Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Selenskyj: Russland hat faktisch eine neue Mobilmachung gestartet – 8.000 nordkoreanische Soldaten in Russland

Am 28. September erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, Russland habe faktisch eine weitere Mobilmachungswelle begonnen und werbe verstärkt ausländische Staatsbürger an, darunter Nordkoreaner. Nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes (HUR) befänden sich derzeit mehr als 8.000 nordkoreanische Soldaten auf russischem Territorium, weitere rund 10.000 würden für Training und Verlegung ausgewählt. Selenskyj sagte zudem, Russland bezahle Pjöngjang mit Technologien, mit deren Hilfe auf nordkoreanischem Boden die Produktion von Shahed-Angriffsdrohnen aufgebaut worden sei. Am selben Tag unterzeichnete Wladimir Putin einen Erlass, der die Sollstärke der russischen Streitkräfte um 15.500 Personen auf 2.441.630 erhöht.

Das Wichtigste

  • Selenskyj erklärte am 28. September, Russland habe faktisch eine zusätzliche Mobilmachung gestartet und werbe verstärkt ausländische Bürger an.
  • Nach HUR-Angaben befinden sich mehr als 8.000 nordkoreanische Militärangehörige auf russischem Territorium.
  • Eine weitere Gruppe von rund 10.000 Personen wird für Training und Verlegung nach Russland ausgewählt.
  • Russland bezahlt Nordkorea laut Selenskyj mit Technologien; mit russischer technischer Hilfe sei auf nordkoreanischem Boden die Produktion von Shahed-Drohnen aufgebaut worden.
  • Putin unterzeichnete am 28. September einen Erlass zur Erhöhung der Sollstärke der russischen Streitkräfte um 15.500 Personen auf insgesamt 2.441.630.
  • Die Ukraine will nach Selenskyjs Worten alle Regierungen informieren, deren Bürger Russland für seine Armee anwirbt.
  • Selenskyj rief Partner auf, den Sanktionsdruck auf Russland zu erhöhen, und nannte das Lindsey-Graham-Gesetz und EU-Sanktionen als mögliche Instrumente.

Warum es wichtig ist

Die Aussagen Selenskyjs zeichnen das Bild einer breit angelegten russischen Aufrüstung: offene Verträge mit finanziellen Anreizen, eine Ausweitung der Anwerbung ausländischer Bürger und eine wachsende militärische Zusammenarbeit mit Nordkorea, die laut Selenskyj inzwischen auch den Aufbau einer Drohnenproduktion auf nordkoreanischem Boden einschließt. Der Erlass Putins vom selben Datum unterstreicht diese Richtung – es ist bereits die vierte Erhöhung der Sollstärke im laufenden Kalenderjahr.

Was geschehen ist

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 28. September, gestützt auf einen Bericht des ukrainischen Militärgeheimdienstes (HUR / Hauptnachrichtendienst), Russland habe faktisch eine zusätzliche Mobilmachung gestartet und erhöhe die Zahl der Personen, die es auf verschiedenen Wegen anwerbe – darunter ausländische Staatsbürger. Nach den von Selenskyj zitierten Geheimdienstdaten befinden sich mehr als 8.000 nordkoreanische Militärangehörige auf russischem Territorium, eine weitere Gruppe von rund 10.000 Personen werde derzeit für Training und Verlegung nach Russland ausgewählt. Selenskyj sagte, Russland bezahle Nordkorea mit Technologien; mit russischer technischer Unterstützung sei auf nordkoreanischem Boden die Produktion von Shahed-Angriffsdrohnen eingerichtet worden. Die Ukraine werde alle Regierungen informieren, deren Bürger Russland für seine Armee anzuwerben versuche, und rief Partner zugleich auf, den Sanktionsdruck – etwa über das Lindsey-Graham-Gesetz und EU-Sanktionen – zu erhöhen. Am selben Tag unterzeichnete Wladimir Putin einen Erlass, der die Sollstärke der russischen Streitkräfte um 15.500 auf insgesamt 2.441.630 erhöht – die vierte solche Erhöhung im laufenden Kalenderjahr und die siebte seit Beginn des groß angelegten Krieges gegen die Ukraine.

Wo die Berichte auseinandergehen

Selenskyj bezeichnete die aktuelle russische Truppenaufstockung als faktische zusätzliche Mobilmachung. In der Berichterstattung wird dagegen hervorgehoben, dass Russland in den letzten Jahren vor allem auf offene Verträge mit finanziellen Anreizen für Freiwillige gesetzt hat und nicht auf das Teilmobilmachungsdekret vom September 2022 zurückgreift. Damit bleibt offen, ob die aktuelle Erhöhung der Sollstärke und die Anwerbung ausländischer Bürger im engeren Sinne eine Mobilmachung oder eine vertragsgestützte Aufstockung darstellt.

Hintergrund

Frühere Angaben des ukrainischen Geheimdienstes, die in der Berichterstattung aufgegriffen wurden, beziffern eine mögliche russische Herbstmobilisierung auf 300.000 bis 500.000 Personen, mit weiterer Planung von rund 600.000 in den Jahren 2026–2027. Für 2026 plant Russland demnach zudem die Anwerbung von rund 20.000 Ausländern, vor allem aus zentralasiatischen Staaten und mehreren afrikanischen Ländern. Das wichtigste Instrument zur Auffüllung der russischen Streitkräfte waren zuletzt offene Verträge mit finanziellen Anreizen, nicht das Dekret zur Teilmobilmachung vom September 2022.