zusätzlichen Maßnahmen gegen die Ukraine, sofern Kyjiw die Vertraulichkeitsvereinbarung nicht anerkenne und sich entschuldige. Seoul gibt an, die Auseinandersetzung auf diplomatischem Wege lösen zu wollen, und betont die Bedeutung der Partnerschaft mit der Ukraine.