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Ukraine plant schärfere Regeln für Mobilmachungs-Befreiungen

Der ukrainische Abgeordnete Jaroslaw Schelesnjak hat am 12. Oktober 2026 berichtet, dass die Regierung Änderungen an den Regeln zur Mobilmachungs-Befreiung vorbereitet. Der Entwurf sieht niedrigere Quoten für Beschäftigte in Rüstungs- und Energieunternehmen sowie in kommunalen Betrieben vor und würde einen neuen Koordinierungsrat unter Beteiligung von Geheimdiensten schaffen, der den Status „kritisch wichtig“ vergibt und entzieht.

Das Wichtigste

  • Jaroslaw Schelesnjak (Holos), erster stellvertretender Vorsitzender des Finanzausschusses der Werchowna Rada, veröffentlichte den Entwurf am 12. Oktober 2026 über Telegram; die Verteilung des Dokuments erfolgte am 9. Oktober.
  • Für Rüstungs- und Energieunternehmen soll die Befreiungsquote von 100 % auf maximal 85 % sinken.
  • Für Wärmeversorgung, Wasserversorger und Müllabfuhr soll die Quote von 75 % auf 60 % sinken.
  • Beschäftigte mit Aufschub (Studierende, Pflegende, Eltern dreier Kinder) sollen bei der Berechnung der 50%-Quote nicht mehr berücksichtigt werden.
  • Ein neuer Koordinierungsrat mit 17 Mitgliedern aus SBU, HUR, Auslandsnachrichtendienst und Nationalpolizei soll über den Status „kritisch wichtig“ entscheiden und ihn auch entziehen können.
  • Der Entwurf sieht keine Fristen, Kriterien oder Rechtsmittel für Entscheidungen des Koordinierungsrats vor; öffentliche Konsultationen sind nicht geplant.
  • Nach Angaben aus dem September 2026 sind in der Ukraine rund 1,4 Millionen Menschen von der Mobilmachung befreit; die meisten davon in der verarbeitenden Industrie.

Warum es wichtig ist

Die vorgeschlagenen Änderungen würden die Zahl der in der Kriegswirtschaft als kritisch geltenden, von der Mobilmachung befreiten Beschäftigten senken und den Befreiungsmechanismus neu justieren. Ein neuer, mit Sicherheits- und Nachrichtendiensten besetzter Koordinierungsrat erhielte die entscheidende Rolle bei der Vergabe und beim Entzug des Status „kritisch wichtig“ – ohne im Entwurf vorgesehene Fristen, Kriterien oder Möglichkeit zur Anfechtung seiner Entscheidungen und ohne geplante öffentliche Konsultationen.

Was geschehen ist

Am 12. Oktober 2026 berichtete der Volksabgeordnete Jaroslaw Schelesnjak auf Telegram, die Regierung bereite Änderungen am Beschluss über die Organisation der Mobilmachungs-Befreiungen vor. Er stützte sich auf eigene Quellen, die ihm den Entwurf zugespielt und dessen Echtheit bestätigt hätten; zwei anonyme Regierungsquellen bestätigten gegenüber НВ, dass solche Änderungen tatsächlich in der Regierung diskutiert würden. Möglicherweise sollte der Entwurf bereits am 13. Oktober auf einer Kabinettssitzung behandelt werden. Zu den Kernpunkten gehören niedrigere Befreiungsquoten für Beschäftigte in der Rüstungsindustrie und im Energiesektor (von 100 % auf maximal 85 %), für Wärmeversorgung, Wasserversorger und Müllabfuhr (von 75 % auf 60 %) sowie eine Neuberechnung der 50%-Quote, bei der Beschäftigte mit individuellem Aufschub künftig nicht mehr eingerechnet werden. Der Entwurf sieht zudem die Einrichtung eines Koordinierungsrats aus 17 Vertretern von SBU, HUR, Auslandsnachrichtendienst und Nationalpolizei vor, der künftig den Status „kritisch wichtig“ auf Empfehlung vergibt und auch entziehen kann. Fristen, Kriterien und Rechtsmittel für Entscheidungen des Rates sind im Entwurf nicht vorgesehen; bereits erteilte Befreiungen sind nicht ausdrücklich geregelt. Bis zum 20. Oktober sollen alle Ministerien und Oblast-Verwaltungen ihre sektoralen Kriterien für kritische Bedeutung überprüfen; öffentliche Konsultationen sind nicht geplant.

Wo die Berichte auseinandergehen

Nach Darstellung von НВ vertritt Verteidigungsminister Jewhenij Chmara die Position, dass die Beschäftigten im Rüstungsindustriekomplex möglichst umfassend von der Mobilmachung befreit bleiben sollen, während der von Schelesnjak veröffentlichte Entwurf die Quote in diesem Sektor gerade von 100 % auf höchstens 85 % senken würde.

Hintergrund

Die derzeitige Regelung in der Ukraine sieht vor, dass bestimmte Beschäftigte – darunter Mitarbeiter von Unternehmen, die als kritisch wichtig eingestuft sind – während der Mobilmachung und im Kriegszustand von der Einberufung befreit werden können. Nach Angaben aus dem September dieses Jahres sind rund 1,4 Millionen Menschen befreit, die meisten davon in der verarbeitenden Industrie. Zugleich sind nach НВ die Durchschnittsgehälter in kritisch wichtigen Betrieben in den vergangenen zwei Jahren um 55 % gestiegen, die Steuereinnahmen aus diesen Unternehmen entsprechend gewachsen.